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Unwetterwarnung für die Region Hitze-Rekord und Blitzeinschläge zu Pfingsten

Von dpa


Offenbach. Das Pfingstfest war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) das heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen. Der DWD warnte auch am Montag wieder vor Unwettern in der Region Emsland und Osnabrück. Im Emsland kam es zu Blitzeinschlägen.

Rekord-Hitze und schwere Gewitter: Das Pfingstfest ist laut Deutschem Wetterdienst das heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Am Montag lagen die Temperaturen mit bis zu 36,7 Grad im fränkischen Kitzingen (Bayern) am höchsten, wie der Deutsche Wetterdienst am Abend bekräftigte.

In Westdeutschland ging das heiße Pfingsten vielerorts mit Unwettern zu Ende. So schlug im sauerländischen Warstein das heiße Wetter binnen Minuten um: Die Hagelkörner hatten laut einem Augenzeugenbericht teils die Größe von Zwei-Euro-Stücken. In Brilon ergoss sich nach dem starken Regen am späten Nachmittag eine Schlammlawine auf eine Straße.

Unwetterwarnung für die Region

In der Region ist am späten Nachmittag immer wieder zu Wärmegewittern gekommen. Der DWD hat eine Unwetterwarnung für die Regionen Emsland, Grafschaft Bentheim sowie Stadt- und Landkreis Osnabrück herausgegeben. Demnach werden Starkregen, Sturmböen und Gewittern erwartet. In Papenburg hat dann ein Blitzeinschlag in der Nähe des Deverwegs die dortige Eintritts-Kasse der Landesgartenschau lahm gelegt. In Salzbergen sorgte ein Blitzeinschlag für einen brenneden Dachstuhl. Für den späteren Abend und die Nacht kann es noch zu Unwettern im Norden des Landkreises Osnabrück kommen. Die Warnmeldung des DWD gilt bis in die frühen Morgenstunden des Dienstages.

Vier Blitzeinschläge in Hamburg

Gleich vier Blitzeinschläge binnen kurzer Zeit im Hamburger Stadtteil Rahlstedt haben die Feuerwehr am Montagabend auf Trab gehalten. Alle vier Einschläge in Wohnhäuser erfolgten in zwei Straßenzügen in einem Umkreis von rund einem Quadratkilometer, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Er fügte hinzu: „Das war schon außergewöhnlich.“ Verletzt wurde dabei niemand.

In einem Haus brannte nach dem Blitzeinschlag das Dach in etwa vier Metern Ausdehnung. Bei einem anderen Haus gab es einen Schwelbrand auf dem Dach. In einem weiteren Haus wurde die Telefonanlage durch den Blitz beschädigt. Wie auch im vierten Fall gab es dort kein Feuer.

Heißester Pfingsttag bis dato 2000

Der bisher heißeste Pfingsttag war laut DWD im Jahr 2000 in Roth bei Nürnberg mit 33,8 Grad gemessen worden. Vielerorts in der Republik war es am Montag wärmer als 34 Grad. Nach DWD-Angaben fiel zu Pfingsten auch der Hitze-Rekord für die ersten zehn Juni-Tage: Er stand bisher bei 35,5 Grad - gemessen am 3. Juni 1947 in Frankfurt am Main. Am Montagmittag registrierten die Meteorologen beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sogar 37,4 Grad in der Innenstadt - dieser Wert ist aber nicht amtlich.

Selbst auf Deutschlands höchstem Berg, der 2962 Meter hohen Zugspitze, war es ungewöhnlich warm: Dort wurden am Sonntag 13,8 Grad registriert. So mild war es dort im ersten Juni-Drittel zuletzt 1998. Am Montag waren es elf Grad, Meteorologin Claudia Hinz freute sich aber trotzdem. „Das ist sehr, sehr angenehm.“ Sie hatte ihren Dienst auf Deutschlands höchster Wetterstation einfach dreieinhalb Stunden früher als sonst begonnen. „Ich bin schon um 8.30 Uhr raufgefahren. Nix wie weg, ich wollte nur noch der Hitze entfliehen.“

Die Strände an Nord- und Ostsee waren gut besucht. Die Menschen stürmten über die Pfingsttage auch Badeseen, Freibäder und Gartenlokale - bis die Hitzegewitter kamen.

Schon am Sonntagabend zogen dunkle Gewitterwolken über einige Regionen Deutschlands auf. Vor allem aus dem Nordosten wurden heftige Regenfälle, Sturmböen und Blitzeinschläge gemeldet.

