Plan eines japanischen Konzerns Mit dem Aufzug ins Weltall

Mit dem Aufzug in Richtung Sternenhimmel? Ein japanisches Unternehmen will diese Vision bis zum Jahr 2050 realisieren. Foto: dpaMit dem Aufzug in Richtung Sternenhimmel? Ein japanisches Unternehmen will diese Vision bis zum Jahr 2050 realisieren. Foto: dpa

Tokio. Ein japanisches Unternehmen will einen Aufzug ins Weltall bauen. Der Schlüssel für das Projekt ist die Nanotechnologie, mit der ein Kabel von fast 100.000 Kilometern Länge konstruiert werden soll. Ab 2050 soll die Raumfahrt mit dem System revolutioniert werden.

Von Susanne Steffen

Es wäre der längste Aufzug der Welt. Denn er soll die Erde mit dem Weltall verbinden. Wenn alles so läuft, wie der japanische Baukonzern Obayashi plant, könnte dieser Traum der Science-Fiction-Branche bis zum Jahr 2050 Wirklichkeit werden. An einem Kabel aus Nano-Carbon-Röhrchen sollen sich Roboterautos mit Menschen und Lasten auf maximal 96000 Kilometer Höhe hoch hangeln. Doch bis es so weit ist, müssen noch jede Menge technische Probleme gelöst werden.

Bahnhöfe sind geplant

Vielleicht sei „Aufzug“ nicht ganz das richtige Wort, erklärte Projektleiter Yoji Ishikawa kürzlich im Gespräch mit japanischen Medien. „Stellen sie sich lieber eine Art Eisenbahn ins All vor. Das Kabel ersetzt die Schienen, und statt Zügen gibt es Climber-Fahrzeuge, die mit Magnetschwebetechnik fahren“, so der studierte Weltraumtechniker, der auch schon für die amerikanische Weltraumagentur NASA geforscht hat.

Auf dem Weg ins All soll es verschiedene Bahnhöfe geben. Beispielsweise könnte es in 3700 Kilometer Höhe einen Bahnhof geben, an den eine Mars-Forschungsstation angeschlossen ist – schließlich herrschen in dieser Höhe die gleichen Gravitationskräfte wie auf dem Roten Planeten. Von anderen Zwischenstationen aus könnten Weltraummissionen zu Mond, Mars und anderen vergleichsweise nahen Planeten starten. Von der Endstation in 96000 Kilometer Höhe schließlich, würden auch Flüge in bislang ungekannte Tiefen des Weltalls möglich.

Nanotechnologie macht es möglich

Dass diese Fantasie in greifbare Nähe gerückt ist, liegt nach Ansicht des Bauriesen Obayashi vor allem an der revolutionären Entwicklung der Nanotechnologie. Die Nanoröhrchen, aus denen Obayashi das Weltraumkabel bauen will, seien gut 100-mal stärker und sehr viel leichter als herkömmliche Stahlkabel, sagt Ingenieur Ishikawa. Einziges Problem: Bislang sind die Nanoröhrchen maximal drei Zentimeter lang. Doch davon lässt sich das Unternehmen nicht abschrecken. „Bis 2030 haben wir dieses Problem gelöst“, gab sich Ishikawa im Gespräch mit dem australischen Sender ABC zuversichtlich.

Im Alleingang wird wohl kein Unternehmen den Weltraumlift konstruieren können, das weiß auch der Erbauer des Tokio Sky Tree, des mit 634 Meter höchsten Fernsehturms der Welt. In Japan arbeiten bereits mehrere Universitäten an der Lösung der technischen Hürden. So hat sich eine Gruppe der Universität Kanagawa die Entwicklung der Roboterautos vorgenommen, die sich an dem Weltraumkabel emporziehen sollen. Letztlich sei aber eine globale Anstrengung nötig, um den Lift zu realisieren, vermutet Ishikawa.

Raumfahrt würde revolutioniert werden

Es ist nicht das erste Mal, dass Obayashi – genau wie andere japanische Bauriesen – mit utopischen Projekten Schlagzeilen macht. In den 80er und 90er Jahren hatte Obayashi Projektgruppen für den Bau von Mond- und Marsstationen ins Leben gerufen. Jahre später wurden die Projekte wieder eingestampft, weil klar wurde, dass mit der damals verfügbaren Technik, die Kosten ins Unermessliche gestiegen wären.

Diesmal sei das anders, betonen die Projektmanager, die übrigens nur einen Teil ihrer Arbeitszeit in das Aufzugprojekt stecken dürfen und ansonsten an irdischen Großprojekten arbeiten. Etwa 10 Billionen Yen (72 Milliarden Euro) würde der Aufzug kosten, schätzt das Unternehmen. Nur eine Billion mehr als die geplante Magnetschwebebahn zwischen Tokio und Osaka.

Sollte der Weltraumaufzug tatsächlich gebaut werden, könnte dies die Raumfahrt revolutionieren. Der Lift könnte wesentlich größere Mengen für etwa ein Hundertstel des Preises eines Space-Shuttle-Flugs ins All transportieren.