Wie funktioniert ein Duales Studium? Dual studieren: Praxis und Theorie zugleich

Laura Hopp studiert an der Hochschule Osnabrück am Campus Lingen und arbeitet gleichzeitig bei der Bohnenkamp AG. Foto: Marie-Luise BraunLaura Hopp studiert an der Hochschule Osnabrück am Campus Lingen und arbeitet gleichzeitig bei der Bohnenkamp AG. Foto: Marie-Luise Braun

Lingen. Erst das Abi, dann die Lehre und dann das Studium. So sieht die übliche Reihenfolge aus bei Menschen, die sich nicht nur praktisch, sondern auch mit viel fachlichem Hintergrund für einen Beruf bilden möchten. Aber es geht auch anders: Mit einem Dualen Studium erwerben sie beides gleichzeitig.

Als Laura Hopp an ihrem damaligen Gymnasium in Gronau von der Möglichkeit eines Dualen Studiums hörte, war sie schnell angetan. Sie informierte sich mit einer Freundin darüber, Lehre und Studium parallel aufzunehmen – und stieß schließlich auf das Institut für Duale Studiengänge der Hochschule Osnabrück am Standort Lingen. Hier schrieb sie sich ein und begann zeitgleich bei der Bohnenkamp AG eine Lehre – einem international agierenden Vermarkter und Großhändler für Landwirtschaftsreifen mit Sitz in Osnabrück.

Kontakt zu Unternehmen

Das ist jetzt fünf Jahre her. Inzwischen hat Laura Hopp nicht nur ihre Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau abgeschlossen, sondern auch ihren Bachelor im Fach Betriebswirtschaftslehre in der Tasche. Zudem hat die 24-Jährige gerade ihr drittes Semester im Masterstudium „Führung und Organisation“ begonnen und ist Assistentin des Vorstandes der Bohnenkamp AG. „Man hat sofort Kontakt zu einem Unternehmen, die kaufmännische Lehre ist in das Studium integriert, und nach zwei Jahren ist man mit ihr durch. Dann konzentriert man sich auf den Abschluss des Studiums“, erläutert sie ihre Motivation.

Freie Zeit ist knapp

So ein Duales Studium ist aufwendig, denn nach Feierabend ist eben nicht Schluss. Dann beginnt die Lernerei, das Schreiben von Haus- und anderen Prüfungsarbeiten. „Das erledige ich aber am Wochenende, in der Woche schaffe ich das nicht“, sagt Hopp. Dabei ist die Zeit im Unternehmen und an der Hochschule klar aufgeteilt. Drei Monaten im Betrieb folgt eine Woche Präsenz in Lingen, in der jeweils ein Modul thematisiert wird. Während der dann folgenden Phase im Betrieb werden dazu Hausarbeiten verfasst, die in der Hochschulsprache „Praxistransfer-Projekt (kurz PTP)“ im Bachelor-Studium heißen oder aber „Reflexionsorientierte Transferstudi (RFT)“ im Master. Klar ist: Sie haben immer einen Bezug zum Unternehmen der Studierenden. „Das ist auch so gewünscht“, betont Hopp. (Weiterlesen: Was können Studenten gegen Prüfungsangst tun?)

Geben und Nehmen

„Wir brauchen Leute, die einen ganz klaren Praxisbezug haben“, erläutert Michael Rieken vom Vorstand der Bohnenkamp AG. Das Unternehmen hat 2007 zum ersten Mal Dual-Studierende aufgenommen. Alle zwei Jahre schreibt es derzeit jeweils zwei Stellen dafür aus, auf die sich Interessenten bewerben können. Anfang August sind gerade zwei Positionen besetzt worden.

Laura Hopp sei aber die erste bei Bohnenkamp, die nun auch ein Master-Studium auf dualem Weg absolviert, sagt Rieken. Nachdem sie ihren Bachelor abgeschlossen hatte, hat sie ein Jahr gearbeitet und ist dann mit ihrer Idee auf den Vorstand zugegangen. Das Unternehmen finanziert das Master-Studium und stellt Laura Hopp für die Präsenzphasen frei. Im Gegenzug bearbeitet sie für das Studium kleine Studien, die für das Unternehmen interessant sind, und verpflichtet sich, mindestens zwei Jahre nach dem Master-Abschluss im Unternehmen zu bleiben. Wechselt sie in eine andere Firma, muss sie einen Teil der Kosten des Studiums an das Unternehmen zurückzahlen. (Weiterlesen: Schritt für Schritt zum Auslandsstudium)


Dieser Beitrag ist im Hochschulmagazin „Quo Vadis?“ der NOZ Medien erschienen. Mit interessanten Tipps und Informationen zum Berufseinstieg und vielen weiteren spannenden Themen gibt es eine Orientierung für die Zeit während und nach dem Studium.

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