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Fakten und Fragen sechs Wochen danach Germanwings-Absturz: Was wir wissen und was nicht

Von dpa

Bei ihren Ermittlungen suchen die Behörden seit dem Germanwings-Absturz nach einer Erklärung für die Katastrophe. Foto: dpaBei ihren Ermittlungen suchen die Behörden seit dem Germanwings-Absturz nach einer Erklärung für die Katastrophe. Foto: dpa

Düsseldorf/Paris. Seit dem Germanwings-Absturz suchen die Ermittler nach einer Erklärung für die Katastrophe. Was ist bislang deutlich geworden? Und was nicht? Der Zwischenbericht gibt Antworten, doch nach wie vor bleiben einige Fragen ungeklärt.

Gut sechs Wochen nach dem Absturz des Germanwings-Flugzeugs in den Alpen sind viele Fragen beantwortet, andere offen. Einige davon werden es auch nach dem Bericht bleiben, den die französische Untersuchungsbehörde Bea am Mittwoch vorgelegt hat. Die wichtigsten Fakten, soweit sie bisher bekannt sind:

Der Ablauf: Der Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings hebt am 24. März in Barcelona ab, Flug 4U9525, Ziel ist Düsseldorf. Die übliche Route. Der Kapitän verlässt kurz nach Erreichen der Reisehöhe das Cockpit, vermutlich, um auf die Toilette zu gehen. Nun übernimmt der Copilot Kommando und Steuer - und versperrt die Türe. Andreas Lubitz leitet ohne Notsignal den Sinkflug ein, um 10.53 Uhr verschwindet der Airbus vom Radar. Er sinkt schnell und gleichmäßig, kein Sturzflug, und zerschellt.

Die Flugschreiber: Datenschreiber und Voicerekorder bringen Licht ins Dunkel der Katastrophe an Bord des Airbus A320, weil sie relevante Daten wie Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe oder Neigungswinkel der Maschine ebenso aufzeichnen wie die Kommunikation. Auf der einen Blackbox sind unter anderem das ruhige Atmen des Copiloten zu hören und die verzweifelten Versuche der Crew, die Tür zum Cockpit aufzuschlagen. Die andere Box belegt, dass Lubitz beim Sinkflug sowohl die Höhe als auch die Geschwindigkeit des Flugzeugs nachsteuerte und aktiv das Steuer betätigte. „Man kann daraus schließen, dass er handlungsfähig war und dass alle seine Handlungen den gleichen Sinn hatten, nämlich das Flugzeug auf den Boden stürzen zu lassen“, ist Bea-Direktor Rémi Jouty überzeugt.

Das Wrack: An der Unglücksstelle in den Alpen ist die Bergung der Opfer und der Unglücksmaschine vom Typ Airbus A320 abgeschlossen. Alle großen Wrackteile des Flugzeugs sind geborgen. Der Boden muss noch von möglichen Schadstoffen gesäubert werden. Die Überreste des Flugzeugs lagern vorerst in einem Hangar in der nahe gelegenen 1400-Einwohner-Gemeinde Seyne-les-Alpes.

Der Täter: Ein Alleintäter, da sind sich die Ermittler sicher. Aufgewachsen in der Westerwald-Kommune Montabaur wohnte Lubitz bis zuletzt dort, ebenso in Düsseldorf. Seit September 2013 arbeitete er als Copilot bei Germanwings, vorher war er nach Lufthansa-Angaben während einer Wartezeit Flugbegleiter. Als Absolvent kam Lubitz frisch von der Verkehrsflieger-Schule der Lufthansa in Bremen zum Kölner Unternehmen.

Das Motiv: Kein Abschiedsbrief, kein Bekennerschreiben, aber deutliche Hinweise: Der Copilot litt 2009 unter einer schweren Depression, war suizidgefährdet. Die unterbrochene Pilotenausbildung setzte er fort, nachdem die Depression als abgeklungen galt. Volle Flugtauglichkeit wurde ihm damals mehrfach attestiert. Dennoch: Am Absturztag war der 27-Jährige krankgeschrieben - nur wusste das niemand. Zudem informierte er sich im Internet über Suizid und Behandlungsmethoden sowie über die Sicherheitsmechanismen von Cockpittüren. Und er testete sogar seine unfassbare spätere Tat: Schon auf dem Hinflug nach Spanien manipulierte Lubitz den Autopiloten der Unglücksmaschine. Aber handelte es sich um eine Verzweiflungstat? Und wenn ja, gab es dafür einen aktuellen Auslöser? Das bleibt ungeklärt.

Die Opfer: Beim Absturz der Maschine kamen alle 144 Passagiere, 2 Piloten und 4 Crew-Mitglieder ums Leben. Darunter waren nach Angaben des Auswärtigen Amts 72 Deutsche und 51 Spanier, aber auch Menschen aus den USA, aus Argentinien und der Elfenbeinküste. Allein 65 Opfer stammten aus Nordrhein-Westfalen, darunter 16 Schüler und 2 Lehrerinnen eines Gymnasiums in Haltern. Sie waren auf einem Austausch in Spanien gewesen.

Die technischen Folgen: Verkehrsexperten haben nach der Germanwings-Katastrophe zahlreiche Forderungen gestellt, einige wurden verworfen, mindestens eine dagegen umgesetzt: So haben sich alle deutschen und viele internationalen Fluglinien darauf verständigt, dass nun ein Cockpit zu jedem Zeitpunkt immer mit zwei Crewmitgliedern besetzt sein muss. Piloten warnen indes vor weiteren voreiligen Schlüssen aus dem Absturz.

Die finanziellen Folgen: Das Unternehmen sagte den Hinterbliebenen eine Soforthilfe von jeweils bis zu 50 000 Euro zu. Hart dürften die Verhandlungen der Anwälte mit der Lufthansa um Schmerzensgeld werden. Ein Versicherungskonsortium hat 278 Millionen Euro bereitgestellt, die Summe ist für die Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen und die Arbeit der Betreuungsteams sowie für den zerstörten Airbus A320 gedacht. Die Schuldfrage ist zumindest nach Ansicht von Opferanwalt Christof Wellens „eindeutig geklärt“. Bei einem vorsätzlichen Absturz, herbeigeführt durch den Copiloten, sei die Sachlage klar, sagte er dem Fernsehsender Phoenix: „Lufthansa ist für von ihr eingesetztes Personal in voller Weise verantwortlich“. Das Unternehmen hat sein Schreckensquartal zum Jahresbeginn mit deutlich verbesserten Ergebnissen überstanden.


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