„Größtes Geschenk Indiens“ Welt-Yoga-Tag: 45000 Inder üben den Sonnengruß

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Tausende trainieren für den Welt-Yoga-Tag in Neu.Delhi. Foto: imago/Hindustan TimesTausende trainieren für den Welt-Yoga-Tag in Neu.Delhi. Foto: imago/Hindustan Times

Neu-Delhi. Die UNO hat den 21. Juni auf Initiative des indischen Premiers Modi zum Internationalen Yoga-Tag erklärt. In Neu-Delhi wollen am Sonntag 45000 Indiens „größtes Geschenk an die Menschheit seit der Null“ mit einer Massenvorführung feiern. Doch Slogans wie „Yoga oder ab ins Meer“ schüren auch Angst.

Indiens Premier Narendra Modi ist seit Jahrzehnten ein begeisterter Yoga-Praktikant. Allmorgendlich macht er 20 Minuten lang mentale und physische Entspannungsübungen. Auf der UNO-Vollversammlung im September vorigen Jahres regte er den Welt-Yoga-Tag an, nachdem seine Regierung zuvor ein Ministerium für Yoga und traditionelle Medizin geschaffen hatte.

Der zuständige Minister Shripad Naik ist sich sicher, durch Yoga werde es weltweit „einen Lebenswandel geben. Unser Stil wird sich durchsetzen.“ Einer seiner Mitarbeiter äußerte gar, das sei „nach der Einführung der Null das größte Geschenk Indiens an die Menschheit.“ Das System sei bereits 2700 vor der Zeitenwende Teil der Industal-Zivilisation gewesen. Schon Indira Gandhi war eine aktive Anhängerin der Yoga-Kultur. Ihren Guru nahm sie auf alle Auslandsreisen mit. Außenministerin Sushma Swaraj bezeichnete nun „Yoga als die beste soft power Indiens, um die Welt zusammenzubringen und den Trend wachsender Gewalt zu beenden“.

Massenvorführung geplant

So verwundert nicht, dass die Bevölkerung, durch massive offizielle Propaganda stimuliert, diesem 21. Juni, dem Tag der Sommersonnenwende, entgegen fiebert. Die Regierung hat eine Megashow inszeniert, für die seit dem Frühjahr fleißig trainiert wird. Das Land will mit einer Massenvorführung von rund 45000 Teilnehmern allein in der Hauptstadt nicht nur ins Guiness-Buch der Rekorde, sie will zugleich auf diese Perle kulturellen Reichtums hinweisen. Daran nehmen Schüler, Beamte und Kadetten teil.

Obwohl die meisten Schulen noch Ferien haben, fanden sich hunderte Jungen und Mädchen angeblich freiwillig bereit, sich auf diese Großveranstaltung vorzubereiten. Dass Premier Modi mit gutem Beispiel vorangeht, zeigt durchaus Wirkung. „Er ist der König. Wenn der etwas tut, machen es ihm viele nach,“ meinte der Yoga-Lehrer Bal Mukund Singh. Und dDer namhafte Sozialwissenschaftler Shiv Viswanathan vermutete, Modi suche nach einer „neuen Art von Kulturrevolution“. Er sagte: „Ich mag den komischen Teil davon: übergewichtige Polizisten und Beamte bei Yogaübungen in einer Zeit, da die Gesellschaft durch Hamburger und Milchshakes verfettet. Modi ist in mehrfacher Hinsicht ein Benjamin Franklin Indiens.“

Kein Zweifel besteht an den positiven Effekten des Yoga auf Körper und Geist, etwa auf Verklemmungen und Verspannungen, auf Frust und Stress, auf das vegetative Nervensystem und das allgemeine Wohlbefinden.

Yoga oder ab ins Meer

Es soll sich auch lindernd auf Asthmaleiden auswirken und für normale Blutdruckwerte sorgen. Die Fanatischen Verfechter, darunter der charismatische Guru Baba Ramdev, der ein ganzes Ayurveda-Imperium und zahlreiche Klinikkomplexe besitzt, dichten dem Yoga allerdings auch Wundereffekte an: Es könne Krebs heilen, von HIV befreien, Homosexualität beseitigen und es sei ein erfolgversprechendes Mittel gegen Aggressivität und sexuelle Gewalt.Mitten in die Yoga-Vorbereitungen riet Yogi Adityanath, Parlamentsabgeordneter der Regierungspartei BJP, denjenigen Minderheiten, die gegen Yoga opponieren, sie sollten entweder das Land verlassen oder sich ins Meer stürzen.

Aus Kreisen vor allem der muslimischen Minderheit waren Befürchtungen laut geworden, das Yoga-System könnte für ultranationalistische Hindu-Propaganda auf Kosten des säkularen, in der Verfassung festgeschriebenen Charakters der Nation missbraucht werden. Denn das klassische Yoga ist mit hinduistischen Ritualen, wie der heiligen Silbe „Om“, dem Sonnengruß, verbunden. Premier Modi beruhigte: Es gehe am Sonntag um Gesundheit und nicht um Religion.


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