Australische Rocker spielen vor 75.000 Fans „Rock or Bust“: AC/DC lassen Hannover beben


Osnabrück. Die australischen Rocker von AC/DC haben am Sonntagabend Hannover für zwei Stunden beben lassen. Im Zuge ihrer Rock-or-Bust-Welttournee machten die Musiker auf dem Messegelände halt. Und gaben für 75.000 Zuschauer alles – vielleicht zum letzten Mal.

20.45 Uhr am Sonntagabend in Hannover, dem Tag, an dem der Sommer beginnen sollte. Seit Stunden peitscht ein schneidender Wind dicke Regenwolken über das Messegelände der Landeshauptstadt, Zehntausende Fans harren vor der teufelsbehörnten Bühne aus, festgekrallt an ihren Bierbechern. Dann ein Sonnenstrahl, Blitzen, Donnern, ein schneidender Gitarrenriff und Angus Young betritt die Bühne, 1,58 Meter lebende Musikgeschichte, auch mit 60 Jahren noch in Schuluniform. Der Kleinste unter den Großen an der Gitarre lässt den Boden beben. In diesem Moment ist klar: AC/DC sind in Hannover eingeschlagen, jetzt heißt es: Rock or Bust – rocke oder geh‘ kaputt.

Das Beste aus 40 Jahren Bandgeschichte

Die Musiker und die Fans entschieden sich für Ersteres. Zwei Stunden lang boten die Australier ihre größten Lieder aus mehr als 40 Jahren Bandgeschichte. Und das in der üblichen gesundheitsgefährdenden Lautstärke. Trotz der widrigen Umstände des Messegeländes, das keines Falls die beste Örtlichkeit für Rockkonzerte ist, sprang der Funke von der Bühne sofort auf das Publikum über. Sänger Brian Johnson feuerte die Fans und sich gleichermaßen an. Das gepresste Kreischen, das einst sein Markenzeichen war, funktionierte dabei nur noch bedingt. Stattdessen entdeckte Johnson das Singen für sich – und das mit 67 Jahren. (Weiterlesen: 75.000 Fans rocken zum Tourneestart)

Bewährtes Live-Konzept

Bei der Songauswahl hielt sich die Band Sonntagabend an Altbewährtes: In 120 Minuten presste sie die Klassiker des „Back in Black“-Albums, dazu „Highway to Hell“, „TNT“ und „For Those About to Rock“. Es ist das bewährte Live-Rezept der Australier, das seit Jahrzehnten funktioniert und nur minimal mit einigen Stücken des jeweils aktuellen Albums variiert wird.Auch deswegen fiel das Fehlen des an Demenz erkrankten Rhythmus-Gitarristen Malcolm Young und des Langzeitschlagzeugers Phil Rudd , der in Neuseeland mit der Justiz Probleme hat, nicht weiter auf. AC/DC-Liveshows leben nicht von Kreativität und Spontaneität, sie leben von der harten Arbeit der Musiker auf der Bühne. In Hannover wischte das Quintett sämtliche Zweifel beiseite, die Maschine AC/DC könnte angesichts der personellen Rückschläge ins Stocken geraten. Sie läuft geschmeidig wie eh und je.

Immerhin: kein Striptease

Auch dank Angus Young, der sich auch mit 60 Jahren noch über den Bühnenboden wälzte. Immerhin verzichtet er auf dieser Tour auf seinen Striptease. Denn: Auch an den Australiern sind die Jahrzehnte im Rock-Geschäft nicht spurlos vorbeigezogen. Die Großbildleinwände legten das schonungslos offen. Mag ihre Musik auch zeitlos sein, die biologische Uhr der Band tickt. Ein Ende von AC/DC nach der Erkrankung von Rhythmus-Gitarrist und Gründungsmitglied Malcolm Young hätte niemanden verwundert. Doch Bruder Angus entschied sich fürs Weitermachen. Die richtige Wahl, wie das Konzert in Hannover untermauerte.

Letzte Welttournee?

So fit sich die Band in der Landeshauptstadt auch präsentierte: Bei den langen Pausen, die sich die Rockveteranen zwischen ihren Alben gönnen, ist unwahrscheinlich, dass sie noch einmal auf Welttournee gehen. Sänger Johnson wäre dann mehr als 70 Jahre alt. Kein Alter vielleicht für einen Musiker – solange er nicht bei AC/DC arbeitet.

Und so reckte Angus Young wohl zum letzten Mal seine Gitarre in den Himmel über Hannover, läutete die Höllenglocke und donnerten die Kanonen zum letzten Mal in Hannover. Sollte es ein Abschiedskonzert gewesen sein, es war ein würdiges.

Norddeutschland hat AC/DC mit dem Konzert in Niedersachsen erst einmal hinter sich gelassen. Im Zuge der Tour kommen sie noch zwei Mal zurück nach Deutschland: am 25. Juni im Berliner Olympiastadion und am 12. Juli in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen.


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