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Ein Milliardär und sein Platz: Reiche Spender in den USA

Von dpa


New York. Zwei Granitbrunnen mit Wasserspielen, mehr als 100 Linden und Platanen, rote Sonnenschirme und kleine Bistrotischchen mit Stühlen - der Vorplatz des New Yorker Metropolitan Museums wirkt völlig verändert.

Noch bis vor zwei Jahren waren die Brunnen kaputt, das Pflaster rissig und dreckig und die meisten Bäume verdorrt gewesen, doch nun ist der aus vielen Filmen bekannte langgezogene Vorplatz rund um die Eingangsstufen des renommierten Museums komplett renoviert. Und er heißt jetzt auch nicht einfach nur noch «Vorplatz», sondern hat fast 150 Jahre nach der Gründung des Metropolitan Museums erstmals einen offiziellen Namen: «David H. Koch Plaza».

Mitten darauf steht Koch im dunkelblauen Anzug und strahlt in den grauen Himmel über New York hinein. Der Milliardär, dessen Luxuswohnung gleich um die Ecke an der Park Avenue liegt, ist 74 Jahre alt, laut «Forbes»-Magazin derzeit der reichste Einwohner New Yorks und der sechstreichste Mann der Welt. Die 65 Millionen Dollar (etwa 50 Millionen Euro) für die rund zweijährige Renovierung des Platzes hat er komplett finanziert. «Im Aufsichtsrat des Museums hatten wir schon länger darüber gesprochen und bei irgendeinem Treffen habe ich dann gesagt: «Ich habe eine großartige Idee: Warum zahle ich nicht einfach alles?»»

Bei der offiziellen Eröffnung am Dienstag wird Koch dafür mit Dankesreden geradezu überschüttet. «Ungemein dankbar» sei man ihm, sagt die Präsidentin des Museums, Emily Rafferty und Vorstandschef Daniel Brodsky schwärmt: «Mit einer großen Geste hat er dieses neugestaltende Projekt möglich gemacht.» Koch sei ein «wirklich großartiger Philanthropist». Der Mäzen hört sich das alles scheinbar sehr zufrieden an, zeigt «Victory»-Zeichen in die Menschenmenge und wirft seiner Frau und den drei jungen Kindern Kusshände zu.

Koch, der sein Geld vor allem mit Öl, Gas und Baumaterialien gemacht hat, braucht in New York nicht weit zu schauen, um noch mehr nach ihm benannte Orte zu finden: 2008 gab er dem New Yorker Ballet 100 Millionen Dollar für die Renovierung der Spielstätte im Lincoln Center, seitdem heißt sie «David H. Koch Theater». «Sie scheinen mich da zu mögen und ich mag sie, also haben wir einen Deal gemacht», sagte Koch damals der «New York Times». Für 20 Millionen Dollar hatte er zuvor die Dinosaurier-Abteilung des American Museum of Natural History renovieren lassen, auch sie ist nun nach ihm benannt. Dutzende weitere Millionen investierte der libertäre Hardliner und überzeugte Gegner von US-Präsident Barack Obama auch in anderen Städten wie Baltimore oder seinen Heimat Wichita in Kansas, unter anderem in Krankenhäuser.

Was in Deutschland undenkbar scheint, ist in den USA völlig normal und häufig sogar gern gesehen: Tue Gutes und zeige das auch. Wer sehr reich ist, spendet Millionen für öffentliche Einrichtungen und erkauft sich damit - neben Steuervergünstigungen - oft auch deren Namen. So trägt die New Yorker Zentralbibliothek nach einer Spende über 100 Millionen Dollar offiziell den Namen des Investmentbankers Stephen A. Schwarzman, die Philharmonie heißt nach dem Unternehmer Avery Fisher, er spendete dafür ebenfalls Millionen.

Auch einzelne Flügel von Museen oder Krankenhäusern heißen so gut wie immer nach einem Mäzen, der Geld investiert hat. Im Programm eines Theater-, Opern- oder Ballettauftritts sind die letzten Seiten stets für eine Auflistung der Dutzenden Spender reserviert, samt oft in die Millionen gehender Summen. 2013 gaben Amerikaner einer Studie des «Giving Institutes», aus der auch das «Forbes»-Magazin zitiert, insgesamt rund 16,7 Milliarden Dollar für Kunst und Kultur und damit soviel wie nie zuvor.

Die Wurzeln des Mäzenatentums liegen in den USA tief, wie der Historiker Oliver Zunz in seinem Buch «Philanthropy in America» beschreibt. Schon seit Gründung der Nation spendeten reichgewordene Menschen wie beispielsweise die Mitglieder der Rockefeller- oder Vanderbilt-Clans großzügig für gute Zwecke. Gelder von Staat, Bundesstaat oder Stadt gibt es in den USA zwar auch, jedoch traditionell weniger als beispielsweise in Deutschland. Kulturelle Einrichtungen bauen da fest auf das Geld aus privater Hand.

Gegen die Umbenennung des Vorplatzes des Metropolitan Museums nach David H. Koch regt sich in New York auch Widerstand. Der Milliardär wolle den Ort an sich reißen, kritisierte eine Gruppe von Aktivisten im Internet und kündigte Demonstrationen an. Die meisten anderen New Yorker sehen solche Umbenennungen aber eher positiv, oder behelfen sich damit die neuen Namen schlicht nicht zu verwenden.

Nicht alle US-Philanthropisten bestehen auf einer Umbenennung, manche spenden auch anonym - aber Koch nie. Er wolle, dass die Menschen wissen, dass er sich hart anstrenge um Gutes zu tun, sagte er bei der Einweihung seines neuen Platzes. «Ich will, dass David H. Koch als ein Mann bekannt bleiben wird, der während seiner Lebenszeit versucht hat, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.»