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Flüsternd durchs Netz Plattform Whispeer verspricht ein Maximum an Datenschutz

Soziale Netzwerke wie Facebook bieten oft keinen Datenschutz. Davon hatte Nils Kenneweg genug – und entwickelte mit drei Freunden die Plattform Whispeer.Foto: colourbox.deSoziale Netzwerke wie Facebook bieten oft keinen Datenschutz. Davon hatte Nils Kenneweg genug – und entwickelte mit drei Freunden die Plattform Whispeer.Foto: colourbox.de

Osnabrück. Facebook sammelt Informationen über seine Nutzer und verkauft sie. Datenschutz? Privatsphäre? Fehlanzeige. Davon hatte Nils Kenneweg genug – und entwickelte mit drei Freunden eine neue Plattform. Sie heißt Whispeer und ist seit ein paar Wochen online.

Wer einem anderen ein Geheimnis bei Facebook oder anderen gängigen sozialen Netzwerken mitteilt, kann fast sicher sein, dass es danach kein Geheimnis mehr ist – selbst wenn der Gesprächspartner es nicht weiterverbreitet. Facebook sammelt Informationen über seine Nutzer und verkauft sie. Datenschutz? Privatsphäre? Fehlanzeige. Davon hatte Nils Kenneweg genug – und entwickelte mit drei Freunden eine neue Plattform. Sie heißt Whispeer und ist seit ein paar Wochen online.

Wer www.whispeer.de aufruft, sieht Grün: Erfrischend wirkt die Farbe, in der die übersichtliche Plattform gestaltet ist. Der Name setzt sich zusammen aus whisper (englisch für flüstern) und peer (englisch für Kollege, Gleichaltriger). Wie es funktioniert, wird schnell ersichtlich. Denn von den Funktionen her unterscheidet es sich kaum von herkömmlichen sozialen Netzwerken: Es gibt einen Newsfeed und eine private Nachrichtenfunktion. Bei allem, was man schreibt, lässt sich auswählen, wer die Nachrichten lesen kann. Jeder Nutzer kann zudem für sich einstellen, wessen Posts er im Newsfeed angezeigt bekommen möchte. Um das zu vereinfachen, können User verschiedene Kreise aus bestimmten Personen bilden.

Verschlüsselt

Allein von der Optik wirkt Whispeer vertrauenswürdig. Und das ist es auch, sagt Kenneweg: „Ich wollte nicht nur sagen, dass es Datenschutz gibt, es sollte auch so sein“, erklärt der 23-jährige Informatik-Student. Niemand außer dem Absender und dem Empfänger einer Nachricht könne diese lesen. „Die Nachricht wird auf dem Rechner des Absenders verschlüsselt und erst auf dem Rechner des Empfängers entschlüsselt.“ Ende-zu-Ende-Verschlüsselung also. Selbst die Gründer von Whispeer – neben Nils Kenneweg sind das noch Daniel Melchior, Michelle Thenhausen und Martin Czuchra – können die versendeten Nachrichten auf dem Server nicht lesen.

Das zu programmieren sei nicht immer einfach gewesen und habe ihn einige Nerven gekostet. „Aber die technische Herausforderung hat mich gereizt“, sagt der 23-Jährige, der ein klares Ziel vor Augen hatte: eine Möglichkeit schaffen, über das Internet so mit einer Person zu kommunizieren, als sitze sie neben einem – auch wenn sie vielleicht am anderen Ende der Welt ist. Den Gründern von Whispeer gehe es nicht darum, etwas mit möglichst vielen Menschen zu teilen, sondern das möglichst privat zu tun. „Es geht uns um die Interaktion. Es ist wichtig, den Menschen eine sorglose Kommunikation zu ermöglichen und so dafür zu sorgen, dass sie sich wieder über wichtige Inhalte austauschen können“, sagt Kenneweg. Das passiert in den herkömmlichen sozialen Netzwerken nur noch selten. Bei Facebook, Instagram, Twitter und Co. geht es oft nicht mehr um die Kommunikation an sich: Sie sind zu Werkzeugen der Selbstdarstellung geworden.

Spricht man Kenneweg gegenüber im Zusammenhang mit Whispeer von einem sozialen Netzwerk, reagiert er deshalb auch etwas zurückhaltend. „Wenn man von sozialen Netzwerken redet, verbindet man etwas Bestimmtes damit. Aber wir sind zum Beispiel keine Marketingplattform wie Facebook.“

Werbung gibt es bei Whispeer nicht. Das bedeutet aber auch, dass die Gründer auf diesem Weg keine Einnahmen generieren können. Noch dazu ist Whispeer kostenlos. Die vier finanzieren ihr Projekt bislang mit ihrem eigenen Geld. Einen Betrag im oberen vierstelligen Bereich haben sie bereits hineingesteckt. Die genaue Summe will Kenneweg nicht in der Zeitung lesen.

Eines der langfristigen Ziele der Whispeer-Gründer ist es, mit ihrer Idee auch Geld zu verdienen. Dazu wollen sie Premium-Features einführen. Wer bezahlt, soll seinen Account verifizieren lassen oder größere Datenmengen verschicken können. Schon jetzt können registrierte Nutzer einen Wunschbetrag spenden, wenn sie das Projekt unterstützen wollen. Bislang sind so 80 Euro zusammengekommen. Außerdem wollen die jungen Erwachsenen eine Version für Firmen entwickeln, mit der sie sicher intern kommunizieren können.

Zusätzlich zum Geld steckt bereits eine Menge Zeit in Whispeer. Die Idee zu einem Netzwerk, bei dem der Datenschutz im Vordergrund steht, hatte Kenneweg bereits vor vier Jahren. Neben dem Studium hat der 23-Jährige, der aus dem Kreis Herford (NRW) stammt und am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam studiert, die Idee immer mal vorangetrieben. Richtig losgelegt haben er und sein Team aber erst vor einem halben Jahr. Da haben sie dann auch eine Firma gegründet. „200, 300 Arbeitsstunden habe ich allein in den vergangenen drei Monaten reingesteckt“, sagt Kenneweg.

Mehr als 1000 Nutzer

Doch die Arbeit hat sich gelohnt. Mittlerweile haben sich mehr als 1000 Menschen registriert. Wie überall seien auch ein paar Karteileichen unter den Nutzern. Doch die große Mehrheit der angemeldeten User nutzt Whispeer auch aktiv. Bislang konzentrieren sich Kenneweg und sein Team nur auf den deutschen Markt. Die Internetseite ist allerdings bereits in englischer Sprache verfügbar und soll bald auch ins Französische übersetzt werden.

„Unser Ziel ist es, in drei Monaten die 10000er-Marke geknackt zu haben“, sagt Kenneweg. Ein ehrgeiziges Ziel? Der Bedarf nach alternativen und sicheren Netzwerken sei da. „Es gibt eine Menge Leute, die etwa Facebook wegen des mangelnden Datenschutzes nicht nutzen, oder weil es auf Selbstdarstellung abzielt.“

Doch selbst wenn die Gründer von Whispeer am Ende nicht ganz so viele Menschen für sich gewinnen können wie erhofft: Wenn sie es schaffen, dass die Leute wieder mehr darüber nachdenken, wo sie was im Internet posten, dann habe er immerhin ein kleines Ziel erreicht, sagt Kenneweg.


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