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Polizeimeldungen von der Wiesn Oktoberfest 2014: Wiesn-Monster verletzt


Berlin. Oktoberfest 2014: Mit 1.290 Straftaten verzeichnet die Polizei auf der 181. Wiesn weniger Delikte als im Vorjahr (1.525 Taten). Die Gewalt gegen Polizeibeamte selbst hat dagegen zugenommen. Zu den späten Verbrechen des Oktoberfests zählen der Verkauf eines Gummifischs und der brutale Überfall auf ein Geisterbahn-Monster.

Die Maß Bier kostet beim Oktoberfest 2014 bis zu 10,10 Euro. Doch das war eines der wenigen Verbrechen, das die 500 Polizisten auf der Wiesn und um die Wiesn herum nicht ahnden. Alle anderen Gangster des Oktoberfests kamen in den täglichen Wiesn-Report der Polizei Bayern. Hier nun die abschreckendsten Meldungen.

Wiesn-Monster verletzt

Am Tag der Deutschen Einheit erschreckt ein Fahrgast in der Geisterbahn so intensiv, dass er aus Zorn das verantwortliche Monster überwältigt. Der Mann steigt aus der Gondel, reißt die Figur aus der Verankerung und kugelt ihren Arm aus. Das schadhafte Monster muss erneuert werden.

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Fischfrau verkauft Gummifisch

Der lustigste „Betrugsversuch“ der Wiesn ereignete sich am Abschlusssamstag. Im Stress packt eine Fischverkäuferin ihrem Gast eine Deko-Semmel aus Gummi ein. Der Käufer bemerkt den Irrtum erst daheim, fährt mit dem Taxi zurück, lässt sich auch von der Erstattung des Kaufpreises samt Taxigeld nicht versöhnen und muss schließlich von der Polizei beruhigt werden.

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Blauer Wiesngast klaut Blaulicht

Traditionell verhütet die Polizei auf der Wiesn nicht Verbrechen; die Beamten werden auch selbst immer wieder zum Opfer. Am Donnerstag schlichten Polizisten den Streit eines betrunkenen Pärchens, indem sie den Zorn professionell auf sich ziehen und fortan selbst von nun einmütigen Pärchen beleidigt werden. Als Polizisten später am Abend bei einem weiteren Streit dazwischen gehen, werden die Beamten zu Boden geworfen und mehrfach gebissen. Und Polizisten, die gerade mit einem Kamerateam des „Münchner Merkur“ über die Wiesn spazieren, müssen sich von einem Betrunkenen mit Sieg-Heil-Rufen anpöbeln lassen. Am dämmlichsten ist aber ein offenbar ziemlich blauer Oktoberfestbesucher vorgegangen, der sich an einem Polizeiauto zu schaffen machte, das Blaulich abmontierte – und sogleich gestellt wurde. Die Polizei war schließlich nicht weit.

Kamera unter fremden Röcken

Ein 25-Jähriger dachte offenbar, mit den Betrunkenen auf der Wiesn leichtes Spiel zu haben. Am Aufgang zur Bavaria suchte er sich die augenscheinlich angetrunkenen Frauen aus und fotografierte ihnen unter den Rock. Nüchterne Beobachter zeigten den Täter bei der Wiesnwache an; er wurde festgenommen und gestand. Am Eröffnungswochenende der Wiesn hatte schon ein 53-Jähriger Frauen mit der Kamera belästigt; der Mann hatte sich professionell vorbereitet und eine Tasche mit einer Kamera und einem kleinen Sichtloch präpariert.

Mann beim Pinkeln überfallen und vergewaltigt

Als ein 24-Jähriger sich am zweiten Oktoberfest-Samstag zum Pinkeln an ein Gebüsch an der Bavaria gestellt hatte, wurde er von einem Unbekannten zum Sex aufgefordert. Als er ablehnte, spürte er, wie sein Kopf nach hinten gerissen und er zu Boden geworfen wurde. Während ein Komplize den 24-Jährigen am Boden hielt, hat der Haupttäter ihn vergewaltigt.

