Land fürchtet um seinen Ruf Dänemark verbietet Sex mit Tieren

Das dänische Parlament hat mit großer Mehrheit die Zoophilie, den Sex mit Tieren, verboten. Foto: imago/Michael SchöneDas dänische Parlament hat mit großer Mehrheit die Zoophilie, den Sex mit Tieren, verboten. Foto: imago/Michael Schöne

Stockholm. In Dänemark ist Zoophilie seit Dienstag nicht mehr erlaubt. Nachdem andere EU-Länder ein Verbot eingeführt hatten, kamen auch ausländische Sextouristen auf dänische Bauernhöfe. Nun will das Parlament in Kopenhagen den Ruf des Landes retten.

Tierschützer in Dänemark jubeln. Endlich hat das dänische Parlament mit großer Mehrheit Zweibeinern den sexuellen Umgang mit Vierbeinern verboten. Nur die Liberale Allianz stimmte gegen ein Verbot. Im toleranten skandinavischen Land verdienten sich Bauern bisweilen ganz legal als Zuhälter etwas dazu. Ihre Kunden kamen aus den dänischen Großstädten wie Kopenhagen.

Fernsehbericht enthüllt Sextourismus

Nachdem andere EU-Länder Verbote eingeführt hatten, wurde gar eine Art Sextourismus aus Nachbarländern wie Schweden, Deutschland und Großbritannien registriert. Bis zu 1300 Kronen (175 Euro) soll den Freier ein Pferd gekostet haben, enthüllte ein dänischer Fernsehbericht. Auch Frauen sollen demnach unter den Sextouristen gewesen sein.

In Deutschland wurde die Zoophilie erst im Februar 2013 verboten, mit einer Höchststrafe von 25000 Euro. In den meisten europäischen Ländern ist sie heute verboten.

Dänische Politiker fürchteten zunehmend um den Ruf ihres Landes. Wohl zu Recht.

„Immer mehr Länder haben ein Verbot. Es besteht das Risiko, dass wir zu einem Freiraum für Leute werden, die nur deshalb hierherkommen. Einen solchen Ruf wollen wir nicht haben“, sagte Landwirtschaftsminister Dan Jörgensen. Am Dienstag hat Kopenhagen den Orgien auf Bauernhöfen endlich ein Ende gesetzt.

Seit 2011 wurde über ein Verbot gestritten. Ein TV-Sender hatte das das Thema publik gemacht, und gezeigt, wie einfach es für Tierliebhaber ist, etwa mit kooperativen Hundebesitzern und Bauern in Kontakt zu kommen, und wie überraschend groß die Szene in Dänemark ist. Der Sender berichtete, es gebe Menschen, die einfach nur Sex mit Tieren wollten, und andere, die auch eine längerfristige emotionale Beziehung zu einem Tier führen. Schon 2011 sollen rund 17 Prozent der dänischen Tierärzte sexuell ausgenutzte Tiere behandelt haben.

Vor allem die rechtspopulistische Volkspartei wollte nach der Sendung ein Verbot durchsetzen, stieß aber auf unerwarteten Widerstand. „Meiner Ansicht nach gibt es keinen Bedarf für ein generelles Gesetz gegen den sexuellen Umgang mit Tieren“, sagte der damalige konservative Justizminister Lars Barfoed.

Symbolisches Zeichen setzen

Dies, obwohl seine Minderheitsregierung von den Stimmen der Volkspartei abhängig war. „Wir sollten uns nicht von einer Stimmung, die von einer Fernsehsendung aufgehetzt worden ist, zu Gesetzesänderungen treiben lassen.“, so der Minister. Auch der tierethische Rat Dänemarks war gegen ein Verbot. Die bereits bestehenden Gesetze gegen Tierquälerei reichten aus, hieß es von Verbotsgegnern. Es gelte nicht als bewiesen, dass den Tieren der Sex mit Menschen etwas ausmache argumentieren sie. Das Tierethikgremium veröffentlichte 2006 gar eine Studie, der zufolge Tiere manchmal gar Freude am Sex mit Menschen spüren können. Zudem gebe es ein praktisches Problem: Bei einem generellen Verbot müsse es zudem viele Sonderregelungen geben. Ansonsten müssten Bauern auf die Stimulierung ihrer Schweine für die künstliche Befruchtung verzichten, da auch das als Tiersex ausgelegt werden müsste. Zudem sei ungewiss, inwieweit ein Verbot rein praktisch etwas verändern würde, hieß es.

Tierschutzgruppen sind erzürnt über solche Haltungen. Es sei klar, dass die Tiere dabei leiden, und es gehe auch darum, ein symbolisches Zeichen zu setzen, dass es falsch ist, mit Tieren Sex zu haben. Oft lägen psychische Störungen im Hintergrund. Jahre des fruchtlosen von Rechtspopulisten und Tierschützern Protests scheinen nun endlich gewirkt zu haben: 76 Prozent der Dänen sind laut einer Umfrage für das Tiersexverbot.

(Weiterlesen: Dänemark: 13 Hunderassen auf „Todesliste“ – Deutsche Urlauber stornieren Reisen)


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