Das Wunder von Melbourne Australier lernt im Koma Chinesisch

Freut sich über seine neue Zweitsprache: Ben McMahon. Foto: Harold SunFreut sich über seine neue Zweitsprache: Ben McMahon. Foto: Harold Sun

Sydney. Nach einem einwöchigen Koma sprach ein Australier nur noch Chinesisch. Zunächst war der Schock für seine Familie groß, doch inzwischen nutzt der junge Mann die neue Gabe und bietet chinesische Touren durch seine Heimatstadt Melbourne an.

Von Barbara Barkhausen

Anfang 2012 war der Australier Ben McMahon als Passagier in einem Auto unterwegs, als ein Lastwagen dem Auto in die Seite fuhr. Der heute 22-Jährige erlitt schwerste Verletzungen und fiel ins Koma. Die Familie war verzweifelt: „Nach einer Woche habe ich dann den Anruf bekommen, dass er aufwacht“, berichtete sein Vater in einer Fernsehsendung des australischen Senders SBS. „Wir waren ekstatisch, doch dann sagte die Krankenschwester, er spricht nur Chinesisch.“

Drei Tage nur Chinesisch gesprochen

Der junge Australier hatte zuvor bereits Mandarin (Chinesisch) in der Schule gelernt, doch bis zum Unfall beherrschte er gerade einmal die Grundlagen der Sprache. Er sprach die Sprache aber keinesfalls fließend. Als Ben McMahon jedoch aus dem Koma aufwachte, sprach er plötzlich nur noch Mandarin. „Die ersten drei Tage sprach ich nur Chinesisch, das muss meinen Eltern etwas Angst eingejagt haben“, sagte der 22-Jährige dem australischen Sender. Auf einem Stück Papier schrieb er für seine Eltern in Mandarin: „Ich liebe meine Mutter und meinen Vater. Ich werde wieder gesund.“

Als er erwachte, hatte der junge Mann zuallererst eine asiatisch aussehende Krankenschwester gesehen, das muss – so vermutet er – die neu gewonnene Gabe ausgelöst haben. Erst nach etwa drei Tagen begann McMahon zur Freude seiner Eltern auch wieder Englisch zu sprechen. Zuvor hatte die chinesische Krankenschwester übersetzen müssen, was ihr Sohn gesagt hatte. Doch obwohl die englische Sprache wiederkam und Ben McMahon seine Muttersprache inzwischen wieder fließend und mit australischem Akzent spricht, blieb auch das Chinesisch erhalten.

Chinesische Talkshow moderiert

Jetzt ist Ben – der sich gerne einen Spaß damit erlaubt, dass sein Name auf Chinesisch soviel wie „dumm“ bedeutet – so fließend in der Sprache, dass er bereits eine chinesische Talkshow in Melbourne moderiert hat. Heute sieht der Australier den Unfall deswegen als einen Wink des Schicksals und macht sich die Gabe für seine Zukunft zunutze. Er absolviert einen Teil seines Wirtschaftsstudiums in China und bietet chinesische Rundgänge durch Melbourne an.

Ben McMahon ist übrigens nicht der einzige, der nach einem Koma mit neuen Sprachkenntnissen aufwachte. So sprach eine australische Frau im vergangenen Jahr nach einem Autounfall plötzlich mit französischem Akzent. Und 2010 konnte sich ein junges kroatisches Mädchen nach einem Koma perfekt in Deutsch ausdrücken, obwohl auch sie die Sprache zuvor kaum beherrscht hatte.