Blitz schlägt in Einfamilienhaus in GMHütte ein

In Mecklenburg-Vorpommern stürzten nach Angaben der Rostocker Polizei am Sonntagabend Bäume auf Autos und Häuser. In Nordwestmecklenburg erlitt eine Autofahrerin bei einem Umwetter eine Kopfverletzung. In Warnemünde und Wismar brannten Dachstühle. Am Montagmorgen erlebte dann vor allem Nordrhein-Westfalen regenreiche Unwetter.

Trotz allem schien in vielen Regionen reichlich die Sonne. Sonst stets schwarz gekleidete Besucher eines Gothic-Treffens in Leipzig trugen wegen der Hitze plötzlich Weiß. Schwitzen war auch für die vielen Fans bei den Festivals „Rock am Ring“ in der Eifel und „Rock im Park“ in Nürnberg angesagt oder für die Besucher des Karnevals der Kulturen in Berlin mit seinen ohnehin heißen Rhythmen.

In der Hauptstadt war es auch vielen Tieren zu warm: „Unsere Elefanten können bei der Hitze unter einem Rasensprenger duschen“, sagte Zoo-Sprecherin Claudia Bienek. Extra Eisbomben gab es für die Eisbären. Darin waren Gemüse und Fisch eingefroren. Die Affen im Zoo durften sich aus Bettlaken ihre Sonnensegel selbst bauen.

Schlammschlacht

Die traditionelle Schlammschlacht für den Einzug des Sommers im Hergisdorf (Sachsen-Anhalt) war in diesem Jahr eigentlich überflüssig. Dennoch ließ sich die Pfingstgesellschaft ihr „Dreckschweinfest“ nicht nehmen. Nach dem uralten Brauch treiben Männer den Winter aus. Dazu springen die „Dreckschweine“, die die kalte Jahreszeit verkörpern, in ein Schlammloch. Weiß gekleidete Läufer, die den Sommer darstellen, gehen mit Peitschen dazwischen, bis das letzte „Dreckschwein“ vertrieben ist.

In Eisdielen klingelten die Kassen - trotz aller modischen Kreationen: Die liebsten Eissorten der Bundesbürger sind immer noch die Klassiker Vanille, Stracciatella und Schokolade, wie eine Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab.

Tote bei Badeunfällen

Die sengende Hitze hatte aber auch Schattenseiten. Am verlängerten Wochenende gab es mehrere Tote bei Badeunfällen. So ertrank in Baden-Württemberg ein 28-Jähriger in einem Badesee, in Bayern starb ein Mann in der Isar, im ostwestfälischen Minden beim Spielen im Garten ein Zweijähriger. Mit den hohen Temperaturen stieg vielerorts auch die Waldbrandgefahr.

Leichtes Durchschnaufen ist in den nächsten Tagen angesagt. Allerdings soll es blitzen und krachen. Am Dienstag regnet es von der Ostsee bis zum Oberrhein verbreitet kräftig und es gewittert. Die Höchstwerte liegen dann bei 25 bis 30 Grad im Norden und Westen, sonst bei 30 bis 35 Grad. Am heißesten wird es in der Südosthälfte, wo es am Mittwoch Schauer und Gewitter geben kann. Für Donnerstag erwarten die Meteorologen die Gewitter im Süden. Die Temperaturen erreichen dann nur noch maximal 28 Grad.


Für das Emsland , die Grafschaft Bentheim und Stadt und Landkreis Osnabrück hat der Deutsche Wetterdienst eine Unwetterwarnung herausgegeben. Hier kann es wieder stürmisch und gewittrig werden.

Hitze-Tipps

1. Hitze im Haus: Klimageräte kosten Geld. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, das Haus im Sommer kühl zu halten. So sollte man etwa nasse Wäsche im Zimmer trocknen, rät der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das sorgt für Erfrischung an heißen Tagen. Denn dabei entsteht Verdunstungskälte, die zum Beispiel nachts das Schlafzimmer abkühlt.

Elektrogeräte geben Wärme ab. Daher sollten möglichst alle unbenutzten Geräte im Stand-by-Modus ausgeschaltet und Netzteile ausgesteckt werden. Scheint die Sonne ungefiltert durch die Fenster, wird es in den Räumen natürlich heiß. Daher werden bereits am Morgen lichtdichte Markisen, Vorhänge oder Rollläden heruntergelassen.

