Narben mit Bildern verdeckt Australierin lässt sich nach Amputation Brüste tätowieren

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Sydney. Nach einer Brustkrebs-OP wollte eine Australierin nicht länger mit ihren Narben leben. Sie ließ sich ein Blumenmuster über ihre Brüste tätowieren. Im Internet wurde die Körperkunst tausende Male geteilt und als Mutmacher für Krebspatienten gelobt.

Mit drei Fotos hat eine Australierin eine unfreiwillige Online-Kampagne für Brustkrebspatienten gestartet. Mim d’Abbs ist eine Tattoo-Künstlerin in Darwin im Norden Australiens und lädt normalerweise Bilder von tätowierten Armen oder Schultern hoch. Löwen, Gesichter, Schriftzüge gehören zu ihren beliebtesten Motiven.

Doch die Bitte einer Kundin, deren Leben nach einer Brustkrebsdiagnose nur durch eine doppelseitige Mastektomie (Brustamputation) gerettet werden konnte, veranlasste die Australierin zu einem neuartigen Design.

Mim d’Abbs tätowierte beide Brüste ihrer Kundin mit einem aufwendigen, farbigen Blumenmuster. Die Mischung aus Lilien und Lotusblumen verdeckt die Narben und lässt die Unregelmäßigkeiten der Brust nach ihrer Rekonstruktion „verschwinden“. Die gesamte Prozedur dauerte rund dreieinhalb Stunden und klappte damit überraschend reibungslos. „Die Haut war wirklich gut zu tätowieren“, sagte die Australierin. „Ich war mir nicht sicher, da das Arbeiten über Narbengewebe durchaus problematisch sein kann.“

Weltweites Interesse

Nach getaner Arbeit lud die Tattookünstlerin die Bilder ihrer Kundin Anfang Mai auf ihrer Facebookseite hoch. Seitdem werden die Bilder weltweit geteilt und erhielten schon weit über 200000 Likes. „Heute habe ich mal etwas anderes tätowiert“, schrieb Mim d’Abbs neben die Fotos auf Facebook. „Ich entschuldige mich bei denen, die das etwas konfrontierend finden, aber meine Kundin und auch ich dachten, dass es gepostet werden sollte.“

Sie erklärte, dass es sich um ein Tattoo nach einer Brustrekonstruktion als Folge einer doppelseitigen Brustamputation handele. „Meine Kundin lächeln zu sehen, hat dies möglicherweise zum wichtigsten Tattoo gemacht, das ich bis heute je gemacht habe.“

Brustkrebs „kein Stigma“

D’Abbs, die in der Vergangenheit selbst eine Freundin an Brustkrebs verloren hat, gestand ein, dass sie noch nie zuvor so emotional auf ein Tattoo reagiert hatte wie auf das Blumen-Kunstwerk der Frau. Dem australischen Sender ABC sagte die Tattookünstlerin, dass sie nicht nach den Motiven ihrer Kundin gefragt habe. Aber sie verstehe, dass es für Frauen, die Brustkrebs überlebt haben, wichtig sei, Optionen zu haben. Außerdem sei es wichtig, über das Thema zu reden: „Das Ganze ist kein Stigma“, betonte die Künstlerin.

„Für eine Frau ist ihre Femininität wichtig“, sagte sie. Es mache viel aus, mit sich selbst zufrieden zu sein. Narben mit Tattoos zu verdecken, stelle dabei eine Option dar. Sie habe früher bereits Narben am Bauch mit Tattoos verdeckt, dies sei jedoch eine bisher einmalige Anfrage gewesen, sagte d’Abbs, die seit über 20 Jahren in ihrem Beruf tätig ist.

Das rote Kleid

Bereits im vergangenen Jahr rüttelte die Online-Kampagne „Unter dem roten Kleid“ („Under the red dress“) in Australien die Menschen auf. Damals veröffentlichte eine vierfache Mutter Bilder ihres nackten, vernarbten Körpers auf Facebook. Viele ihre Freunde reagierten damals erbost und „entfreundeten“ sie gar, doch dann gingen ihre Bilder ebenfalls um die Welt. Auf den Fotos war zunächst eine schöne, blonde Frau in einem hochroten Kleid zu sehen, bevor die Australierin denen, die weiter klickten, zeigte, was darunter steckte und damit ihren vom Krebs gezeichneten Körper offenbarte.


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