Bild von verstorbener Tochter Facebook entschuldigt sich für „Jahresrückblick“-Panne

„Jahresrückblick“ mit Tücken: Facebook hat sich bei dem Web-Designer Eric Meyer entschuldigt. Foto: dpa„Jahresrückblick“ mit Tücken: Facebook hat sich bei dem Web-Designer Eric Meyer entschuldigt. Foto: dpa

Osnabrück. In diesem Jahr ist die Tochter des erfolgreichen Web-Entwicklers Eric Meyer an einem Hirntumor gestorben. Durch Facebook ist er in den vergangenen Wochen mit dem Tod der Sechsjährigen nochmals direkt konfrontiert worden – und zwar wegen der „Jahresrückblick“-App des sozialen Netzwerkes. Was ursprünglich als nette Geste von Facebook gemeint war, entpuppte sich in diesem Fall als makabere Entgleisung – wenn auch ungewollt. Facebook hat sich mittlerweile bei Meyer entschuldigt.

Fotos vom Liebesurlaub in der Südsee, Schnappschüsse von Party-Abenteuern, Bilder aus der neuen Wohnung – seit einigen Wochen bietet Facebook seinen Nutzern wieder einen persönlichen Jahresrückblick an, in dem dessen Postings mit den meisten Likes aus dem Jahr 2014 präsentiert werden. Eigentlich ein nettes Tool, um die Menschen in ihren Erinnerungen schwelgen zu lassen, möchte man meinen. Doch, was die Mitarbeiter des sozialen Netzwerkes offensichtlich vergessen haben: Nicht jeder Nutzer hat ein schönes Jahr hinter sich. Die „Jahresrückblick“-App von Facebook funktioniert eigentlich recht einfach. Durch einen Algorithmus werden diejenigen Posts oder Bilder des Nutzers ausgewählt, die besonders viele Likes erhielten. Sie erscheinen dann in der App.. Warum die Beiträge so vielen Freunden des Nutzers gefallen haben, ist irrelevant.

Tücken der Technik

Ein besonders häufig geliktes oder geteiltes Foto erscheint immer am Beginn des Rückblickes, garniert mit feiernden Männchen und dem Spruch „Es war ein großartiges Jahr! Danke, dass Du ein Teil davon warst!“ In den meisten Fällen mag das durchaus passend sein, bei dem amerikanischen Web-Entwickler Eric Meyer zeigten sich aber die Tücken dieser Technik: Die App platzierte ein Foto seiner in diesem Jahr verstorbenen Tochter an den Beginn des Rückblicks. In seinem Blog machte er auf den unsensiblen Fauxpas von Facebook aufmerksam – und erhält seitdem viel Zuspruch. Ihm sei bewusst, dass es keine Absicht von Facebook gewesen sei, ihn dadurch zu verletzen und ihn an sein totes Kind zu erinnern, heißt es in dem Blog. Für die meisten Nutzer funktioniere der Jahresrückblick hervorragend. Wenn sie ein tolles Jahr gehabt haben, können sie sich daran noch einmal erfreuen, indem sie sich beispielsweise die Selfies von einer grandiosen Party anschauen. „Aber diejenigen, die in diesem Jahr einen Angehörigen verloren haben, oder lange Zeit im Krankenhaus lagen, oder eine Scheidung durchmachen mussten oder ihren Job verloren haben, wollen nicht unbedingt auf dieses Jahr zurückschauen“, schreibt Meyer.

Funktion für idealen Nutzer?

Er könne das Problem der Programmierer jedoch verstehen. Ob ein Bild tausende Likes aus Mitleid, Sympathie oder anderen Gründen erhalte, könne von einer Maschine nicht entschieden werden. „Das ist eine Funktion für den idealen Nutzer, den fröhlichen, optimistischen Nutzer mit einem guten Leben“, macht er auf die Tücken der Technik aufmerksam. Facebook wirft er vor, einfach keinen Gedanken daran verschwendet zu haben, dass nicht jeder Nutzer ein tolles Jahr hinter sich hat. Für die Programmierer hat der Entwickler einen Tipp parat: Facebook solle die Nutzer um Erlaubnis bitten, bevor ein Jahresrückblick erstellt wird. Gleichzeitig müsse ein anderer Standard-Spruch gewählt werden.

Facebook entschuldigt sich

Das soziale Netzwerk hat sich mittlerweile bei Eric Meyer persönlich entschuldigt. „Die App war für viele Menschen toll, aber in diesem Fall haben wir eindeutig Trauer statt Freude gebracht“, sagte der zuständige Produkt-Manager Jonathan Gheller . Facebook sei dankbar über dieses Feedback und versuche nun, die nächste Version dementsprechend zu verbessern.

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