„Es wird zu viel genörgelt“ Grönemeyer: „Der kleine Medicus“ als neues Erlebnisgefühl



Osnabrück. Seit Ende Oktober 2014 wird in den deutschen Kinos der Animationsfilm „Der kleine Medicus“ gezeigt. Ein 3-D-Streifen nach der Vorlage des Bestsellers „Der kleine Medicus“ von Mediziner und Buchautor Dietrich Grönemeyer. Zeit, erste Bilanz zu ziehen – mit dem bekannten Mediziner und dessen Sohn Till, der als Produzent des Kinofilms mitverantwortlich zeichnet.

„Das waren die strahlenden Kinderaugen und die tollen Fragen der Kinder“, antwortet Dietrich Grönemeyer sofort auf die Frage unserer Redaktion nach den schönsten Erlebnissen während seiner zahlreichen Kinoveranstaltungen. „Die Kinder wollten am Ende immer mehr vom kleinen Medicus. In vielen Kinos habe ich anschließend noch Gesundheitsunterricht gegeben.“

Für Sohn und Produzent Till Grönemeyer ist die Tatsache, dass der Film überhaupt in die Kinos gekommen sei, Lohn für einen langjährigen Weg: „Die Produktion hat zwei Jahre gedauert, was für einen Film unheimlich lang ist, für ein Animationsprojekt jedoch normal. Wir sind im März 2012 angefangen, im März 2014 war der Film fertig. Davor habe ich schon zwei bis drei Jahre lang an der Finanzierung und den weiteren Parametern gearbeitet.“ Bei der Suche nach Fördertöpfen habe sich der neue Ansatz des Films durchaus als Klippe erwiesen: „Es gab zwei Lager – kurz: Der einen Seite war es zu viel Wissensvermittlung, der anderen Seite zu wenig. Da war es schwer, alles unter einen Hut zu bringen.“

Nach Meinung einiger Filmkritiker ist die filmische Umsetzung des Bestsellers von Dietrich Grönemeyer in vielerlei Hinsicht holprig geraten – zum Beispiel mit einer merkwürdig leblosen Mimik der Figuren. „Das ist so, als würde man einen Golf mit einem Ferrari vergleichen“, hält Till Grönemeyer entgegen. „Die Kritiker vergessen dabei immer, dass wir uns hier in Deutschland befinden. Der Film ist eine rein deutsche Produktion. Wir haben zum Beispiel im Vergleich zu einer amerikanischen Pixar- oder Disney-Produktion nur etwa ein Zehntel des Budgets zur Verfügung. Wir reden hier über ein Budget von 5,6 Millionen Euro, was für einen deutschen beziehungsweise europäischen Film schon sehr amtlich ist. Eine Pixar-Produktion kostet zwischen 75 und 100 Millionen Euro.“ Vater Dietrich Grönemeyer lobt das „ganz neue Seh- und Erlebnisgefühl“. Der Film sei aufgegangen. Weiter: „Es ist richtig, ihn nicht genauer auf den Körper ausjustiert zu haben. Dann wäre er langweilig geworden – sozusagen eine Schulstunde mit Biologie-Unterricht. Den hätte kein Kind gewollt. In diesem Film wird spielerisch Wissen vermittelt. Es wird Abenteuer erzeugt und nebenbei werden Informationen gegeben. Auch die Schulleiter und Lehrer haben sehr positiv reagiert.“ Dass seine Bücher tiefgreifender seien, könne er nur bestätigen: „Dafür sind meine Bücher auch da, um die Thematik zu vertiefen. Der Film soll Jung und Alt begeistern und mitnehmen, sich danach noch mehr Wissen anzueignen. Leider wird zu viel genörgelt, anstatt das tolle Produkt und die Einmaligkeit dieses Films für Deutschland und die Chancen, die zukünftig darin liegen, zu sehen.“

Beim Ausblick ins Jahr 2015 dürften die Medicus-Fans frohlocken. „In Planung und in der Überlegung ist eine Fernsehserie zum kleinen Medicus, in der man sicher auch einzelne Kapitel viel tiefer verarbeiten kann. Das Projekt genießt in jedem Fall Priorität. Ob es realisiert wird, muss man abwarten. Es gibt in jedem Fall Interesse aus verschiedenen Richtungen“, erläutert Till Grönemeyer. Und da seine Bücher in 15 Sprachen übersetzt seien, so Dietrich Grönemeyer ergänzend, werde der Film auch in internationalen Gefilden auftauchen, „er ist ja auch englischsprachig produziert“.

Passend zur bevorstehenden Schlemmerei während der Festtage hat der Mediziner abschließend natürlich noch einige praktische Tipps parat: „Denjenigen, die viel Süßes oder Fettes zu sich nehmen, rate ich: bewegen, bewegen, bewegen. Spazieren gehen, Obst essen, weil Obst die Verdauung aktiviert und die nötigen Vitamine beisteuert. Vor allen Dingen sollte auch viel Wasser getrunken werden, um die Schadstoffe herauszubekommen.“ Im Übrigen gebe es im Hause Grönemeyer einen Weihnachtsbaum, der wieder eingepflanzt werden können. Grönemeyer: „Wer einen Tannenbaum schlägt, sollte als Ersatz mindestens auch wieder einen Baum pflanzen.“


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