Gefahr für Menschen zu hoch Paris entfernt Liebesschlösser von Brücken

Von Birgit Holzer

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Paris. Hunderttausende Liebesschlösser befestigen Paare an den Brücken der Stadt der Liebe – doch weil die Gefahr für die historischen Bauwerke, Touristen und Einwohner durch die tonnenschwere Last zu groß wird, werden sie jetzt definitiv entfernt.

Sie sind der sichtbare und schwerwiegende Ausdruck für eine unvergängliche Liebe, die Paare in der Romantiker-Stadt Paris zelebrieren. Das Symbol eines starken Gefühls der Zusammengehörigkeit, erstanden für ein paar Euro von einem afrikanischen Verkäufer am Fuße einer der Brücken, die über die Seine führen. Oder von einem der Freiluft-Buchverkäufer an den Ufern, „Bouquinisten“ genannt, die ihr Geschäft weniger mit dem Verkauf von Ausgaben des „Kleinen Prinzen“ oder anderer Lektüre, sondern von Souvenir-Artikeln machen – darunter auch den Liebesschlössern. Mit Filzstift schreiben die Paare ihre Namen darauf, umrahmen sie noch liebevoll mit einem Herz und ketten den Anhänger an eines der Brückengitter, zwischen tausende andere Schlösser, die dort bereits hängen. Den Schlüssel werfen sie in den Fluss, wo er so lange liegen soll, wie ihre Liebe währt. Oder sogar länger?

Vom Trend zur Tradition

Der Trend, der 2008 begann, hat sich in wenigen Jahren zur Tradition entwickelt. Längst wurde er für die Geländer im wahrsten Wortsinn untragbar: In der Vergangenheit brachen sogar bereits Teile des Geländers unter der tonnenschweren Last herunter. Nun macht das Pariser Rathaus endgültig Schluss mit dem Brauch. Ab Montag werden zunächst von den beiden besonders überlasteten Brücken Pont des Arts und Pont de l’Archevêché zwischen dem Louvre und der Kathedrale Notre-Dame alle Schlösser abmontiert; die anderen sollen folgen. Als Ersatz dafür versprechen die Verantwortlichen eine „nie da gewesene künstlerische Aktion“. Bis zum Herbst sollen Flächen aus Kunstglas angebracht werden, an denen jedes Liebesschloss abgleitet.

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Leicht hat sich die Stadt die Entscheidung nicht gemacht. Es gab lange Debatten, bis es zu einer Einigung kam. Denn schließlich lebt Paris, die meistbesuchte Metropole der Welt, auch vom Ruf als Stadt der Liebe, wollte Romantiker nicht verschrecken. Doch das Schlösser-Phänomen ziehe zweierlei Risiken nach sich, erklärt das Rathaus: eine dauerhafte Beschädigung des historisch-kulturellen Erbes sowie eine echte Sicherheitsgefahr für Pariser wie Touristen. Gerne schippern diese in Ausflugsbooten über die Seine – und unter den schwer behangenen Brücken durch. Allein auf einem Meter Geländer wurde das Gewicht der Metallschlösser auf 300 Kilogramm geschätzt.

Alternativen kommen nicht gut an

Zunächst wurde es noch mit einer Kommunikationsoffensive versucht: Im August letzten Jahres forderten Plakate Paare dazu auf, Selfies, also mit dem Handy aufgenommene Selbstporträts, auf der extra dafür eingerichteten Seite lovewithoutlocks.paris.fr im Internet zu veröffentlichen und im Gegenzug die Geländer zu verschonen: „Unsere Brücken halten Eurer Liebe nicht stand, befreit sie, indem ihr Eure Liebeserklärung hier macht“, hieß es darauf. Doch während dort durchaus Pärchen Fotos von sich beim Schmusen einstellen, wollten andere nicht auf ihre metallenen Liebesbeweise verzichten, zumal diese überall erhältlich sind. Weiterhin glitzerten sie zu Hunderttausenden in der Sonne. Auch Aktionen wie die des Anti-Liebesschloss-Bündnisses „Fucklove Paris“ konnten ihnen wenig anhaben. Sie schnitten die am Sankt-Valentinstag einige Schlösser ab und filmten sich dabei – bis ein Souvenir-Verkäufer sie angriff und ihr Werkzeug in den Fluss warf. Solche unschönen Szenen soll es künftig nicht mehr geben – und „Mike & Susi“ oder „Lisa & Ben“ müssen sich etwas anderes einfallen lassen, um ein Zeichen ihrer Liebe zu setzen.

Auch am Bramscher Hasesee hängen Liebesschlösser. Das Magazin „Zeit“ hat diese gewürdigt.


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