2. Müll müffelt: Die Sonne brennt auf die Bio- und Restmülltonne herunter, und darin beginnen feuchte Abfälle zu stinken. Daher sollte der Boden der Tonne im Sommer mit Zeitungspapier ausgelegt sein, das Flüssigkeiten aufnimmt. Darauf weist die Stadtreinigung Hamburg hin. Nasse Küchenabfälle kommen in eine Lage Zeitungspapier oder in Papiertüten. Eine Lage gröberes Material hält den Inhalt besser trocken. Gut ist auch Gesteinsmehl aus dem Gartenfachhandel, das bei zu viel Feuchtigkeit in der Tonne eingefüllt wird. Die Tonne steht im Sommer am besten an einem möglichst schattigen Ort.

3. Fliegen vermehren sich: Ein weiteres Problem mit dem Müll sind die Frucht- und Schmeißfliegen. Sie werden davon magisch angezogen, gelangen sie hinein, vermehren sie sich darin schnell. Daher rät Harald Seitz vom Verbraucherinformationsdienst aid in Bonn, den Mülleimer in der Küche im Sommer täglich zu leeren.

Ein Fliegenparadies ist natürlich der Kompost. Hier sollten keine Essensreste entsorgt werden, rät der Verein zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung (VFöS). Sie kommen am besten in Zeitungspapier eingewickelt in die verschlossene Biotonne. Und damit die Insekten gar nicht erst in das Haus kommen, sollte man Fliegenschutzgitter Fenster und Türen verschließen. Dort stehen am besten auch Käse, Fleisch, Wurstwaren oder Fisch im Sommer nicht offen herum. Sie dienen den Schmeißfliegen sonst zur Eiablage.

4. Kondenswasser an der Wand: Bewohner lüften in den heißesten Stunden des Tages besser nicht das Haus. „Denn warme Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern als kalte“, erläutert Udo Schumacher-Ritz, Vorsitzender des Vereins zur Qualitäts-Controlle am Bau (VQC). „Im Raum kühlt sich die Luft ab und kann ihre mitgebrachte Feuchtigkeit nicht mehr halten.“ Diese setzt sich an den Wänden als Kondenswasser ab. Feuchte Stellen, sogar Schimmel sind die Folge. Daher rät der Experte, das Haus nur dann zu lüften, wenn es draußen kälter ist als drinnen - meistens morgens und abends.

Der Keller wird am besten im Sommer nicht mit Fenster auf Kipp dauerhaft gelüftet - hier ist der Temperaturunterschied grundsätzlich zu hoch. Wenn es doch nötig ist, Fenster und Türen zu öffnen, sollte man das ebenfalls in den frühen Morgenstunden und noch einmal spät abends zu tun.

5. Lebensmittel verderben: Lebensmittel lagern möglichst kühl im Sommer, im Kühlschrank oder in einem kühlen Raum gen Norden hin. Aber nicht alles darf in den Kühlschrank: Viele Obst- und Gemüsesorten sind kälteempfindlich. Das gilt etwa für Zitrusfrüchte, Bananen und Äpfel, auch Gurken, Tomaten und Paprika. Sie müssen also in der Wärme bleiben, und hier verderben sie schneller. „Es gibt keinen anderen Tipp, als einfach weniger zu kaufen“, sagt Seitz. „Vorratshaltung geht im Sommer nicht.“ Verbraucher müssen die Früchte auch jeden Tag kontrollieren, sonst siedeln sich auch Fruchtfliegen an und vermehren sich stark.

Die Initiative „Zu gut für die Tonne“ des Bundesverbraucherministeriums rät, solche kälteempfindlichen Gemüsesorten einzukochen oder einzufrieren. Dafür immer frisches und gesäubertes Gemüse verwenden und nie mehr als ein Kilo auf einmal in den Eisschrank geben. Bohnen, Blumenkohl, Brokkoli, Erbsen und Spinat werden vorher blanchiert, bei Zucchini und Gurken muss die Schale weg. Und wasserhaltige Sorten wie Tomaten, aber auch die Obstsorten Birnen und Äpfel werden püriert.

Kräuter sind auch ein Problem: Geschnitten halten sie sich im Sommer kaum. Seitz rät: „Zerkleinern und vielleicht vermischen, dann in Eiswürfelbehälter geben und einfrieren.“ So kann man kleine Portionen immer wieder auftauen. Die Kräuter halten sich rund zwei Monate. (dpa)