Mutter in Sydney festgenommen Neugeborenes überlebt fünf Tage in Abwasserschacht

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Fünf Tage ohne Flüssigkeit oder Nahrung, nur in eine Decke gewickelt: So überlebte das Baby in einem Abwasserschacht. Foto: dpaFünf Tage ohne Flüssigkeit oder Nahrung, nur in eine Decke gewickelt: So überlebte das Baby in einem Abwasserschacht. Foto: dpa

Sydney. Am Sonntagmorgen entdeckten Radfahrer in Sydney ein neugeborenes Baby in einem Abwasserschacht. Zunächst vermutete man, es sei kurz zuvor ausgesetzt worden, doch es lag bereits seit fünf Tagen dort. Die Mutter wurde festgenommen.

Fünf Tage ohne Flüssigkeit oder Nahrung, nur in eine Decke gewickelt, in zweieinhalb Meter Tiefe in einem dunklen Schacht. Dass ein neugeborener Säugling solch ein Martyrium überleben kann, scheint kaum möglich. Trotzdem ist der kleine Junge, der inzwischen im Kinderkrankenhaus in Sydney behandelt wird, noch am Leben.

In tiefen Schacht gestoßen

Seine volle Leidensgeschichte kam zutage, nachdem die australische Polizei am Sonntagnachmittag noch die Mutter verhaftete, eine 30-jährige Frau aus Sydney, die sich nun wegen versuchten Mordes verantworten muss. Sie soll das Baby nach Polizeiangaben am Montag vergangener Woche in einem Krankenhaus in Sydney zur Welt gebracht haben. Am Dienstag „entsorgte“ sie den Säugling dann, indem sie ihn durch einen engen Spalt in einen Abflussschacht zwängte und zweieinhalb Meter in die Tiefe stieß.

Fünf Tage lag der Säugling dort, an einem Radweg neben einer vielbefahrenen Stadtautobahn. Das Wetter war warm, kein sturzbachartiger Regen hatte den Abwasserschacht durchspült. Doch am Sonntag sollte das Thermometer auf über 40 Grad klettern, es wäre wohl der letzte Tag in dem kurzen Leben des Säuglings gewesen.

Radfahrer hörten das Baby weinen

Am Sonntagmorgen brach jedoch auch der Australier David Otte mit seiner Tochter auf eine Radtour auf. Die beiden waren extra kurz nach sieben Uhr losgefahren, um der Hitze zu entgehen. Auch andere Sportler waren bereits früh unterwegs: Zwei Männer waren zuerst auf die wimmernden Geräusche aufmerksam geworden, die aus dem engen Schacht neben dem Radweg kamen. Sie stoppten Otte und seine Tochter im Glauben, es müsse sich um ein Tier, vielleicht eine Katze, handeln, die durch den engen Spalt in das eigentlich abgedeckte Rohr gerutscht war.

„Ich habe jedoch selbst zwei Kinder und weiß deswegen genau, wie sich Babyschreie anhören“, berichtete David Otte der lokalen Tageszeitung Sydney Morning Herald. „Es war so intensiv, es musste ein Baby sein.” Sie hätten den Säugling zwar nicht sehen können. Doch an seinem Schreien sei bereits zu hören gewesen, wie verängstigt das Baby war.

Die Gruppe rief die Polizei und versuchte verzweifelt, den schweren Deckel des Abwasserschachts hochzuheben. „Drei Männer und ein junges Mädchen hatten einfach keine Chance, den Deckel abzubekommen“, sagte Otte. Letztendlich brauchte es sieben Leute, um den dicken Betondeckel abzuheben und überhaupt an den Schacht heranzukommen. Einem Polizeibeamten gelang es schließlich, in den engen Kanal zu klettern und das Baby einem weiteren Polizisten anzureichen.

Rettung dank Evolution

Nach Angaben des australischen Kinderarztes Andrew McDonald können Neugeborene normalerweise bis zu vier Tage ohne Flüssigkeit nach der Geburt überleben, solange sie ohne Komplikationen geboren worden sind und warm gehalten werden. Vermutlich hat das warme Wetter der vergangenen Woche den Schacht nicht zu sehr auskühlen lassen, während das Baby trotzdem im Schatten lag und nicht überhitzte. Dass das Baby überlebte, hat es laut McDonald aber auch der Evolution zu verdanken. Denn bei der Mutter schieße erst am vierten Tag nach der Geburt die Muttermilch ein. „Einige Babys verlieren bis zu zehn Prozent ihres Geburtsgewichtes in den ersten vier Tagen ihres Lebens“, erklärte der Arzt dem Sydney Morning Herald. Viel länger hätte das Baby aber wohl nicht überlebt. „Es hatte eine Menge Glück, dieses Baby“, sagte McDonald.

Ähnliche Überlebensgeschichten gab es bisher schon nach Erdbeben. 2010 beispielsweise retteten Helfer nach einer Woche noch ein 22 Tage altes Baby aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses in Haiti.


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