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Freispruch – doch ein Verdacht bleibt

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Nach nur zehn von 18 angesetzten Verhandlungstagen hat das Landgericht Osnabrück gestern den Prozess um den Mord an dem Postbeamten Johannes Göcke abgeschlossen. 31 Jahre nach der Tat sprach die Strafkammer die drei Angeklagten Klaus Uwe E., Reinhard L. und Klaus W. frei. Und doch: „Es bleibt ein Verdacht“, erklärte der Staatswanwalt.

Ein spektakulärer Prozess sei es gewesen. Hierin waren sich alle Verhandlungsbeteiligten einig. Im September hatte die Staatsanwaltschaft den Fall Göcke, der 1977 auf einer Dienstfahrt erschlagen und um umgerechnet rund 21125 Euro beraubt worden war, wieder aufgerollt. „Bei dieser Beweislage war es nötig, Anklage zu erheben“, erklärte der Staatsanwalt. Gemäß der Aktenlage habe ein hinreichender Tatverdacht bestanden, so dass eine Verurteilung wahrscheinlicher erschien als ein Freispruch, erklärte der Staatswanwalt.

Während der Verhandlung stellten sich die Aussagen der beiden Schlüsselzeugen jedoch als unzureichend heraus. Der eine erkannte auf dem Foto nicht mehr das Postauto, das er am Abend des 13. Mai 1977 gesehen haben wollte. Größer solle es gewesen sein, wie ein Lkw. Der andere meinte, sich noch an alles erinnern zu können, nannte dem Gericht jedoch ein Autokennzeichen, das in dieser Form gar nicht in den Akten auftauchte.

„Wir sind bei diesem Verfahren an die Grenzen der Rechtsfindung gestoßen“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Und doch gebe es viele Indizien, die gegen die drei Männer sprechen. Zwei von ihnen waren bereits 1978 vom Landgericht Münster zu lebenslanger Haft verurteilt worden – wegen Mordes an einem Handlungsreisenden aus Hasbergen, nur zehn Tage vor dem Raubüberfall auf Göcke. An dem Mord an dem Handlungsreisenden war damals noch eine dritte Person beteiligt, Karl-Heinz N. Dieser trat im Laufe des Göcke-Prozesses als Zeuge auf. „Karl-Heinz N. gab an, dass weitere Überfalle geplant waren“, sagte der Staatsanwalt. Auch Utensilien hatte „die Bande“ nach seinen Angaben bereits besorgt: einen Polizeihelm, eine Kelle sowie gefälschte Dienstmarken. Etwa um dem Postbeamten eine Polizeikontrolle vorzuspiegeln und ihn so zum Anhalten zu bringen, wie in den Akten vermutet wird?

„Sie haben nichts Neues“, wetterte die Verteidigung. Nach mehr als 30 Jahren gebe es so viele neue technische Möglichkeiten, allen voran die DNA-Anaylse, doch diese Möglichkeiten seien hier nicht zum Tragen gekommen. „Mein Mandant sitzt nur hier, weil er einen anderen Mord begangen hat.“ Alle Punkte, die in dem Verfahren zur Sprache kamen, seien bereits bekannt gewesen. Zudem kritisierte der Verteidiger die „unausgegorene Anklageschrift. „Wir haben es uns wirklich nicht einfach gemacht“, erwiderte die Staatsanwaltschaft. „Wir wissen, was es heißt, Menschen wegen Mordes vor Gericht zu zerren. Ich möchte dringend davor warnen, der Staatsanwaltschaft einen leichtfertigen Umgang vorzuwerfen.“

In seinem Urteil fasste sich der Vorsitzende Richter kurz: „Ein Urteil kann sich nicht auf irgendwelche Spekulationen gründen.“ Da die Straftat nicht mit hinreichender Sicherheit festzustellen sei, sprach er die drei Angeklagten frei.


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