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Download-Verzeichnis „Boerse.bz“ Raubkopierer-Razzia: Durchsuchung auch in Wallenhorst

Von Meike Baars

Im Visier der Polizei:  die Hintermänner des illegalen Download-Portals Boerse.bz. Screenshot: noz.deIm Visier der Polizei: die Hintermänner des illegalen Download-Portals Boerse.bz. Screenshot: noz.de

Osnabrück. 400 Polizisten haben am Dienstag bundesweit 121 Wohnungen durchsucht. Im Visier: die mutmaßlichen Hintermänner des illegalen Download-Verzeichnisses Boerse.bz. Millionen Menschen sollen von dort aus auf Links zu Zehntausenden Filmen, Computerspielen und E-Books zugegriffen haben. Auch in Wallenhorst wurde ein Objekt durchsucht.

Die Razzia fand unter Leitung der Staatsanwaltschaft Köln statt. Sie wirft den Verdächtigen die gewerbsmäßige Verbreitung urheberrechtlich geschützten Materials vor. In 14 von 16 Bundesländern durchsuchten die Polizisten Wohnungen und stellten Beweismittel sicher, die den Tatvorwurf bestätigen sollen. Darunter: Computer, Festplatten und DVDs. In Niedersachsen durchsuchten die Beamten am Morgen insgesamt 14 Objekte, darunter eines in Wallenhorst und eines in Nordhorn. Festgenommen wurde zunächst niemand. Strafantrag hatte nach eigenen Angaben die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) gestellt, die die Film- und Unterhaltungsindustrie vertritt.

Illegale Kopien

Das Download-Verzeichnis Boerse.bz soll Zugriff auf illegale Kopien von urheberrechtlich geschützten Werken der Unterhaltungswirtschaft ermöglicht haben, darunter rund 30.000 Konsolen- und PC-Spiele, mehr als 60.000 Kinofilme und knapp 14.000 TV-Serien. Die Plattform soll Nutzer über Links zu den illegalen Kopien geführt haben. Die nachgefragten Dateien seien bei sogenannten Filehostern gespeichert, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Bei diesen Hostern können Nutzer kostenpflichtige Abos abschließen, um Filme oder Spiele schneller herunterladen zu können.

Belohnung für Uploader

„Den Betreibern oder Verantwortlichen von Boerse.bz wird vorgeworfen, dass sie eine Provision von diesen Filehostern erhalten haben“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Auch Nutzer, die besonders viele urheberrechtlich geschützte Inhalte hochgeladen hätten, sollen eine Provision bekommen haben. Die Uploader erzielten den Angaben nach monatliche Gewinne von bis zu mehreren Tausend Euro.

Bei der Razzia suchten die Polizisten besonders nach Hinweisen auf die Identität dieser Uploader. Außerdem fahndeten sie laut Staatsanwaltschaft nach Material, das Verbindungen zwischen Uploadern und den Hintermännern der Website nachweisen kann.

Schon Ende Oktober hatte eine Razzia für Aufsehen gesorgt, die sich gegen die Betreiber eines Onlineportals richtete: Mit Durchsuchungen wollte die Staatsanwaltschaft Dresden die Verantwortlichen für das Portal kinox.to aufspüren. Auch diese Website sammelt Links zu raubkopierten Filmen und Serien. Zwei Hauptverdächtige flüchteten bereits im Sommer aus Deutschland. Trotz internationaler Fahndung sind sie noch immer nicht gefasst.

„Neues Zuhause“

Die Seite Boerse.bz soll im vergangenen Monat 5,6 Millionen Mal genutzt worden sein, 880.240 Seitenaufrufe erfolgten aus Deutschland. Sie ist noch immer aufrufbar. Einer der sogenannten Moderatoren der Website hatte in der vergangenen Woche eine Ankündigung mit dem Titel „Adé und Willkommen“ veröffentlicht: Das Portal habe „ein neues Zuhause gefunden“. Die Seite Boerse.to ist bereits online. (mit dpa)