Insgesamt meldet die Polizei zur Wiesn-Halbzeit sieben Sexualdelikte. Neben dem hier beschriebenen Fall wird in einem weiteren Fall wegen Vergewaltigung ermittelt. Viermal kam es zu sexuellen Beleidigungen, bei denen die Opfer angefasst wurden; außerdem verbuchen die Ermittler eine Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Halbzeitbilanz beim Oktoberfest 2014

„Ich freue mich, dass wir auf eine entspannte und friedliche erste Wiesnwoche ohne größere Sicherheitsstörungen zurückblicken können“, sagt Polizeivizepräsident Robert Kopp laut Pressemitteilung. Für die zwei Vergewaltigungsopfer der ersten Oktoberfestwoche, für die stationär behandelten Opfer von Maßkrugschlägereien muss das bitter klingen. Die Polizei verweist in ihrer Bilanz auf den Rückgang der Delikte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum: „Die Zahl der Straftaten ist um über 20 Prozent rückläufig. Wurden im Jahr 2013 noch 831 Delikte registriert, so liegt die aktuelle Zahl nun bei 659 Delikten.“

  • Hier die Zahlen zur Wiesn-Halbzeit
  • 202 Gewaltdelikte (2013: 239 Delikte),
  • 45 gefährliche Körperverletzungen (2013: 59),
  • 15 Maßkrugschlägereien (2013: 37),
  • 103 polizeiliche Gewahrsamnahmen (2013: 101),
  • 235 Festnahmen nach verübten Straftaten (2013: 275),
  • 13 ergingen Anzeigen wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte (2013: 15),
  • 3 Raubdelikte (2013: 4 Fälle),
  • 7 Sexualdelikte (2013: 12 Anzeigen),
  • 8 Falschgeldverstöße (2013: 16),
  • 212 Taschendiebstähle (2013: 284 Fälle).

SS-Rune im Ausweis eines Wiesn-Ordners?

Am Sonntag fällt dem Oktoberfestbesucher und Journalisten Christoph Asche ein Ordner auf – weil er auf dessen Ausweiskärtchen eine SS-Rune zu erkennen glaubt. Asche fotografiert den Ausweis und schickt ihn über seinen Twitter-Account in die Welt: „Zum #Oktoberfest gibt sich Bayern mal ganz weltoffen“, spottet er. Direkt an die Polizei wendet er sich offenbar nicht – wie die Ermittler in ihrer Pressemeldung mokant bemerken. Durch den Tweet interessieren sie sich trotzdem bald für die womöglich verfassungsfeindlichen Symbole. Die Ermittlungen ergeben aber: Was wie eine SS-Rune aussieht, ist eine 44. Die verantwortliche Schreibkraft – mal wird sie als 30-Jährige beschrieben, mal als „alte Dame aus Kroatien“ – habe einfach nur eine sehr zackige Handschrift. „Ein Blick auf weitere Ausweise, die die Ziffer 4 beinhalteten, bestätigte dies“, recherchiert die Polizei und zieht gibt Entwarnung: „Der betreffende Ausweis wurde im Anschluss in eine übliche Schreibweise umgeändert.“

Oktoberfest 2014: Polizeimeldungen vom Eröffnungswochenende der Wiesn

Donald Duck abgeführt: Am Samstag mischen sich Donald und Daisy Duck unter die Touristen auf der Wiesn, lassen sich fotografieren und erbetteln dafür Geld – und das ist nicht erlaubt. Auf der Wiesnwache stellt sich dann heraus: Die Entenhausener sind nicht nur Schnorrer, sondern auch Betrüger. Tatsächlich waren die Federkleider nur minderwertige Kostüme und die Bettler darunter selbst Touristen.

Sexuelle Beleidigung: Beim Oktoberfest muss man schon um 17.50 Uhr mit betrunkenen Grabschern rechnen. Am Eröffnungstag erlebt das eine 20-Jährige, die auf dem Rückweg von der Toilette von einem 30-Jährigen überrumpelt wird. O-Ton Polizei: „ Der Mann trat von hinten an sie heran und begrabschte die Frau über das Dirndl am Geschlechtsteil. Nachdem die Frau laut aufschrie, flüchtet der zunächst Unbekannte.“ Dann geht er offenbar erst mal weiterfeiern. Später erkennt die Beleidigte ihn wieder. Der Mann kommt zur Wiesnwache und wird nach Zahlung einer Sicherheitsleistung entlassen.

