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«Unsere Mütter, unsere Väter» gewinnt Emmy in New York

Von dpa


New York. Es war nun wirklich nicht der erste deutsche Emmy, aber er wurde so gefeiert. Ausgelassen bejubelten die fünf Hauptdarsteller von «Unsere Mütter, unsere Väter» am Montagabend in New York den Preis und Produzent Nico Hofmann sprach vom «glücklichsten Moment» in seinem Berufsleben.

Kein Wunder, die Gala in New York hat Prestige und deutsche Unterhaltung international ansonsten nicht den besten Stellenwert. Und doch bleibt in den USA, wie in anderen Ländern, ein Beigeschmack beim deutschen Fernsehblick auf den Zweiten Weltkrieg.

Das fassungslose Staunen und die hochgereckten Fäuste der fünf Darsteller Volker Bruch, Tom Schilling, Katharina Schüttler, Ludwig Trepte und Miriam Stein, das gemeinsame Hochspringen für die Kamera, das wirkte noch begeisterter als bei den Gewinnern in den anderen Sparten. Deutschland jetzt auch Weltmeister bei den Miniserien? Es ist der Ritterschlag für den ZDF-Dreiteiler, der die deutsche Sicht auf den Zweiten Weltkrieg anhand der Schicksale von fünf jungen Leuten darstellen wollte. Den International Emmy - mehr kann eine nichtamerikanische Produktion in der Welt nicht gewinnen.

Aber was ist der Preis überhaupt wert? Um es kurz zu machen: In den USA nicht viel. Die International Emmys haben nicht einmal annähernd den Glanz der in Los Angeles vergebenen Emmys für das amerikanische Fernsehen und der internationale Ableger taucht in den US-Medien am Dienstag praktisch nicht auf. Wenn, dann werden die britischen Produktionen gewürdigt, aber das ist dann auch eher etwas für Kenner. Es ist fast so, als hätte in Deutschland Arte oder ZDF neo einen eigenen Fernsehpreis vergeben - und niemand so recht hat es gemerkt.

Dabei gibt es in den USA durchaus einen, wenn auch kleinen, Markt für ausländische Produktionen. Britische und kanadische sowieso, aber gerade die Dänen sind mit guten Ideen und unkonventionellen Produktionen erstaunlich stark. Der Emmy für Dramaserien ging in den letzten zwölf Jahren viermal nach Dänemark. Deutschland: null.

Auch wenn der Emmy für die beste Miniserie immer wieder nach Berlin, Potsdam oder München geht (etwa für «Die Manns» 2002 oder «Die Wölfe» 2009), deutsche Produktionen sind vor allem bei den Dokumentationen stark. Gelingt da ein besonders guter, realistischer Blick auf die Zerrissenheit junger Deutscher im Zweiten Weltkrieg? Im Ausland waren viele skeptisch. So waren die Polen empört über einen antisemitischen Widerstandskämpfer - obwohl einige Holocaustüberlebende genau das beschreiben. Deutsche wurden auch Opfer der Nazis, des Krieges, der Bomben. Aber waren sie nicht zuerst Täter?

«Geschichtsstunde, retuschiert» überschrieb dann auch die «New York Times» ihre Kritik der Miniserie. Die Zeitung ist mit der Geschichte ihres eigenen Landes kritisch und erkennt ansonsten durchaus den Willen der Deutschen zur Auseinandersetzung mit der Nazizeit an. Aber der Film «stellt zumindest zum Teil wieder die Auffassung her, dass die einfachen Deutschen von den Nazis verführt wurden und keine Ahnung von ihren Verbrechen hatten.»

Auch andere Zeitungen bescheinigen «Generation War» Spannung und Dramatik, aber eben auch den Versuch «ein paar Flecken von der Weste zu wischen» («Los Angeles Times»). Auch die «Washington Post» fand, dass die Filmemacher eine Generation, die Schuld auf sich geladen habe, zu einfach vom Haken ließen. Allerdings schreibt das Blatt auch: «Aber um ehrlich zu sein: «Generation War» macht genau das gleiche, was viele amerikanische Kriegsfilme tun, nur eben von der anderen Seite: Die Vereinfachung der Sichtweise, damit es bequemer für alle wird.»