Elf Millionen Hektar in Australien Kidman-Familie verkauft weltweit größtes Privatgrundstück

Von Barbara Barkhausen

Im australischen Outback ist viel Platz. Die Kidman-Ländereien erstrecken sich über die Bundesstaaten Südaustralien, Westaustralien und Queensland sowie das Northern Territory. Foto: imago/UIGIm australischen Outback ist viel Platz. Die Kidman-Ländereien erstrecken sich über die Bundesstaaten Südaustralien, Westaustralien und Queensland sowie das Northern Territory. Foto: imago/UIG

Sydney. In Australien wird eine der größten Ländereien der Erde verkauft: 110000 Quadratkilometer umfasst das Gelände des einstigen Rinderbarons Sir Sidney Kidman. Die Besichtigung dauert eine ganze Woche.

Sydney. Im australischen Outback ist viel Platz. Nur wenige Menschen bevölkern die rote Erde, die sich im Sommer aufheizt wie eine Bratpfanne. Einzelne Farmen können hier durchaus so groß sein wie ein ganzes Bundesland in einem europäischen Staat. Das größte Stück Privatland der Erde – nur einige Ländereien der britischen Königin, des Papstes und in Regierungsbesitz sind noch größer – steht nun inmitten des Outbacks zum Verkauf.

Fast so groß wie Österreich und die Schweiz

Die elf Millionen Hektar, also 110000 Quadratkilometer Land, gehören den australischen Nachkommen des legendären Rinderbarons Sir Sidney Kidman. Nun will die Kidman-Familie die Ländereien für über 325 Millionen Australische Dollar (224 Millionen Euro) verkaufen. Das Grundstück ist fast so groß wie Österreich und die Schweiz zusammen. Dazu gehört auch die größte Farm der Welt, die Anna Creek Station. Die allein ist mit fast 24000 Quadratkilometern mehr als halb so groß wie die Schweiz. Trotzdem leben auf den gesamten Kidman-Ländereien nur etwa 150 Menschen – dafür aber rund 185000 Rinder.

Bieter aus aller Welt

Laut der südaustralischen Division der Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die den Verkauf abwickelt, soll es reges Interesse aus aller Welt an dem überdimensionalen Anwesen geben. Bislang beäugt die australische Regierung ausländische Kaufwillige aber mit Argwohn. Landwirtschaftsminister Barnaby Joyce sagte bereits, dass er zumindest den Verkauf an eine ausländische Regierung blockieren werde. „Das hat nichts mit Fremdenhass zu tun, das ist das, was auch andere Länder tun – keine andere Regierung kann beispielsweise Land in China oder Indonesien kaufen“, sagte Joyce der Tageszeitung „The Australian“.

Es sei etwas anderes, wenn es sich um eine ausländische Firma oder Einzelperson handele, die investieren wolle. Eine ausländische Regierung könne ein Langzeitziel verfolgen, das auf Dauer gesehen die Interessen Australiens unterminieren könne. Neben australischen Interessenten soll es laut Medienberichten Bieter aus China, Großbritannien, den USA, Kanada, Südamerika, Indonesien und der Schweiz geben.

Viel Zeit einplanen

Interessenten, die die Ländereien besichtigen wollen, brauchen eine volle Woche, um sämtliche Farmen per Kleinflugzeug anzufliegen. Sie müssen dabei in die australischen Bundesstaaten Südaustralien, Westaustralien und Queensland sowie ins Northern Territory reisen, um alles abzudecken.

Über hundert Jahre Familienbesitz

Sir Sidney Kidman, der das Imperium einst aufgebaut hat, verließ mit gerade mal 13 Jahren sein Elternhaus – mit einem einäugigen Pferd und fünf Schillingen in der Tasche. Er arbeitete zunächst auf Rinderfarmen und freundete sich mit einem jungen Aborigine namens Billy an, der ihm viele Tricks und Tipps für das Überleben im Busch beigebracht haben soll. Seine erste eigene Farm kaufte er schließlich um 1885 in der Nähe von Alice Springs. Über die folgenden 50 Jahre baute Kidman ein Landwirtschaftsimperium auf, das bis heute seinesgleichen sucht. Der britische König George V. verlieh ihm 1921 für seine Erfolge gar den Ritterorden.

Fünf Generationen haben das Vermächtnis fortgesetzt, über hundert Jahre waren die Ländereien im Besitz der Familie – Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen, wie die Kidmans finden.


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