Auf Problem hinweisen Eigener Gehweg für Smartphone-Junkies in China

Von Nadine Grunewald

In China können Smartphone-Benutzer auf einem abgetrennten Bereich des Bürgersteigs gehen. Foto: Screenshot/ReutersIn China können Smartphone-Benutzer auf einem abgetrennten Bereich des Bürgersteigs gehen. Foto: Screenshot/Reuters

Osnabrück. Der Gang durch die Stadt wird häufig zum Hindernislauf: Weil viele Menschen beim Gehen mittlerweile nur noch auf ihr Smartphone gucken, müssen die anderen ausweichen, um Zusammenstöße zu vermeiden. In China will man dem Entgegenwirken – mit einer eigenen Spur für Smartphone-Nutzer auf dem Gehweg.

Wer kennt es nicht? Auf dem Bürgersteig bleibt der Passant vor einem plötzlich stehen und der Mann, der einem da entgegenkommt, ist kurz davor, mit einem zusammenzuprallen, wenn man selbst nicht noch schnell ausweicht. Das Problem: Anstatt nach vorne zu schauen, ist ihr Blick auf das Smartphone in ihren Händen gerichtet. In China will man das nicht länger hinnehmen.

Chongquing heißt die Region, in der es den wohl ersten Gehweg mit einer eigenen Spur für die Menschen gibt, die ihre Augen nicht vom Display nehmen können. Das zumindest verkündet Medienberichten zufolge ein Schild am Beginn des etwa 50 Meter langen Abschnitts, der wie eine Straße mit weißen Markierungen in zwei Bereiche unterteilt wurde: Auf der einen Seite möge gehen, wer kein Smartphone in der Hand hält, auf der anderen Seite alle, die beim Gehen spielen, schreiben oder surfen möchten. Ein weißes Handy-Symbol kennzeichnet Letzteren. Unter dem Symbol steht in Schriftzeichen und auf Englisch: Handys: Auf dieser Seite gehen. Auf eigene Gefahr. Die andere Seite ziert ein durchgestrichenes Handy-Symbol.

Die Verwaltung von Chongquing will mit dieser Aktion Berichten zufolge hauptsächlich auf das Problem aufmerksam machen, das durch die Benutzung von Smartphones beim Gehen entsteht. Denn weil die Fußgänger weniger auf den Verkehr achten, seien sie häufig in Unfälle verwickelt.

Ganz neu ist die Idee, die auch hierzulande für Aufsehen sorgt, aber nicht. In Philadelphia hatte man sich bereits im Jahr 2012 einen kleinen Aprilscherz erlaubt und am 1. April die sogenannte „E-Lane“ als Pilotprojekt eingeführt. Und auch der TV-Sender National Geographic hat in Washington D.C. schon mal einen geteilten Bürgersteig eingerichtet. Den benötigte der Sender für die TV-Serie „Mind Over Masses“.

Wie die Aktion in China ankommt und ob sie ihren Zweck erfüllt, bleibt abzuwarten. Für die Smartphone-Nutzer könnte es momentan nämlich auch auf ihrer eigenen Spur gefährlich werden. Denn dort darf in beide Richtungen gegangen werden. Pfeile auf dem Boden weisen zwar darauf hin, auf welcher Seite man in welche Richtung gehen darf – ob die Fußgänger die aber sehen, wenn sie auf ihrem Smartphone tippen?