Keine Raubmorde Mordserie in Russland: Autofahrer werden erschossen

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Der Großraum Moskau wird von Mordserie erschüttert. Autofahrer werden auf Fernstraßen zum Anhalten gezwungen und dann erschossen. Foto: ImagoDer Großraum Moskau wird von Mordserie erschüttert. Autofahrer werden auf Fernstraßen zum Anhalten gezwungen und dann erschossen. Foto: Imago

Moskau. Der Großraum Moskau wird von einer Mordserie erschüttert. Autofahrer werden auf Fernstraßen zum Anhalten gezwungen und dann erschossen. Die Angreifer nehmen nichts mit und töten aus Lust am Morden. Aber auch Auftragsmorde scheinen möglich zu sein.

Noch ein Autofahrer ist den Moskauer Autobahnmördern zum Opfer gefallen. Der Leichnam eines 33-Jährigen wurde an einem Dorfweg nahe der Fernstraße nach Kaschira am Rande der moskaunahen Kleinstadt Widnoje mit Schuss- und Stichwunden gefunden. Sein BMW stand etwa 30 Meter weiter. Die Polizei weigerte sich bisher, den Fall unter die Serienmorde einzuordnen, die seit Sommeranfang andauern. Die Handschrift der Täter sei anders als bisher.

Mörder nehmen nichts mit

Angefangen hat es am 3. Mai. Ein Fernfahrer sah einen Kia Ceed, der am Rand der Bundesstraße M4 „Don“ mit eingeschaltetem Blinker parkte. Als er hielt, um nachzusehen, ob die Insassen eventuell Hilfe brauchten, entdeckte er zwei Leichen. Der 64-jährige Anatoli Lebedjew lag neben dem Auto, seine 62 Jahre alte Frau saß darin. Unbekannte Täter hatten aus Eisenstäben zusammengeschweißte Krähenfüße auf der Straße platziert. Als der Fahrer ausstieg, um das Rad zu wechseln, erschossen sie ihn und seine Frau. Aus dem voll bepackten Auto nahmen sie nichts mit.

Am 30. Juni wurde am Kilometer 45 derselben Fernstraße ein 53-jähriger Bewohner von Tula erschossen. Auch sein Wagen hatte einen platten Reifen. Wieder fanden sich Krähenfüße auf der Straße. Diesmal muss der Fahrer erkannt haben, was gespielt wird und rannte in den nahen Wald. Die Kugeln der Angreifer waren aber schneller. In der Nacht zum 18. August fanden Passanten dort, wo sich die M4 und der dritte Moskauer Autoring kreuzen, die Leiche eines 31-jährigen Moskauers. Auch er wollte ein Rad wechseln.

Polizei rät zum Weiterfahren

Nun reagiert auch die Polizei. Sie empfiehlt nächtlichen Fahrern, nicht auf offener Straße zum Radwechseln zu halten, sondern zu versuchen, auf der Felge weiterzufahren - bis zur nächsten Tankstelle oder bis zu einem anderen belebten Ort. Selbsthilfegemeinschaften sind im Internet entstanden. Als Folge verbreiteten sich Horrorgeschichten, über deren Echtheit gerätselt wurde. In allen Fällen ließen der oder die Mörder die Autos der Opfer unberührt zurück. Selbst die Brieftaschen und die Geldbörsen blieben da. Mitgenommen wurden nur die Führerscheine der Ermordeten.

Die Polizei hat jetzt Ermittlungen gegen unbekannt aufgenommen - erst einmal in den beschriebenen vier Fällen. Sie gibt aber zu, dass es mehr waren. Einigen Opfern gelang die Flucht. Andere überlebten verletzt. Nach ihren Beschreibungen wurde ein Phantombild zusammengestellt, mit dem 2500 Verdächtige gefunden wurden. Sie alle erwiesen sich als unbeteiligt. Die Ermittler vermuten, dass es sich bei den Tätern um ehemalige Polizisten oder Militärs handelt. Darauf weise der professionelle Waffengebrauch hin, heißt es. Die Untersuchung der Kugeln ergab, dass alle Schüsse aus drei verschiedenen Waffen mit demselben Kaliber abgegeben wurden.

Triebtäter vermutet

„Zweifellos handelt es sich bei den Mördern um Triebtäter“, sagte der Gerichtspsychiater Michail Winogradow der Internetzeitung Gazeta.ru. 14 Menschen seien bereits durch deren Hand ums Leben gekommen. Gegen diese Annahme spricht allerdings der Umstand, dass Triebtäter in der Regel Einzelgänger sind. Nach anderen, allerdings ungeprüften Angaben, beschränkten sich die Mörder keineswegs auf die M4 „Don“. Ähnliche Morde seien auch im Nordwesten begangen worden. Angeblich wurden auch dort die Kugeln aus denselben drei Waffen abgefeuert. Es handle sich also am wahrscheinlichsten um Auftragsmörder. Einige Opfer aus dem Nordwesten waren Unternehmer, Politiker und hohe Polizisten, heißt es.

Die Mörder von der M4 kannten sich jedenfalls gut vor Ort und bei den Arbeitsmethoden der russischen Polizei aus. Alle Überfälle wurden einen oder zwei Kilometer nach einem Posten der Verkehrspolizei verübt.


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