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Fußballschuhe des Sohnes zu versteigern Hartz-4-Empfänger baut Frust in Ebay-Anzeige ab

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Auf den ersten Blick wirkt die Ebay-Anzeige nicht ungewöhnlich. In der Beschreibung verbirgt sich jedoch eine unglückliche Lebensgeschichte. Screenshot: NOZAuf den ersten Blick wirkt die Ebay-Anzeige nicht ungewöhnlich. In der Beschreibung verbirgt sich jedoch eine unglückliche Lebensgeschichte. Screenshot: NOZ

Osnabrück. Auf den ersten Blick ist es eine ganz gewöhnliche Ebay-Auktion. Zu ersteigern gibt es Fußballschuhe der Marke Puma. In der Artikelbeschreibung liest man jedoch die Lebensgeschichte des Anbieters. Voller Frust, Enttäuschung, Ärger über Hartz 4 und das Leben in Armut.

Der Ebay-Verkäufer asigimcabbar bietet derzeit bei Ebay die Fußballschuhe seines Sohnes zum Verkauf an. Selten getragen seien die Schuhe, weil sie zu klein sind. Bis dahin nichts Außergewöhnliches. Aber schon im nächsten Satz mag der gemeine Interessent stutzen. Der Verkaufserlös solle an die Partei gehen, die Hartz 4 eingeführt hat, und die Gewerkschaften. Damit wolle der Verkäufer ein Zeichen setzen gegen das Arbeitslosengeld 2, gegen Menschenhandel und Hungerlöhne.

„Die Anzeige, die mein Leben erzählt“

In der weiteren Beschreibung folgt die Geschichte der erfolglosen Jobsuche des Anbieters. Der Mann aus Velbert ist demnach 44 Jahre alt und Vater von drei Kindern. Vor sechs Jahren verlor er seinen Job als Gießer. Bis dahin verdiente er gut und konnte seine Familie gut ernähren. Doch dann verlor er seine Stelle. Die genauen Gründe dafür sind in seiner Beschreibung nicht erkennbar. Es folgte eine Odyssee durch Arbeitsämter, Weiter- und Umschulungsmaßnahmen. Verkäufer asigimcabbar schreibt nach eigenem Ermessen offen und ehrlich. Er spreche vielen aus der Seele, denen es ähnlich geht, findet er selbst.

Für die schlechte Rechtschreibung entschuldigt er sich. Er nehme in Kauf, sich mit seiner Geschichte zu blamieren, aber er wolle sein Leid einfach loswerden. Seinen Humor hat der Verkäufer nicht verloren.

Brief an den Bundespräsidenten

Und so liest man in der langen Geschichte unter anderem davon, dass er sich seine schlechten Zähne ziehen ließ, um einer Prothese Platz zu machen. Die erste Prothese habe jedoch nicht gepasst: „Das ist so, als würde man einen Mercedes Motor in einen Fiat einbauen“, schreibt er. Fast ein Jahr musste der 44-Jährige auf eine neue Prothese warten und mit vier Zähnen herumlaufen. Die Jobsuche wurde dadurch nicht einfacher.

Außerdem habe er dem Bundespräsidenten sein Leid in einem Brief geklagt. Das Bundespräsidialamt leitete seinen Fall an die zuständige Arbeitsagentur weiter. Er erhielt eine Einladung von der Arbeitsagentur. Dort wurde ihm eine Umschulung zum Servicefahrer angeboten. Den Lohn von 1500 Euro brutto fand er jedoch so unverschämt, dass der Job für ihn nicht in Frage kam.

„Wenn ich schreiben könnte, wäre ich Lufthansa-Pilot geworden“

Es folgten mehrere hundert weitere Bewerbungen, Depressionen, Panikattacken, Schlafstörungen und ein Termin beim Psychiater. Einen Job hat er bis heute anscheinend nicht. Seine Frau gehe mittlerweile für acht Euro die Stunde arbeiten. Von dem Lohn, Wohngeld und Kindergeldzuschlag finanziert die Familie ihren Lebensunterhalt.

Trotz der tragisch klingenden Lebensgeschichte, schafft es asigimcabbar mit humorvollen Sätzen seine Anzeige zu schließen: „Diese Schuhe hat kein Papst oder kein namhafter Politiker oder Schauspieler getragen – leider“, heißt es in Anspielung auf das Auto des ehemaligen deutschen Papstes Benedikt XVI.. Der Golf brachte vor zehn Jahren bei Ebay knapp 200.000 Euro ein. Seine schlechte Rechtschreibung relativiert der Vater mit der Aussage, „wenn ich schreiben könnte, wäre ich Lufthansa-Pilot geworden.“

Nur gute Bewertungen

Neben seinem Humor hat er auch seinen Geschäftssinn nicht verloren. Das Ebay-Verkäuferprofil weist 354 Bewertungen auf. Sie sind zu 100 Prozent positiv. Die Auktion mit den Puma-Schuhen läuft noch bis Sonntag, den 24. Mai. Der aktuelle Preis liegt bei einem Euro. Gebote gibt es bisher nicht.


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