zuletzt aktualisiert vor

«Reifeprüfung»-Regisseur Mike Nichols mit 83 gestorben

Von dpa

Mike Nichols hat viele Filmklassiker gedreht. Foto: Justin LaneMike Nichols hat viele Filmklassiker gedreht. Foto: Justin Lane

New York. Der amerikanische Film- und Theaterregisseur Mike Nichols ist tot. Der Oscar-Preisträger («Die Reifeprüfung») starb am Mittwoch im Alter von 83 Jahren, wie ABC-Nachrichtenchef James Goldston am Donnerstag mitteilte.

Nichols Frau Diane Sawyer ist eine prominente Nachrichtensprecherin bei dem Sender. Nach Informationen des «Hollywood Reporter» erlitt Nichols einen Herzstillstand.

«Er war ein wahrer Visionär», würdigte Goldston den Toten in seinem Nachruf. «Er war einer der ganz Wenigen, die den Emmy, einen Grammy, einen Oscar und den Tony-Preis gewannen.» Nichols' «triumphale Karriere» habe sich über sechs Jahrzehnte erstreckt und habe einige der größten Erfolge des amerikanischen Films, Fernsehens und Theaters hervorgebracht, sagte Goldston.

Die «New York Times» verglich Nichols in ihrem Nachruf mit Orson Welles und Elia Kazan, die sowohl im Theater als auch im Film künstlerisch erfolgreich waren. Anders als seine Zeitgenossen Woody Allen und Martin Scorsese habe Nichols keinen leicht erkennbaren visuellen Stil geprägt und ein weites Feld von Themen angesprochen.

Nichols wurde 1931 als Sohn jüdischer Eltern in Berlin geboren. Seine Großmutter mütterlicherseits, Hedwig Lachmann, übersetzte das Libretto von Richard Strauss' Oper «Salome». Der Großvater war ein politischer Anarchist, der 1919 von Rechtsradikalen getötet wurde. Mit sieben Jahren kam Nichols auf der Flucht vor den Nazis in die USA. Er führte eine unglückliche Kindheit und schloss erst beim Studium in Chicago Freundschaften, berichtete die «New York Times».  

1966 schaffte er den Durchbruch als Filmregisseur mit seinem ersten Film «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» mit Elizabeth Taylor und Richard Burton in den Hauptrollen. Schon ein Jahr später gewann er den Regie-Oscar für «Die Reifeprüfung» mit Dustin Hoffman.

«Silkwood» und «Die Waffen der Frauen» gehörten zu seinen weiteren Filmen. Zuletzt traten Tom Hanks, Julia Roberts und Philip Seymour Hoffman für Nichols' Politsatire «Der Krieg des Charlie Wilson» (2007) vor die Kamera.

Zuletzt arbeitete Nichols an einer HBO-Produktion über die Opernlegende Maria Callas mit Meryl Streep, die ihm schon bei vielen seiner Projekte zur Seite stand. Für sie war Nichols «einer der Größten unserer Zeit».