Wie Hilfsorganisationen den Wiederaufbau unterstützen Ein Jahr nach Taifun „Haiyan“: Leben in Trümmern

Von Franziska Kückmann


Osnabrück. Vor knapp einem Jahr, am 8. November 2013, ist der Taifun „Haiyan“ mit Spitzenböen von bis zu 379 Kilometern pro Stunde über die Philippinen hinweggezogen. Er forderte 7000 Todesopfer; rund vier Millionen Menschen verloren ihre Häuser. Noch wohnen viele der Überlebenden in provisorischen Unterkünften. Hilfsorganisationen wie terre des hommes und Help Age unterstützen den Wiederaufbau.

Zwei Stunden ist Gertraud Matthias zu Fuß unterwegs gewesen, um das abgelegene Dorf auf der philippinischen Insel Manicani zu erreichen. Hier, jenseits der Zivilisation, sind die Folgen des Taifuns „Haiyan“ noch gut sichtbar. Die Menschen haben sich aus den Trümmern ihrer Häuser Unterkünfte gezimmert, in denen sie auch ein Jahr nach der Naturkatastrophe noch leben. „Die meisten haben durch den Taifun ihre Einkommensmöglichkeit verloren“, sagt Matthias, Referentin für humanitäre Hilfe beim Osnabrücker Kinderhilfswerk terre des hommes, am Telefon. Sie ist derzeit auf den Philippinen unterwegs. Die Kokosplantagen seien zerstört und bräuchten lange, um nachzuwachsen.

Terre des hommes gehört wie das Osnabrücker Hilfswerk Help Age zu jenen Organisationen, die nach „Haiyan“ Soforthilfe geleistet haben. Das Nötigste zum Leben, Medikamente und Hygieneartikel brachten sie auf die Philippinen. Beiden Hilfswerken liegt daran, auch entlegene Orte der betroffenen Region zu erreichen. „Wir wissen, dass unsere Zielgruppe vor allem in den Dörfern und weniger in den Städten wohnt“, sagt Carolin Reintjes von Help Age. Das Hilfswerk hat sich auf die Unterstützung Älterer spezialisiert.

Nach der Soforthilfe kam der langfristige Wiederaufbau. Der ist noch lange nicht abgeschlossen, wie die Eindrücke von Matthias und Reintjes vor Ort zeigen. Helfer schätzen, dass bislang nur 30 Prozent der 1,1 Millionen zerstörten und beschädigten Häuser wieder errichtet oder ausgebessert sind. Und so helfen terre des hommes und Help Age beim Bau taifunsicherer Häuser, Schulen und Gesundheitszentren. Help Age bildet unter anderem Zimmermänner aus, die diese Arbeit künftig selbstständig übernehmen können. Terre des hommes bietet psycho-soziale Betreuung für traumatisierte Kinder an. Auch ein Jahr nach der Katastrophe ist noch viel zu tun.

Insgesamt erhielt terre des hommes fast 1,6 Millionen Euro Spenden für seine Arbeit auf den Philippinen. Eigenen Angaben zufolge erreichte das Hilfswerk bisher 27000 Menschen in 73 Dörfern. Help Age International hat laut Reintjes während der Nothilfephase bis April 2,4 Millionen Euro eingesetzt, davon 700000 Euro aus Deutschland. Bis Dezember 2015 sollen noch einmal 3,3 Millionen Euro investiert werden, davon 800000 Euro aus Deutschland.

Viele Philippinos sind laut terre des hommes unzufrieden mit dem Krisenmanagement ihrer Regierung. „Es sind viele Versprechungen gemacht, aber nicht eingehalten worden, etwa von Entschädigungszahlungen“, berichtet Referentin Matthias. Das Hilfswerk fordert einen besseren Katastrophenschutz für den Inselstaat. „Die philippinische Regierung muss endlich den nationalen Katastrophenvorsorgeplan umsetzen“, sagt die Vorstandsvorsitzende Danuta Sacher unserer Redaktion.

Sie weist darauf hin, dass die Philippinen nach dem pazifischen Inselstaat Vanuatu das Land mit dem weltweit höchsten Risiko seien, Opfer von Naturkatastrophen zu werden. „Dazu gehören vor allem Taifune, deren Häufigkeit und Ausmaß angesichts von Erderwärmung und Klimawandel vermutlich noch zunehmen werden“, warnt Sacher. Es sei Aufgabe des Staates, die Selbsthilfesysteme vor Ort zu stärken und dafür zu sorgen, dass die Menschen lernten, sich vor solchen Bedrohungen zu schützen. Das sei bisher versäumt worden.