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Klage von Delfinschützern Von Publikumslieblingen zu schwimmenden Imageproblemen: Delfine bringen Allwetterzoo Münster Ärger ein

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<em>Auf dem Absprung: </em>Die Delfinshow in Münster soll eingestellt werden – oder doch nicht? Foto: dapdAuf dem Absprung: Die Delfinshow in Münster soll eingestellt werden – oder doch nicht? Foto: dapd

Münster. Der Allwetterzoo Münster hat drei Probleme: die Delfine Nando, Rocco und Palawas. Eigentlich sollten sie längst aus Münster verschwunden sein. Doch angeblich will niemand das Trio haben. Und jetzt klagen auch noch Umweltschützer gegen das Delfinarium.

„Uns reicht es jetzt“, teilte Jürgen Ortmüller vom Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) mit. Seit Jahren bemängelt der WDSF die Haltungsbedingungen der drei Delfine in Münster . Die Hallen seien marode, für die Tiere bestehe Lebensgefahr.

Eigentlich hatte der Zoo angekündigt, das Delfinarium dieser Tage zu schließen. Das schwimmende Trio sollte zum Ende der Winterferien in Nordrhein-Westfalen zum letzten Mal seine Kunststückchen zeigen. Doch dann die plötzliche Mitteilung: Nando, Rocco und Palawas bleiben bis auf Weiteres doch im Allwetterzoo. Es sei keine neue Bleibe für die drei gefunden worden, und einfach im offenen Meer aussetzen sei auch keine Alternative, so die Auskunft von der Delphinarium GmbH , einem selbstständigen Unternehmen innerhalb des Zoos.

Dieser Rückzieher brachte das Fass bei den Delfinschützern zum Überlaufen. Sie reichten Klage beim Verwaltungsgericht Münster ein. Bereits im Vorfeld hatte der Münsteraner Zoodirekter erklärt, für eine Sanierung der Anlagen hätten mindestens 20 Millionen Euro aufgebracht werden müssen. Zu viel, und so müssen die Delfine weiterhin mit dem 10 mal 20 Meter großen Hauptbecken vorliebnehmen.

„Vor zwei Jahren wurde die Schließung angekündigt. Was wurde in diesen zwei Jahren gemacht? Entweder es wurde geschlafen, oder die Öffentlichkeit wurde angelogen“, entrüstet sich Delfinschützer Ortmüller. Mit seiner Klage vor dem Verwaltungsgericht will er Einsicht in die Akten des Delfinariums bekommen und sehen, wie weit die Umzugsplanungen gediehen sind.

Betreute Lagune?

Ortmüller will zwar erreichen, dass die Delfine Münster verlassen. Doch er befürchtet: „Die Tiere sollen nur von einem Betonbecken ins nächste kommen.“ Als unwahrscheinlich gilt eine Umsiedlung innerhalb Deutschlands. Mittlerweile betreiben nur noch die Zoos in Duisburg und Nürnberg Delfinarien. „Die optimalste Lösung wäre eine betreute Lagune“, sagt Ortmüller, weiß aber auch, dass das finanziell für den Zoo wohl nicht zu stemmen wäre. Und das trotz einer 10000-Euro-Spende, die Peta in Aussicht gestellt hat.

Deswegen führen Nando, Rocco und Palawas weiter ihre Kunststückchen auf. Zuletzt vor ausverkauften Rängen, schließlich wurde bis zuletzt behauptet, es seien die letzten Shows. „Ziemliche Volksverdummung“, urteilt Ortmüller.

Für den Allwetterzoo werden die drei immer mehr zum Imageproblem. Das 1974 gebaute Delfinarium ist eine eigenständige GmbH . Zoodirektor Jörg Adler beschwerte sich jetzt, dass sein Zoo „in einer Verantwortung gesehen wird, die er nicht hat“. Das Delfinarium sei ein selbstständiges Unternehmen. In seiner Funktion als Zoodirektor habe er „keinerlei Einfluss auf den künftigen Verbleib der Delfine“, teilt er mit. Beim Delfinarium selbst war niemand für Rückfragen unserer Zeitung zu erreichen.

Inzwischen wird in Zookreisen gemunkelt, dass Nando, Rocco und Palawas im März Münster verlassen. Ausverkaufte Ränge im Delfinarium dürften ihnen bis dahin sicher sein.


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