Datenschützer raten: Entfernen RFID-Chip in DFB-Trikots von Adidas

Von Nadine Grunewald


Osnabrück. Unzählige Trikots der deutschen Fußballnationalmannschaft hat Adidas seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft bereits verkauft. Was kaum einer bemerkt haben wird: In dem Etikett am Ausschnitt befindet sich ein RFID-Chip, dessen Daten theoretisch im „Vorbeigehen“ per Funk ausgelesen werden könnten. Laut Adidas wird der Chip aber nur für die Logistik genutzt.

Der Einsatz von RFID-Chips ist heute keine Seltenheit mehr. Laut dem Chaos Computer Club (CCC) wird die Technik etwa bei der Warenerfassung oder kontaktlosen Kreditkarten verwendet. Außerdem finden sich RFID-Chips in Ausweisdokumenten, Zugangskarten für elektronische Schließsysteme oder Bezahlsystemen wie Mensa-Karten.

RFID steht für Radio Frequency Identification und heißt übersetzt Objektidentifikation mit Hilfe von Funkwellen. In einem Informationspapier des Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit heißt es: „RFID ist eine Technik, um Daten mit Hilfe von Funkwellen auf einem Chip berührungslos und ohne Sichtkontakt lesen und speichern zu können.“

Schnellere Auslieferung

Praktisch ist diese Technik laut dem Chaos Computer Club für Warenverwaltungssysteme, da ganze Warenstapel gleichzeitig erfasst werden könnten. Das macht sich auch Adidas zunutze. Das Unternehmen betont, die Chips in den Etiketten nur zur Optimierung der Logistikprozesse zu nutzen. Verwendet würden diese seit dem Verkaufsstart des aktuellen DFB-Jerseys im November 2013. „Im Rahmen eines Logistikprojektes haben wir testweise erstmals ein RFID-Etikett mit virtueller Nummer eingesetzt. Der Chip speichert Produktinformationen zur Optimierung unserer Logistikprozesse“, gibt Adidas auf Nachfrage unserer Redaktion bekannt. Auf diese Weise könnten Produkte schneller als je zuvor ausgeliefert werden.

Wem nicht wohl bei der Sache ist, der sollte das Etikett entfernen. Denn in Sachen Datenschutz werden RFID-Chips nicht immer als harmlos betrachtet. „Da es sich um Funktechnologie handelt, können die Chips im ‚Vorbeigehen‘ gelesen werden. Denkbar ist, dass damit in Zusammenhang mit Kundenkarten, Bewegungen von Kunden in Ladengeschäften und auch über die Geschäfte hinaus erfasst und ausgewertet werden“, heißt es vom Chaos Computer Club zu den allgemeinen Nachteilen der Technik.

Und auch der Sprecher des Landesbeauftragten für den Datenschutz Niedersachsen betont, dass die Person, die das Trikot kauft, nicht identifizierbar sein darf: „Es ist dann unbedenklich, wenn ein Bezug zwischen Hemd und Träger nicht hergestellt werden kann.“ Laut Adidas ist es nicht möglich, eine solche Verbindung herzustellen. „Mit dem Etikett wird weder ein Bezug zur Artikelnummer, Größe oder Farbe des Artikels hergestellt, noch ist uns eine Verknüpfung mit Endverbraucherdaten möglich“, heißt es auf Nachfrage. Der Chip sei zudem schreibgeschützt und enthalte keine weiteren Daten. Direkt darauf hingewiesen, dass sich ein RFID-Chip in dem Etikett befindet, wird der Käufer aber nicht.

Chip unter der Haut

Übrigens: In Amerika sollen sich bereits Tausende Menschen einen RFID-Chip haben implantieren lassen. Laut Spiegel Online haben auch der mexikanische Generalstaatsanwalt und dessen Mitarbeiter bereits seit 2004 einen Chip unter der Haut – um im Falle eines Attentats problemlos identifiziert werden zu können. Dass bis Anfang 2013 alle Amerikaner dazu verpflichtet waren, sich einen solchen Chip implantieren zu lassen, war jedoch nur ein Gerücht, das über das Internet verbreitet wurde.