Puppen spenden Trost Seelentröster aus T-Shirts von Verstorbenen


Bremen. Als der Bruder stirbt, finden die trauernden Geschwister etwas Trost in kuscheligen Nilpferden. Das Besondere: Der Stoff stammt von einem T-Shirt des 19-Jährigen.

Auf der Messe „Leben und Tod“ in Bremen werden solche außergewöhnlichen Puppen gezeigt. Wenn Jennifer Arndt-Lind ihre kuscheligen Seelentröster aus den Lieblings-T-Shirts von Gestorbenen näht, überkommt sie manchmal eine große Traurigkeit. „In so einen Stoff reinzuschneiden, das ist auch für mich nicht ohne Emotionen“, sagt die 38 Jahre alte Puppenmacherin aus dem niedersächsischen Tostedt. Gleichzeitig weiß sie, dass Kinder die Puppen mit dem runden Bauch überall mit hinnehmen, auch ins Bett. Anfangs duften sie noch wie die Person, die jetzt weg ist.

Hendrik Lind, der Mann der Puppenmacherin, vergleicht die Anfänge seiner Frau mit denen von Microsoft-Gründer Bill Gates, der in einer Garage anfing. Der Ausgangspunkt ihrer im Herbst 2013 gegründeten Firma mapapu, was „MamaPapaPuppe“ bedeutet, sei ähnlich klein gewesen: das Nähzimmer in ihrem Häuschen in Tostedt. Angefangen habe es mit Trostpuppen für die pendelnden Kinder ihrer eigenen Patchwork-Familie.

Es folgten die 50 Zentimeter großen Kuschelwesen für Neugeborene, für verwaiste Eltern, todkranke Patienten im Kinderhospiz und die Kleinen, in deren Familie jemand gestorben ist. Jetzt wünscht sich Lind, dass Kinder, deren Seele am stärksten wackelt, ihre Puppe mit Unterstützung der Johanniter künftig umsonst erhalten.

Bei der am Donnerstag eröffneten Messe „Leben und Tod“ in Bremen sind die Linds mit ihren Puppen eines von mehr als 140 Ausstellerteams. Mit dabei sind Hospizverbände, Selbsthilfegruppen, Anbieter individueller Urnen und Trauertücher, Kirchenvertreter sowie ein Projekt mit Therapiehunden für Demenzkranke. Ein Unternehmer bietet Motorradfans für ihre letzte Reise sogar die Fahrt im eigens entwickelten Beiwagen an.

Parallel dazu geht es in Workshops um Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht. Die Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“, unterstützt von Vereinigungen wie der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, gibt Tipps für gemeinnütziges Vererben.

„Leben und Tod“ sei bundesweit einzigartig, sagt Projektleiterin Meike Wengler von der Messe Bremen. Die Veranstaltung sei deutlich größer als im Vorjahr: „Früher ist der Bestatter heimlich ins Krankenhaus gegangen, um die Toten abzuholen. Heute ist die Akzeptanz von Themen wie Sterben und Tod durch die Hospizbewegung gewachsen.“ Nach wie vor ziehe die Messe aber vor allem Frauen an, weil sich in erster Linie oft Töchter und Schwiegertöchter in der Pflege engagierten.

Trennungsschmerz ist nach Ansicht der Puppenmacherin aus Tostedt auch für Männer kein Tabu. Erst vor kurzem habe sie für einen Kunden aus dem Schlafanzug von dessen Ehefrau und der Babykleidung der gemeinsamen Tochter einen Trostspender genäht, erzählt Arndt-Lind. Den nehme der Mann jetzt mit, wenn er auf Montage ist.


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