Hilfe in allen Lebenslagen Internetagenturen helfen bei Rache und Scheidungen

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Osnabrück. Ein offenes Ohr bei Liebeskummer, eine Ideenschmiede für Rachepläne und eine Organisatorin für rauschende Scheidungspartys: Mit ihren Internetagenturen helfen drei Frauen anderen Menschen in schwierigen Situationen. Und bei Dingen, die gesellschaftlich nicht (immer) anerkannt werden.

Vor fünf, sechs Jahren hatte Elena Sohn großen Liebeskummer. „Das war sehr schlimm für mich. Ich fiel in ein Loch und war krankgeschrieben“, erzählt die 34-Jährige. Da arbeitete sie noch in einer PR-Agentur. Doch die Arbeit fing sie nicht auf, denn ihr Glück lag im Privatleben. Und: Es gab keine Anlaufstelle, an die sie sich mit ihrem Liebeskummer wenden konnte. So entstand die Idee zu die-liebeskuemmerer.de , eine Internetagentur, bei der sich ein Team aus staatlich geprüften Beratern und Diplom-Psychologen um die Kunden kümmert.

In den drei Jahren, seit es die Liebeskümmerer gibt, haben sie und ihre Mitarbeiter über 1000 Fälle gelöst, sagt Sohn. „Die Nachfrage variiert je nach Jahreszeit. In der Weihnachtszeit und um den Jahreswechsel kommen jeden Tag zwischen fünf und zehn Anfragen, in Phasen wie jetzt sind es im Monat so 100 Leute“, sagt die Berlinerin.

Doch warum sollte man sich mit Liebeskummer an eine Internetagentur wenden, die unter anderem telefonische oder schriftliche Beratung anbietet, anstatt sich an der Schulter der besten Freundin auszuweinen oder den Eltern sein Leid zu klagen? „Liebeskummer gilt in unserer Gesellschaft als Schwäche“, sagt Sohn. Bei Männern noch stärker als bei Frauen. Dennoch melden sich zu 80 Prozent Frauen bei ihr. Im Kern sind die zwischen 35 und 50 – doch es gibt auch deutliche Ausschläge nach oben.

Weil Liebeskummer als Schwäche gilt, behalten es die meisten für sich – und freuen sich, wenn sie ihre Geschichte bei den Liebeskümmerern endlich los werden können. Die beste Freundin aber wollen die Berater nicht ersetzen. Doch wenn eine gewisse Zeit vergangen ist, hat höchstens der Betroffene selbst noch Probleme mit dem Herzschmerz – für das Umfeld aber geht das Leben weiter. Und: „Außenstehende haben einen anderen Blick auf die Situation.“

Die Liebeskümmerer hören sich die Geschichten ihrer Kunden an, fragen nach den Ängsten, beraten jeden individuell und empfehlen Strategien. Manche Leute entscheiden sich auch für eine Liebeskummer-Reise in ein Wellnesshotel mit psychologischer Beratung.

Am Anfang war Sohn erstaunt darüber, dass sich wenig junge Leute, Abiturienten zum Beispiel, melden. Heute sagt sie: „Liebeskummer ist ein emotionaler Schmerz, der immer ähnlich groß ist. Aber je älter man wird, umso öfter hängen konkrete Zukunftspläne an der Beziehung.“ Ein Grund könnten aber auch die Kosten sein: Für ein 60-Minuten-Telefonat schlagen 85 Euro zu Buche – laut Sohn der Tarif, den auch Therapeuten für eine Sitzung nehmen. Und: „Viele Betroffene bräuchten einen Therapeuten. Aber die Hemmschwelle ist sehr groß.“

Bereut hat Sohn ihr nach eigenen Angaben in dieser Form bislang einzigartiges Projekt bis heute noch kein einziges Mal. Nebenbei hat sie in einem Buch 21 echte Liebeskummer-Geschichten aufgeschrieben. Vor zwei Jahren hat sie einen Aufruf in der Talkshow ‚Kölner Treff‘ von Bettina Böttinger gemacht – und bis zum nächsten Morgen bereits mehrere Hundert E-Mails erhalten. Noch heute bekommt sie welche. „Das sind Geschichten, die nur das Leben schreibt. Unglaublich berührend.“

Hilfe bei Rachewünschen

Auch bei Sandra Noack landen manchmal Menschen mit starkem Liebeskummer. Doch so, wie Sandra Noack im wahren Leben nicht Sandra Noack heißt, geht es in diesen Fällen auch nicht direkt um Liebeskummer. Sondern um Rache. Noack leitet seit fünf Jahren die Revenge Agentur (Revenge ist englisch und bedeutet übersetzt Rache). Mit dem Decknamen schützt sie sich davor, dass sich Gerächte an ihr für die Racheaktion rächen können. Dabei macht sie „nichts Illegales, nichts, wo Leib und Leben in Gefahr stehen“, betont sie. Doch weil Rache ein heikles Thema ist, will sie einen persönlichen Bezug unbedingt vermeiden. Was man über sie erfährt: Sie ist 32, kommt aus Berlin, interessiert sich für Psychologie. Und will den Menschen eine Anlaufstelle bieten, die sich an jemandem rächen wollen.

