Kinder waren verwahrlost Teneriffa: Zwei deutsche Mädchen aus Höhle gerettet

Von Ralph Schulze

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In einer Höhle in Süden Teneriffas entdeckte die Sozialfürsorge zwei deutsche verwahrloste Mädchen. Hier ist Teneriffas höchster Berg Teide zu sehen. Foto: dpaIn einer Höhle in Süden Teneriffas entdeckte die Sozialfürsorge zwei deutsche verwahrloste Mädchen. Hier ist Teneriffas höchster Berg Teide zu sehen. Foto: dpa

Arona/Madrid. Die wachsende Armut in Spanien im Zuge der tiefen Wirtschaftskrise macht auch vor nordeuropäischen Auswanderern nicht halt. Nun rettete die Polizei zwei verwahrloste deutsche Mädchen aus einer Höhle auf der Kanareninsel Teneriffa.

Die Mutter wurde festgenommen. Dies ist kein Einzelfall: Auf den Kanarischen Inseln genauso wie auf Mallorca leben immer mehr gescheiterte Glücksritter aus Deutschland wie aus anderen europäischen Staaten auf der Straße, in Bretterverschlägen oder eben in Felslöchern.

Die Mädchen schliefen auf Matratzen, die auf dem nackten Boden lagen. Lebten in einer kleinen Höhle in einer Vulkan-Hügellandschaft namens Guaza. Ohne fließendes Wasser und elektrischen Strom. Nicht weit von der Urlaubshochburg Arona im Süden Teneriffas entfernt. Eine bekannte Touristengemeinde, zu der die berühmten Strandorte Playa de las Américas und Los Cristianos gehören, wo sich jedes Jahr Hunderttausende Feriengäste erholen.

Nun wurde die Sozialfürsorge auf die beiden Mädchen in der Höhle aufmerksam und rückte mit der Polizei an, um die Minderjährigen dort herauszuholen. Die beiden deutschen Kinder im Alter von sieben und zehn Jahren lebten bereits mehrere Wochen in dem Felsenloch. Zusammen mit einem deutschen Mann, der offenbar ein Bekannter der Mutter ist. Er hatte sich, so teilten die Behörden mit, auf Bitten der Frau um die beiden Kinder gekümmert. Brachte sie sogar täglich zur Schule.

Der genaue Hintergrund des Aufsehen erregenden Falles ist derzeit noch mysteriös, weil die kanarischen Behörden aus Jugendschutzgründen keine Einzelheiten bekannt geben wollen. Mitgeteilt wurde nur so viel: Bei der deutschen Mutter handelt es sich offenbar um eine auf Teneriffa gestrandete Auswanderin, die schon längere Zeit in einer Hütte an einem Strand im Süden lebte. Als die Deutsche sich im Januar nicht mehr in der Lage gesehen habe, die Kinder zu versorgen und sie zur Schule zu bringen, habe sie ihren in der Höhle lebenden Bekannten gebeten, sich um die Mädchen zu kümmern.

Wie es nun mit den beiden Kindern weitergeht, die sich derzeit in Obhut des kanarischen Sozialdienstes befinden, ist noch unklar. Die Polizei sucht derzeit nach Familienangehörigen in Deutschland, in der Hoffnung, die Mädchen dort unterbringen zu können. Vielleicht könnten die Mädchen ja künftig bei ihren Großeltern leben, sagte die Chefin des Sozialdienstes, Clara María Pérez. Vom Vater gebe es jedenfalls keine Spur.

Hilfsorganisationen auf Teneriffa warnen schon länger davor, dass die Zahl der Obdachlosen auf der Urlaubsinsel stetig wachse. Spaniens tiefe Finanz- und Wirtschaftskrise sorgten dafür, dass immer mehr Menschen Arbeit, Einkommen und Obdach verlieren, heißt es. Mehrere Hundert Personen lebten auf Teneriffa bereits auf der Straße - davon seien etwa ein Drittel gescheiterte Ausländer, die meist aus der Europäischen Union stammten.


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