Kopftuch und enge Kleidung Ein Trend mischt Indonesien auf

Von dpa

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Kopftuch und enge Kleidung kombinieren immer mehr Indonesierinnen. Foto: dpaKopftuch und enge Kleidung kombinieren immer mehr Indonesierinnen. Foto: dpa

Jakarta. Für die einen ist es Ausdruck ihrer Weiblichkeit, für die anderen gehört es verboten. Viele muslimische Frauen in Indonesien tragen zwar Kopftuch, betonen aber mit enger Kleidung den Rest ihres Körpers. Das sorgt für Streit.

Rahma Laela ist wütend. „Haben die nichts Besseres zu tun, als die Kleidung mancher Menschen zu kommentieren?“, sagt die 26-jährige Verkäuferin, die in einem Einkaufszentrum in der indonesischen Hauptstadt Jakarta arbeitet. Dort sind Frauen in Tanktops und Hotpants keine Seltenheit. „Wir Frauen möchten auch modisch aussehen“, erklärt Laela, die selbst Kopftuch trägt.

Mode und Islam – wie passt das zusammen? Eine Frage, die Indonesien umtreibt, seit religiöse Gelehrte erklärten, die Kombination Kopftuch und enge Kleidung gehöre verboten. Rund 88 Prozent der Menschen in dem Land sind Muslime. Indonesien hat damit die größte muslimische Bevölkerung der Welt. Seit der Sturz des Diktators Haji Mohamed Suharto 1998 eine demokratische Ära einläutete, hat die Zahl der verschleierten Frauen zugenommen. Unter Suharto war das Tragen von Kopftüchern verpönt und in staatlichen Schulen und Regierungsgebäuden sogar verboten. Gegen den Islam ging er hart vor, muslimische Aktivisten wurden verfolgt.

Islamischer Konservatismus wächst

Dass sich nun mehr und mehr Frauen für das Kopftuch entscheiden, erklären mache Experten mit einem wachsenden islamischen Konservatismus. Viele kombinieren das Tuch – in Indonesien als jilbab oder hijab bekannt – aber mit enger, körperbetonter Kleidung. Ein Trend, der unter Indonesiern etwas abschätzig jilboob genannt wird: eine Kombination aus jilbab und boob, dem englischen Wort für Brüste.

Der Muslimische Gelehrtenrat MUI erklärte jüngst, das Tragen islamischer Kopftücher mit enger Kleidung sei verboten. „Wir respektieren Frauen, die sich dazu entschieden haben, den jilbab zu tragen“, sagte Ma’ruf Amin, der stellvertretende Vorsitzende des Rates. „Aber einige von ihnen bedecken ihre Köpfe, zeigen dafür aber andere aufreizende Körperteile.“ Das verbiete der Rat strengstens.

Fatwas oder andere Erklärungen des Rates sind aber nicht verbindlich, häufig ignorieren die Indonesier sie. Die Reaktionen von indonesischen Frauen auf die Kopftuch-Erklärung reichten dann auch von Verständnis über Wut bis hin zu ironischer Kritik.

Eine Facebook-Seite mit Fotos von Frauen in enger Kleidung und Kopftuch erzielte Tausende Likes. Ein Bild zeigt eine Frau mit Kopftuch und einem T-Shirt mit der Aufschrift „Boyfriend Wanted!!“.

Regeln hinterfragen

Die feministische Autorin Julia Suryakusuma hält jilboobs für einen Trend im Zuge der Annäherung von Religiosität und Globalisierung. Das sollte Muslime dazu veranlassen, über die Regeln nachzudenken, an die sie sich halten, schrieb sie in einem Beitrag für die „Jakarta Post“. Kaum jemand stelle Fragen – etwa warum Frauen einen jilbab tragen müssten. „Für mich steht der jilbab allzu oft für die Oberflächlichkeit islamischer Moralprinzipien, für die Heuchelei vieler Muslime (sowohl Frauen als auch Männer) und für die Idealisierung einer Regel, die vielleicht gar keine Regel ist“, kommentierte sie.

Die Regierung will das Land mit einer Kampagne zum globalen Mittelpunkt der islamischen Modewelt machen. In den vergangenen Jahren hat sich eine Generation von Designern etabliert, die die Verschleierung mit neueren modischen Einflüssen kombiniert.

Die muslimische Schriftstellerin Asma Nadia meint, die Debatte über den jilboob-Trend sollte die Gewissensfrage unter gläubigen Frauen befeuern. „Wenn man sich an die islamische Kleiderordnung hält, muss man sich nicht gänzlich von Mode fernhalten“, sagte sie. Beides könne zusammenpassen, „solange die Verschleierung oberste Priorität bleibt.“


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