Dass es so etwas bisher nicht gab, aber aus psychologischer Sicht jeder Mensch zurückschlagen würde, der sich geärgert fühlt, war für sie der Grund, die Revenge Agentur ins Leben zu rufen. Viele finden das niveaulos oder kindisch. Aber: „Rentner sind genauso rachsüchtig wie junge Erwachsene.“ Die Altersspanne ihrer Kunden – Männer und Frauen zu gleichen Teilen – reicht deshalb von 18 Jahren bis ins hohe Alter. „Es geht immer um Betrugsfälle: im Job, der Liebe oder der Nachbarschaft. Betrug in allen Lebenslagen“, erklärt Noack. „Durch den Job bekommt man schlimme Abgründe mit.“

Wer bei ihr anruft, dem brennen die Rachegelüste oft schon lange auf der Seele. Und der lässt sich die Aktionen deshalb oft einiges kosten. Bis zu Tausenden von Euros kann eine Rache-Inszenierung kosten. Zum Beispiel, wenn dafür mehrere Personen benötigt werden und Noack auf Agenturen zurückgreifen muss, weil der gesuchte Typ Mann oder Frau nicht in ihrem Team aus freien Mitarbeitern zu finden ist. Besteht der Racheplan nur aus einem simplen Telefonat, liegt der Preis bei 40, 50 Euro.

Noack bevorzugt es, wenn sich die Kunden per Mail bei ihr melden. Die beschriebene Geschichte wird dann auf Stichhaltigkeit geprüft – und darauf, ob es derjenige verdient hat und es unter moralischen Gesichtspunkten vertretbar ist. „Manche Leute haben illegale Wünsche und denken, sie sprechen mit der Mafia“, erzählt Noack. Solche Anfragen würden abgelehnt. Genau wie die Fälle, bei denen nur noch ein Richter helfen kann.

„Zu 80 Prozent haben die Kunden keine Idee für eine Racheaktion. Dann entwickeln wir sie gemeinsam.“ Was am Ende dabei heraus kommt, kommt auf den Fall an und darauf, was der Kunde möchte. „Ein Fremdgänger zum Beispiel bekommt nicht das Gleiche aufs Brot geschmiert. Das geht auch in ganz andere Lebensbereiche.“ Manchmal kauft ein „Opfer“ den Schauspielern ihre Inszenierung nicht ab. Aufgeflogen sei aber noch keine Racheaktion.

Was vor Ort passiert, bekommen die Kunden meistens nicht direkt mit. Den meisten reicht ein Bericht davon. Nur wenige verstecken sich im Hintergrund und schauen sich das Schauspiel an. „Psychohygiene“ nennt Noack das, was durch die Rache geschieht: Zu wissen, dass der andere seine gerechte Strafe erhält, führt zu Genugtuung.

Aber nicht bei Noack. „Mir macht das Spaß, es ist sehr interessant. Alle Fälle erfordern Feingefühl“, erklärt sie. Aus psychologischer Sicht wüsste man, was sich im Kopf des Kunden abspielt. Die meisten hat sie übrigens, wie Elena Sohn, kurz nach Weihnachten.

Die Scheidung feiern

„Rache“, dieses Wort hört Claudia Kusch bei ihrer Arbeit gar nicht gerne. Sie organisiert Scheidungspartys. „Man feiert alles Mögliche: Geburtstage, Taufen, Hochzeit – warum nicht auch die Scheidung?“, sagt die 44-Jährige. Schließlich beginnt auch damit ein neuer Lebensabschnitt. Doch die Worte „Scheidung“ und „Trennung“ sind noch immer negativ behaftet. Deshalb hat sich Kusch für ihre Internetagentur einen besonderen Namen ausgesucht: Trennungsglück. Mit der Betonung auf Glück.

Seit 2012 gibt es die Agentur, noch betreibt Kusch sie nebenberuflich. Und irgendwann, so hofft sie, könnte daraus vielleicht auch mehr werden. Die Motivation dazu hat die gebürtige Rheinländerin, die seit einigen Jahren in München lebt, jedenfalls. Und das Vertrauen in sich selbst. Stellt sie ihre Arbeit irgendwo vor, kommt das immer gut an, wie sie sagt. Doch das allein reicht eben nicht. „Viele denken, eine Trennung bedeutet, dass sie gescheitert sind. Aber das ist Quatsch. Man muss es umkehren“, erklärt sie. Gemerkt hat Kusch das, als auch ihre Ehe Kurs auf die Scheidung nahm. Und so entstand die Idee zu Trennungsglück.

Als es auf ihre Scheidung zuging, und auch danach, tat die 44-Jährige viel für sich selbst, machte auch eine Therapie. „Nach der Scheidung habe ich gemerkt, dass ich meinen Selbstwert wiedergefunden hatte und glücklich war.“ Und schließlich feierte auch sie eine Scheidungsparty, organisiert von ihren Freunden.

„Man sollte es als Abschluss sehen, als Ritual, mit dem ein neuer Abschnitt eingeleitet wird“, erklärt sie. Die Feier kann individuell gestaltet werden. Wer möchte, bekommt auch eine Scheidungstorte oder einen DJ. Aber: „Feiern kann man nur, wenn man glücklich ist.“ Trauert man der Ehe noch nach, macht eine Scheidungsparty keinen Sinn. Ansonsten kann sie als Abschluss hilfreich sein. „Es wäre auch schön, wenn beide ehemaligen Partner zusammen feiern könnten.“

Der Trend, der aus den USA kommt, scheint sich in Deutschland noch nicht durchgesetzt zu haben. Zumindest bei Kusch. Sie hat erst ein paar Scheidungspartys organisiert. Und die sind gut angekommen, waren fröhlich und wie eine ganz normale Party. „Eine Trennung oder Scheidung muss ja nicht das Ende der Welt sein. Aber man muss etwas dafür tun, dass es weiter geht“, weiß Kusch, deren Augenmerk neben der Organisation von Scheidungspartys auch auf dem Bereich Coaching liegt. Im Vordergrund stehen das Auflösen alter Muster und das Finden des Glücks. Doch es geht auch darum, den Selbstwert wiederzuerkennen. Claudia Kusch hat ihn schon vor Jahren gefunden.


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