Wie durch ein Wunder überlebt Sydney: Polizei rettet Baby aus einem Abflussschacht

Die Polizei in Sydney - hier ein Symbolbild - konnte die Mutter des kleinen Jungen ausfindig machen. Symbolfoto: dpaDie Polizei in Sydney - hier ein Symbolbild - konnte die Mutter des kleinen Jungen ausfindig machen. Symbolfoto: dpa

Sydney. Meist werden verstoßene Babys vor Krankenhäusern oder Polizeistationen ausgesetzt. In Sydney wurde ein neugeborenes Baby am Sonntagmorgen jedoch in einem zweieinhalb Meter tiefen, engen Abflussschacht neben einer Autobahn entdeckt.

Von Barbara Barkhausen

Eingewickelt in eine bunt gestreifte Decke, friedlich schlafend, nur die Stirn leicht gerunzelt. Das Babyfoto, das die Polizei in Sydney am Sonntag verbreitete, hätte auch das stolzer Eltern sein können. Wenig verrät es, dass es kurz nach einer nervenaufreibenden Rettungsaktion entstanden ist.

Für den Australier David Otte hätte es ein entspannter Sonntag werden sollen. Am frühen Morgen war er mit seiner Tochter zu einer Radtour gestartet. Die beiden waren schon um kurz nach sieben Uhr losgefahren, denn die Wettervorhersage versprach einen heißen Tag in Sydney mit über 40 Grad.

Auch andere Sportler waren bereits früh unterwegs: Zwei Männer waren zuerst auf das Wimmern aufmerksam geworden, das aus einem engen Schacht neben einem Radweg kam, direkt an einer vielbefahrenen Autobahn. Sie stoppten Otte und seine Tochter im Glauben, es müsse sich um ein Tier, vielleicht eine Katze handeln, das durch den engen Spalt in das eigentlich abgedeckte Rohr gerutscht war.

„Ich habe jedoch selbst zwei Kinder und weiß deswegen genau, wie sich Babyschreie anhören“, berichtete David Otte der lokalen Tageszeitung „Sydney Morning Herald“. „Es war so intensiv, es musste ein Baby sein.“ Sie hätten den Säugling zwar nicht sehen können, doch an seinem Schreien sei bereits zu hören gewesen, wie verängstigt er war.

Die Gruppe rief die Polizei und versuchte verzweifelt, den Deckel des Abwasserschachts hochzuheben. „Aber er wog wahrscheinlich eine Tonne“, sagte Otte. „Drei Männer und ein junges Mädchen hatten einfach keine Chance, den Deckel abzubekommen.“Es brauchte sieben Leute, um den dicken Betondeckel zu heben. Einem Polizeibeamten gelang es schließlich, in den engen Kanal zu klettern und das Baby einem weiteren Polizisten anzureichen.

Im Augenblick wird vermutet, dass jemand den Jungen durch einen engen Spalt zwischen Boden und Deckel gesteckt haben muss. Dass der Junge den etwa zweieinhalb Meter tiefen Fall bis zum Boden des Schachtes überlebte, gleicht einem Wunder. Ebenso, dass das Kind früh am Morgen entdeckt wurde, denn die angekündigten heißen Temperaturen am Sonntag hätte der Säugling nach Aussagen der Polizei nicht lange überlebt.

Zustand ernst, aber stabil

Äußerlich scheint er kaum Verletzungen davon getragen zu haben. Die dicke Decke, in die es eingewickelt war, muss den Fall gebremst haben. Das Kinderkrankenhaus, in das er nach seiner Befreiung eingeliefert wurde, gab seinen Zustand am Sonntag als unterernährt und ernst, aber stabil an.

Im Internet wurde der Suchaufruf nach den Eltern des ausgesetzten Babys wenigen Stunden nach seiner Rettung Tausende Male angeklickt. Am Nachmittag identifizierte die Polizei schließlich eine 30-jährige Frau aus Sydney als die Mutter. Auf der Facebookseite der Polizei äußerten viele ihren Ärger gegenüber der Frau: „Ich hoffe, dass sie darüber informiert wird, dass es sich bei ihrer Tat um versuchten Mord handelt“, schrieb die Australierin Kristy Rentoul. Es gibt keine Entschuldigung für das, was sie getan hat.Es gibt viele andere Orte, wo sie ihn hätte lassen können.“

Für den Retter David Otte scheint es „einfach nur unglaublich“, dass er und die anderen Radfahrer das Baby gefunden haben. „Man geht durchs Leben und sieht viele Dinge, aber man denkt nie, dass man so etwas sehen würde.“