Internet-Hype um neuen Podcast „Serial“: Lauschen, wie der Mord aufgeklärt wird

Von Christian Lang

Bequem auf dem Sofa zuhören, wie sich die Widersprüche nach und nach auflösen: Im Podcast „Serial“ werden echte Kriminalfälle aufgedeckt. Foto: dpaBequem auf dem Sofa zuhören, wie sich die Widersprüche nach und nach auflösen: Im Podcast „Serial“ werden echte Kriminalfälle aufgedeckt. Foto: dpa

Osnabrück. In den USA boomt derzeit der Podcast „Serial“, eine Dokumentar-Serie, in der die Journalistin Sarah Koenig echte Kriminalfälle untersucht. Im Netz ist bereits ein wahrer Hype um die Krimigeschichten zum Hören entbrannt. Auch in Deutschland kann der Podcast heruntergeladen werden.

Schon bevor die erste Episode von „Serial“ Anfang Oktober veröffentlicht wurde, war klar, dass der Podcast für Furore sorgen wird – jedenfalls nach Meinung der Zuhörer: Die Hör-Serie stand bereits vor deren Debüt auf Platz eins bei iTunes. Diesen Rang konnte der Podcast mehrere Wochen verteidigen. Was ist das Besondere an der Serie, die binnen kürzerster Zeit eine riesengroße Fan-Szene aufgebaut hat?

„Serial“ ist ein Produkt der amerikanischen Journalistin Sarah Koenig, die auch die Sendung „This American Life“ produziert, eines der erfolgreichsten Formate des Radiosenders NPR.

Echter Kriminalfall wird gelöst

In „Serial“ geht es vor allem um eines: der Lösung eines echten Kriminalfalls. Jede Staffel dreht sich nur um einen Fall; bislang sind acht Folgen erschienen. Wer ist der Mörder der Highschool-Schülerin Hae Min Lee? Im Februar 1999 wurde sie tot in einem Park aufgefunden – mit bloßen Händen erwürgt. Alle Anzeichen deuten auf ihren Exfreund, der für die Tat lebenslänglich ins Gefängnis muss. Aber er streitet den Mord ab – hat die Polizei den Falschen erwischt? Diese Frage ist es, die die Fans seit Wochen in Atem hält und zu einem wahren Hype im Internet geführt hat. Der Mord an der Schülerin ist der erste Kriminalfall, den die Journalistin neu aufrollt. Im Zuge der Ermittlungen hat Koenig mit Freunden der Ermordeten, mit Anwälten und Familienangehörigen gesprochen – sowie mit dem inhaftierten Exfreund.

Die Download-Zahlen lassen sich sehen: Nach Angaben der Produzenten wird jede Episode rund eine Million Mal runtergeladen, auch in Deutschland kann man die Kriminalgeschichten im Internet, Auto und Smartphone verfolgen. Die Fans warten jede Woche gebannt darauf, bis donnerstags eine neue Folge erscheint. Mittlerweile haben sich sogar eigene Internetforen gebildet, in der die Zuhörer die wildesten Spekulationen anstellen, wer denn der Mörder ist. Jede Folge bringt neue Details ans Licht, der Fall wird immer komplexer. Koenig lässt den Zuhörer an ihren eigenen Gedanken teilhaben: Gibt es Widersprüche? War es doch nicht der Exfreund? Es sind die ständig neuen Erkenntnisse und die weiterhin offenen Fragen, die die Serie so spannend machen. Die Journalistin lässt die Zuhörer an ihrer Arbeit teilhaben – ob der aufgeklärt wird, ist unklar.

Spekulationen werden angeheizt

Wie Sarah Koenig erklärt hat, weiß sie selbst nicht, wer die Tat begangen hat, sie habe bloß eine Vermutung. Auf der Homepage des Podcasts werden nicht nur detaillierte Informationen zu den einzelnen Folgen geliefert. Vielmehr haben die Fans auch die Möglichkeit, Straßenkarten oder Briefe der in der Kriminalgeschichte beteiligten Personen zu lesen. Die Spekulationen sollen dadurch gezielt angeheizt, die Fans noch neugieriger gemacht werden – scheinbar eine wirksame PR-Strategie. In den USA wird der Podcast in den höchsten Tönen gelobt. „Wenn Sie nicht ,Serial‘ hören, verpassen Sie nicht nur bemerkenswerte Einblicke in einen Mordfall, sondern auch in die Kunst der Reportage“, hat beispielsweise der renommierte amerikanische Journalist David Carr bei Twitter geschrieben.