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Dreijähriger spurlos verschwunden Australien erlebt sein Maddy-Drama

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Wo ist William? Mit diesem Foto sucht die australische Polizei seit viereinhalb Monaten nach dem verschwundenen Kind. Foto: NSW Police ForceWo ist William? Mit diesem Foto sucht die australische Polizei seit viereinhalb Monaten nach dem verschwundenen Kind. Foto: NSW Police Force

Sydney. Ganz Australien zittert seit Monaten mit einer Familie, deren Dreijähriger spurlosverschwunden ist. Der Fall erinnert in großen Teilen an die Madeleine-McCann-Geschichte. Er wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt.

Ein verschmitztes Lachen auf den Lippen, verkleidet in einem Spiderman-Kostüm – so lief der dreijährige William Tyrell mit seiner vierjährigen Schwester um das Haus seiner Großmutter. Lachend und sorglos. Dieses Bild können weder Mutter noch Großmutter vergessen.

Hundert-Seelen-Ort

Als William Tyrell verschwand, war es Mitte September. In Australien hatte der Frühling begonnen, die Kinder freuten sich über die ersten warmen Sonnenstrahlen und den Besuch bei der Großmutter, die in dem kleinen Örtchen Kendall rund 350 Kilometer nördlich von Sydney lebt. In Kendall kennt man sich – nur wenige Hundert Leute leben hier. Die Großmutter von William hat ihr Haus in einer ruhigen Sackgasse, hier kommt kaum jemand vorbei, der hier nicht wohnt.

An jenem Tag im September saßen die Großmutter und Williams Mutter vor dem Haus in der Sonne. Sein Vater war gerade in den Ort gefahren, um einige Einkäufe zu erledigen, als seine Mutter sich entschied, in die Küche zu gehen, um eine Tasse Tee zu kochen. Gegen 10.25 Uhr sah die Familie den Kleinen zum letzten Mal um das Haus rennen. Fünf Minuten verstrichen, bis die Mutter losging und ihn im Garten suchte, nachdem er nicht wie zuvor lachend wieder aufgetaucht war. Als die Familie den Dreijährigen nicht sofort wieder fand, dachten alle zunächst, er habe sich versteckt oder sei erkunden gegangen.

Aufwändige Suche

Trotzdem wurde die Polizei nach nur 30 Minuten gerufen. Bereits um 13 Uhr suchten rund 100 Menschen nach William. In den Folgetagen durchkämmten Hunderte Freiwillige alle Wälder und Seen in der Umgebung. Neun Tage suchte man ohne Pause – und ohne Erfolg. William und sein hochroter Spiderman-Anzug blieben spurlos verschwunden.

Inzwischen ist die Mordkommission eingeschaltet worden. Niemand glaubt mehr, dass William sich nur „verlaufen“ hat, obwohl die Polizei faktisch nichts in den Händen hält, was auf eine Entführung hindeuten würde. „Wir haben keinen Hinweis, der im Augenblick auf irgendein besonderes Szenario deuten würde“, sagte die zuständige Polizeisprecherin der „Daily Mail Australia“.

Zehn Polizeibeamte sollen auch heute – viereinhalb Monate nach dem Verschwinden des Kindes – noch immer an dem Fall arbeiten. Die Polizei hat jeden Einwohner in Kendall verhört, alle Häuser und Anwesen durchkämmt. Je mehr sich abzeichnete, dass der Dreijährige höchstwahrscheinlich nicht selbst weggelaufen war, fingen wie auch im Falle des Verschwindens von Madeleine McCann in Portugal die Gerüchte an.

Die Familie habe eine komplizierte Vergangenheit, die Namen der Eltern würden aus rechtlichen Gründen weitergegeben, hieß es. War eine kriminelle Vergangenheit im Spiel? Dann war die Rede von einem „gut gekleideten, gut artikulierten“ Mann, der in einem Geschäft nach dem Weg zu einer Straße gefragt hatte, die dorthin führt, wo William an diesem Tag verschwunden ist. Später grub die Polizei den Garten eines Handwerkers um, der zur gleichen Zeit im Haus der Großmutter gearbeitet hatte. Alles ohne Erfolg und ohne den kleinsten Hinweis auf William. Dieser scheint wie Madeleine McCann vom Erdboden verschwunden . Viele Fragen sind nach wie vor offen – Antworten gibt es nicht.


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