Hitze macht Geistlichen zu schaffen Pastor trägt Boxershorts unter dem Talar

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Einige Pastoren sind einfallsreich – und ziehen bei Hitze nur Boxershorts unter den Talar. Foto: imago/mmEinige Pastoren sind einfallsreich – und ziehen bei Hitze nur Boxershorts unter den Talar. Foto: imago/mm

epd Hannover. Pastoren im schwarzen Talar haben es bei Hitze schwer – gerade bei Freiluftgottesdiensten oder in stickigen Kirchen. Manche Geistliche sind im Hinblick auf die Kleidung einfallsreich.

Das Thermometer klettert auf 38 Grad. Eine Belastung – auch für junge Geistliche, die gerade ihre ersten Erfahrungen im Pfarrdienst machen. „Neulich hatten wir ein Gewitter kurz vor der Trauung“, erzählt Steffen Banhardt, Pfarrer in Heiligkreuzsteinach im Odenwald. „In der Kirche waren es zu Beginn des Gottesdienstes 95 Prozent Luftfeuchtigkeit und am Ende 97 Prozent.“ Der Schweiß rann dem Theologen aus Baden-Württemberg nur so von der Stirn. Eine halbe Packung Taschentücher brauchte er während des Gottesdienstes.

Stickige Kirchen

Ein junger Pastor aus Niedersachsen ist erst seit einem halben Jahr im Amt, stickige Kirchen kennt aber auch er schon. Er erzählt von einer Beerdigung eines Mitglieds aus dem Schützenverein. Dort werden sogenannte Ehrenwachen während der Trauerfeier gehalten, bei denen Mitglieder des Vereins Fahnen tragen. „Es war sehr heiß“, berichtet der Theologe. „Da ist dann ein älterer Herr mit der Fahne zusammengeklappt.“ Der Bestatter eilte sofort zur Hilfe und der junge Pastor wartete in Ruhe ab, bis der Bestatter ihm das Zeichen gab, dass der Mann sich erholt hatte. (Weiterlesen: Wie vermeide ich einen Hitzeschlag?)

Mit dem Gottesdienst in der Trauerhalle ist jedoch eine Beerdigung noch nicht zu Ende. Danach wartet noch der Gang zum Grab in der prallen Sonne. Pfarrer der evangelischen Kirche sind verpflichtet, bei Amtshandlungen einen Talar zu tragen. Der Talar ist meistens schwarz, eine Tradition aus der Zeit der Reformation, in der evangelische Geistliche das Gelehrtengewand der Universität trugen und sich so von den katholischen Priestergewändern abgrenzten.

Atmungsaktiver Sommertalar

Blöd nur: Die Farbe zieht die Sonne zusätzlich an. Entscheidend ist da der Stoff. Die Talarschneiderei Wasmer im fränkischen Issiggau hat einen Sommertalar aus sehr feiner Wolle im Programm. „Diese Wolle ist sehr atmungsaktiv“, erläutert Inhaberin Martina Wasmer. Billig ist so eine Anschaffung jedoch nicht. Ein Talar kostet um die 600 Euro, nicht jeder Pfarrer kann sich eine zweite Robe leisten

Steffen Hunder aus Essen ist schon lange im Amt. Er hat beruhigende Worte für seine jungen Kollegen: „Eine Beerdigung dauert zum Glück nicht so lang.“ Er macht sich eher Sorgen, wenn es um Open-Air-Gottesdienste geht, die dauern manchmal eine ganze Stunde. „Da habe ich tatsächlich auch schon mal eine Dame in der Gemeinde gehabt, die zusammengebrochen ist.“

Sakko vorgetäuscht

Um die Situation etwas erträglicher zu machen, überlegen sich viele, was sie unter dem Talar tragen. Ein heikles Thema. Für ein gepflegtes Äußeres sind eine Hose und ein Hemd Pflicht, das findet der junge Pastor aus Niedersachsen, Hitze hin oder her. Schmunzeln muss er deswegen, als er von einem Kollegen erzählt, der mit Kniestrümpfen und Armstulpen eine Hose und ein Sakko vortäuschte, sonst allerdings nur Boxershorts trug. (Weiterlesen: Wie man Tiere vor Hitze schützt)

Noch abenteuerlicher ist eine Geschichte, die Steffen Banhardt einmal gehört hat: Ein Pfarrer im Talar wird mit seinem Auto von der Polizei angehalten, weil er zu schnell fährt. Auf der Wache schlagen ihm die Beamten vor, doch den Talar beim Warten auszuziehen. Er zögert. Er hat nur Unterhemd und Unterhose an.

Hitzefrei ausgeschlossen

Wie man es auch dreht und wendet: „Hitzefrei kommt nicht infrage“, sagt Marit Ritzenhoff aus Wunstorf bei Hannover. „Als Pastorin habe ich die Aufgabe, für andere da zu sein.“ Da muss man halt mit den anderen mitleiden. Von den hohen Temperaturen seien ja schließlich alle betroffen. (Weiterlesen: Brieftauben bekommen Hitzefrei)

Auch ihr niedersächsischer Kollege sagt: „Heute keine Seelsorgegespräche, weil mir zu warm ist: Nein, das ist keine Lösung.“ Dann vielleicht ein Sprung ins kühle Nass. Steffen Banhardt war vor kurzem auf einem Gemeindefest. Dort stand ein Planschbecken. Das findet er eine gute Idee: „Erst Gottesdienst und dann Kirchencafé mit Planschbecken.“


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