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Eurovision Songcontest 2015 Finnische Punks mit Down-Syndrom beim ESC

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Osnabrück. Die finnische Punkband „Pertti Kurikan Nimipäivät“ (PKN) wird beim Eurovision Songcontest (ESC) für Aufsehen sorgen. Der Grund ist: Alle Mitglieder leben mit geistigen Behinderungen. Drei haben das Down-Syndrom, einer ist Autist.

Punkbands: Das sind Alkoholexzesse, verwüstete Hotelzimmer oder demolierte Instrumente. Vielleicht lässt es das Punkquartett PKN ähnlich krachen. Aufmerksamkeit erregen sie allerdings aus einem anderen Grund: Alle Bandmitglieder sind geistig behindert. Drei Musiker haben das Down-Syndrom, und einer ist Autist. Sie treten nun für Finnland beim Halbfinale für den Eurovision Songcontest an. Beim Vorentscheid in ihrem Land setzten sie sich gegen 17 weitere Teilnehmer durch, und lösten mit 36,2 Prozent aller Stimmen das Ticket für ein Halbfinale in Wien.

Gute Chancen beim ESC

„Die Mitglieder unserer Band sind vier Männer mittleren Alters, die alle geistig behindert sind“, erklärt Bassist Sami Helle selbstbewusst. Ihr Song für den ESC heißt „Aina mun pitää“ („Ich muss immer“) und ist ein Punksong wie man ihn erwartet: derbe Gitarrenriffs mit gröhlendem Gesang, schnellem Schlagzeug und hartem Basslauf. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Finnland schon mehrfach Vertreter der „harten Schiene“ ins Rennen um die europäische Musikkrone schickte. Zuletzt gewann die Hardrockband Lordi (als erste Finnen überhaupt) 2006 den ESC. Zwei Jahre später trat die Metalband Teräsbetoni (Betonstahl) beim Wettbewerb an.

Kultband in Finnland

In diesem Jahr könnte der Punkrock eine Chance bekommen. Und scheinbar stehen die Chancen dafür nicht schlecht: In den Wettbüros, die bereits ESC-Tipps anbieten, schossen die vier Finnen gleich unter die ersten drei Favoritenplätze. Sollten sie es schaffen, wäre ihr Song mit einer Minute und 27 Sekunden der kürzeste Eurovision-Song aller Zeiten.

Die vier Musiker von PKN sind Pertti Kurikka (Gitarre), Kari Aalto (Sänger), Sami Helle (Bass) und Toni Välitalo (Schlagzeug). Sie lernten sich bei einem Workshop kennen und spielen bereits seit sechs Jahren zusammen. Den Namen hat die Band Gitarrist und Frontmann Pertti Kurikka zu verdanken. Er schrieb den ersten Song an seinem Namenstag, dementsprechend heißt die Band nun „Pertti Kurikkas Namenstag“. Mit ihrer ersten Single „Kallioon“ erreichten sie in ihrer Heimat schnell Kultstatus. Die Single „Ei yhteiskunta yhtä miestä kaipaa“ wurde 2010 auch in Deutschland veröffentlicht und war sofort ausverkauft. Zwei weitere Alben folgten im Jahr 2011.

Film machte sie berühmt

Die vier Musiker erhoffen sich von ihrem Auftritt beim ESC, dass sich mehr Menschen über das Down-Syndrom aufklären. Außerdem wünschen sie sich Unterstützung für Organisationen, die sich für geistig behinderte Menschen einsetzen.

Ein Film über die Band machte die vier Musiker schlagartig berühmt. In „The Punk Syndrome“ zeigen die Regisseure Jukka Kärkkäinen und J-P Passi, wie die Punkrocker ihre Musik als Ventil nutzen. Sie drücken ihre Frustration über alltägliche Dinge aus. Dazu gehört zum Beispiel das Leben in einer Wohngruppe oder das Warten auf einen Kaffee, weil ein Kellner sie wegen ihrer Behinderung nicht bedient. Der Film aus dem Jahr 2012 wurde unter anderem mit dem Publikums-Award beim Tampere Film Festival und dem „Jussi Award“ für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.


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