Militäranwärterinnen in Indonesien Erniedrigender „Jungfrauentest“ auf dem Prüfstand

Von


Sydney. Indonesische Soldatinnen müssen sich einem Jungfrauentest unterwerfen. Während einer internationalen Konferenz auf Bali wollen Menschenrechtsgruppen das weltweit kritisierte Thema ansprechen. Auch ein führender Armeearzt ist auf ihrer Seite.

Große Hallen werden mit Vorhängen abgetrennt, um hunderte indonesische Militärsanwärterinnen auf einmal zu testen. Weibliche Mediziner, in Ausnahmefällen aber wohl auch Männer, untersuchen die meist blutjungen Frauen, die sich nackt ausziehen müssen. Mit dem so genannten „Zwei-Finger-Test“ soll festgestellt werden, ob ihr Jungfernhäutchen noch intakt ist. Letzteres ist eine der Voraussetzungen, um im indonesischen Militär aufgenommen zu werden.

Neben den angehenden Soldatinnen sollen angeblich auch immer wieder die Verlobten von männlichen Militäranwärtern getestet werden. Die Begründung hinter der umstrittenen Praxis ist, dass nur moralisch vorbildliche Menschen dem Militär dienen sollten.

Diskriminierend und „unwissenschaftlich

Menschenrechtsgruppen wie Human Rights Watch (HRW) gehen schon seit längerem gegen die „diskriminierende Praxis“ an, auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sie als „unwissenschaftlich“ verurteilt. Hymen oder Jungfernhäutchen können beispielsweise auch beim Sport reißen und nicht nur beim Geschlechtsverkehr. „Es ist gegen das Recht einer jeden Frau“, sagte eine Indonesierin, die den Test 2013 machen musste, im Gespräch mit Human Rights Watch.

Mehr Berichte aus aller Welt: noz.de/vermischtes

Die Menschenrechtsgruppe hofft nun, mit der Unterstützung internationaler Vertreter während einer Konferenz für Militärmedizin auf der indonesischen Urlaubsinsel Bali beim indonesischen Präsidenten Joko Widodo vorsprechen zu können. Die Praxis soll laut HRW ein für alle Mal abgeschafft werden. Obwohl die Tests beispielsweise auch von angehenden Polizeibeamtinnen und einigen Mitarbeiterinnen im öffentlichen Dienst gefordert werden, regt sich seit einiger Zeit Widerstand. Für Positionen im Innenministerium wurde der Test Ende des vergangenen Jahres bereits abgeschafft.

Seit Jahrzehnten praktiziert

Human Rights Watch hat elf Frauen interviewt , die den Test in Militärkrankenhäusern in Indonesien abgelegt haben. Alle beschrieben ihn als schmerzhaft, peinlich und traumatisierend. Praktiziert wird der Test bereits seit Jahrzehnten: Eine ehemalige Luftwaffenoffizierin berichtete beispielsweise, dass sie ihn 1984 absolvieren musste. Vier Jahre nach dem Test habe sie dann ihren Verlobten geheiratet, sei durch den Test aber so traumatisiert gewesen, dass sie während der Hochzeitsreise nach Bali zunächst keinen Sex haben konnte. „Mein Körper war so steif“, sagte sie. Sie habe ihre Beine nicht öffnen können und habe die ganze Nacht geweint. Erst zwei Monate später hätten sie zum ersten Mal Sex haben können. „Das war alles wegen des Traumas, das ich wegen dieses Jungfrauentests hatte.“

Auch Militärarzt dagegen

Bereits vor der Konferenz für Militärmedizin, die die gesamte Woche über in Bali stattfindet, hat ein erfahrener Arzt des indonesischen Militärs sich in einem Interview mit dem „Sydney Morning Herald“ dafür ausgesprochen, den Test abzuschaffen. Die Regulierungen seien bereits auf dem Prüfstand, sagte Daniel Tjen der australischen Tageszeitung. Eine Diskussion während der Konferenz lehnte er dagegen ab. Der Test sei ein innenpolitisches Thema.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN