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Buffalo-Würmer statt Rindfleisch Osnabrücker entwickeln Burger-Bratling aus Insekten

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Osnabrück. Einen Burger-Bratling aus Insekten haben Jungunternehmer aus Osnabrück erfunden. Zusammen mit dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) in Quakenbrück haben sie im Februar das Produkt auf Basis von Buffalo-Würmern finalisiert. Mit dem „Bux Burger“ bringen die jungen Männer ein Nahrungsmittel auf den Markt, das Potenzial hat.

Mit ihrem Patty könnten die Jungunternehmer dem Burger-Bratling aus Fleisch in Supermärkten und Restaurants bald Konkurrenz machen. Nichts an dem Bratling aus Buffalo-Würmern erinnert mehr an die Insekten, aus denen er besteht. Der Patty sieht aus, wie man es von seinem fleischigen Bruder kennt. „Es schmeckt nussig. Man merkt, dass es kein Fleisch ist, es schmeckt aber auch nicht wie etwas völlig Fremdes“, beschreibt Baris Özel (28) den Geschmack. Ein Fleischersatz soll der Bratling aber auch nicht sein.

Zusammen mit dem 29-jährigen Max Krämer hat Özel die Bugfoundation gegründet. Seit 15 Monaten arbeiten die beiden mit mittlerweile zwei weiteren Mitarbeitern an dem Produkt. Wie Özel studieren auch Max Kultscher (22) und Malte Kanther (23) BWL. Auf die Idee gekommen sind die Gründer, nachdem Geografie-Student Krämer seine Bachelor-Arbeit über Insekten als Nahrungsmittel der Zukunft geschrieben hat. Auslöser war dessen „fantastisches“ Geschmackserlebnis, das er beim Kosten von Insekten in Thailand hatte.

Nährstoffreich

Während Insekten in einigen Teilen der Welt fest zum Bestandteil der Nahrung gehören, sind sie für viele Menschen in den westlichen Ländern noch immer ein rotes Tuch. Aber: „Insekten haben viele Vorteile“, sagt Krämer. Die Ökobilanz für Aufzucht und Verarbeitung ist besser als bei Fleisch – das schreibt auch die Welternährungsorganisation FAO in ihrem Bericht „Forest insects as food: Humans bite back“ (etwa: Insekten als Nahrung: Die Menschen beißen zurück). Sie benötigen weniger Platz bei der Aufzucht und erzeugen weniger Umweltverschmutzung. Laut FAO sind Insekten zudem sehr nährstoffreich. Sie enthalten viele Proteine, Mineralstoffe und Vitamine, aber auch Fette und Aminosäuren. In der Zukunft könnten Insekten auch bei der Bekämpfung von Hunger eine Rolle spielen. Und: Es wäre eine Möglichkeit, um den immer weiter wachsenden Proteinbedarf decken zu können.

Als die jungen Männer, die in Osnabrück studiert haben, auf die Idee gekommen sind, Insekten zu ansprechenden Lebensmitteln zu verarbeiten, haben sie zunächst recherchiert, was es auf dem Markt bisher so gab. Dabei fanden die Mitarbeiter der Bugfoundation heraus, dass die bisherigen Produkte mit Insekten hauptsächlich Scherzartikel waren. Dann brachten Belgier die ersten Produkte auf den Markt, in denen die Insekten noch als Ganzes zu sehen waren. „So viel gab es zu der Zeit noch nicht“, sagt Özel.

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Mit ihrer Idee wandten sich die Jungunternehmen schließlich an das DIL , wo sie das Produkt zu Ende entwickelten. Vor allem mussten sie an der Festigkeit der Masse arbeiten. Was genau in dem Bratling ist, verraten die Jungunternehmer nicht. Nur so viel: Die Buffalo-Würmer werden komplett zermahlen, mit anderen, ausschließlich natürlichen, Zutaten vermengt und ähnlich einer Frikadelle gewürzt.

Seit Februar ist das erste Produkt fertig. Noch in diesem Jahr soll der Bratling mit dem Namen „Bux Burger“ in Restaurants und später auch in Supermärkten angeboten werden – zunächst aber nur in Belgien und den Niederlanden. Denn das sind die einzigen europäischen Länder, in denen Insekten offiziell als Nahrungsmittel gelten. Auch in Deutschland sind Lebensmittel auf Insektenbasis noch verboten. „Wir rechnen damit, dass es hier 2016 erlaubt sein wird“, sagt Özel. „Wir sind auch schon mit potenziellen Partnern in Deutschland im Gespräch.“ Darunter seien auch große Namen.

Mit Fördergeldern finanziert

Die Bugfoundation ist nach eigenen Angaben der erste Anbieter von Nahrungsmitteln aus Insekten in Deutschland, das Interesse an ihrer Idee sei groß – entsprechend geheimnisvoll sind die Jungunternehmer. Sie befürchten, dass ihre Idee geklaut werden könnte. Finanziert haben sie das Projekt größtenteils aus Fördergeldern im fünfstelligen Bereich, die ihnen das Programm Food Future zur Verfügung gestellt hat. Genaue Zahlen wollen die Erfinder nicht nennen.

Was der Patty kosten soll, steht noch nicht fest. Aber: „Er wird wahrscheinlich teurer als eine Frikadelle“, sagt Krämer. Noch seien auch die Würmer, die sie aus Holland beziehen, teurer als Rindfleisch.

Ob das Produkt erfolgreich wird? „Der Ekel davor, Insekten zu essen, ist in der westlichen Welt noch groß“, sagt Özel. Die Erfinder glauben dennoch fest an ihren Erfolg. „Wir erreichen damit auch Menschen, die kein Fleisch essen“, so Özel. Sogar Vegetarier würden den Burger essen – weil sie wüssten, dass es den Insekten während der Aufzucht gut gehe.

Auch das DIL glaubt an das Projekt. „Die Produkte erscheinen sehr aussichtsreich – sobald Insekten als Lebensmittel zugelassen sind, ist daher zu erwarten, dass entsprechende Produkte auch im europäischen Markt etabliert werden können“, sagt Achim Knoch, Leiter Produktinnovation. „Aufgrund einer rasant wachsenden Weltbevölkerung verbunden mit einer Verknappung der Ressourcen ist die Lebensmittelforschung gefordert, Alternativen zu den etablierten Produkten und Rohstoffen zu finden.“ Deswegen wird vermutet, dass auch Deutschland die Richtlinien bald verändern könnte.

Die Bugfoundation habe in Kooperation mit dem DIL beweisen können, dass Insekten auch für traditionelle westliche Produkte gut geeignet seien. Demnächst sollen einige Variationen des „Bux Burgers“ in die Entwicklung geben. Zehn Ideen dafür haben die Jungunternehmer bereits.


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