Mann bricht Frau den Kiefer: In der Samstagnacht geraten ein 26-Jähriger und eine 32-Jährige in Streit. Der Mann schlägt der Frau seinen Bierkrug frontal ins Gesicht und schlägt auch dann noch auf sie ein, als sie am Boden liegt. Die Touristin kommt mit einem gebrochenen Kiefer in stationäre Behandlung, der Täter vor den Haftrichter.

Oktoberfest: Wiesn-Vergehen des Jahres 2013

Das schnellste Vergehen: Unmittelbar nach dem Fassanstich beordern die Beamten einen jungen Mann auf die Wache, weil er gebettelt hat. Der Täter ist als Statue verkleidet; die Ermittler aber lassen sich nicht täuschen.

Erste Maßkrug-Schlägerei: Die 180. Wiesn ist drei Stunden alt, als ein Tourist einen anderen mit dem Maßkrug krankenhausreif prügelt. Bis zum Ende des ersten Tages werden sechs weitere gefährliche Körperverletzungen mit Maßkrügen begangen.

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Ingenieur als Schamverletzter: Um 19.05 Uhr fällt der Taschendieb-Fahndung ein Mann auf, der soeben etwas aus der eigenen Hose herausgeholt hat: Ein 46-jähriger Ingenieur läuft onanierend durch die Festhalle und belästigt Wiesn-Besucherinnen. Beruhigendes Detail der Polizeimeldung: „Bevor es zu vollendeten Handlungen gekommen wäre, wurde der 46-Jährige festgenommen.“

Falscher Polizist: Am zweiten Tag der Wiesn wedelt ein 19-Jähriger mit einem selbst gebastelten Dokument, gibt sich als Polizist aus und sucht bei einem Touristen nach Drogen – in dessen Geldbörse. Der Durchsuchte schöpft Verdacht. Die echte Polizei greift ein.

Erster Vergewaltigungsversuch: Vier Tage lang verzeichnet die Polizei beim Oktoberfest sexuelle Nötigungen. Am fünften Tag folgt der erste Vergewaltigungsversuch.

Grapscher kassiert Schläge: Wie schnell beim Oktoberfest auch Opfer zu Tätern werden, zeigt im Jahr 2013 der Halbzeittag: Als ein 25-Jähriger miterlebt, wie seine Verlobte begrapscht wird, schlägt er mit dem Maßkrug zu. Der Grapscher wird ambulant im Krankenhaus behandelt, gegen den Schläger wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

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„Kannibalismus“ in einem Wiesnzelt“: So überschreibt die Polizei eine Meldung vom ersten Freitag der 180. Wiesn. Das ist selbstverständlich übertrieben! Zwar hat eine betrunkene 30-Jährige ihrem 23-jährigen Opfer tatsächlich ein Stück aus der Lippe gebissen – nachdem sie ihm mehrfach die Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Runtergeschluckt hat die Täterin aber nicht. Das Lippenfragment konnte dem jungen Mann wieder angenäht werden.

Attacken auf Ordnungshüter: In der ersten Wochenhälfte werden ein schlichtender Polizist verprügelt und Dienstfahrzeuge mit dem ehrabschneidenden Slogan „ACAB“ bepinselt. Nach der Halbzeit bietet ein Jugendlicher dem Ordnungsdienst Hasch an. Eine versöhnliche Geste, aber trotzdem keine gute Idee.

Singvogel misshandelt: Am 2. Oktober 2013 stirbt auf der Wiesnwache ein Singvogel. Dem Goldhähnchen war nicht nur ein Flügel verletzt worden. Es hatte sich auch jemand auf das Tier übergeben.

Knapp am Tod vorbei: Am Abschlusswochenende wird ein Mittzwanziger bei einem Streit mit einem Glas geschlagen. Herbeieilende Polizisten leisten Erste Hilfe. Ohne sie wäre der Mann laut Notarzt verblutet. Seine Halsschlagader war verletzt.

Baden in der Wasserbahn: Am letzten Wiesn-Tag lässt ein 20-Jähriger sich dabei erwischen, wie er Frauen das Smartphone unter den Rock hält und Fotos macht. Und ein betrunkener Amerikaner hält die Wasserbahn für einen Fluss im heimischen Arizona und nimmt darin ein Bad.


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