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Ein Mann des Ausgleichs und des Dialogs

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Verstorben: Altbischof Dr. Hubertus Brandenburg. Foto: PentermannVerstorben: Altbischof Dr. Hubertus Brandenburg. Foto: Pentermann

Im hohen Alter von 85 Jahren ist jetzt Dr. Hu bertus Brandenburg, emeritierter Bischof von Stockholm, in seiner Heimatstadt Osnabrück gestorben.

Weltläufig und vielseitig gebildet, wirkte Hubertus Brandenburg von 1977 bis 1998 als geistliches Oberhaupt einer Diasporakirche. Denn in Schweden ist das Luthertum Staatskirche, und es gibt gerade einmal 170000 Katholiken, zumeist Einwanderer aus Polen oder Fernost.

Deshalb sei ihm auch die eigene Erfahrung der Fremde als Deutschem in einem skandinavischen Land sehr zugutegekommen, hieß es bei seiner Verabschiedung: Er sei „ein Bischof ohne eine Spur von Amtsgehabe, aber immer souverän gewesen“. Nach dem Wegbereiter Brandenburg berief der Papst übrigens damals erstmalig mit Anders Arborelius einen Schweden auf den Bischofsstuhl in Stockholm.

Und Prof. Alfons Nossol, Bischof von Oppeln in Oberschlesien, formulierte damals so: Brandenburg habe die katholische Kirche in Schweden „dialogfähig gemacht“, er sei „vom Königshaus über die verschiedenen Kirchen bis zum Volk als ein Mann der Versöhnung aufgetreten“.

Bei dieser Art der Amtsführung kam ihm gewiss seine Lebenserfahrung zur Hilfe. Hubertus Brandenburg wurde 1923 als Sohn eines Oberstaatsanwalts in Osnabrück geboren. Nach dem Abitur am Carolinum und dem Kriegsdienst – der Marineoffizier und Schnellbootkommandant diente in derselben Flottille wie der spätere evangelische Landesbischof Eduard Lohse, mit dem ihn später das gemeinsame Bemühen um die Ökumene verband – studierte Hubertus Brandenburg Jura, Volkswirtschaft, Philosophie und Theologie.

Priesterweihe im Hohen Dom zu Osnabrück, Promotion an der Hochschule Gregoriana in Rom, übergemeindliche Seelsorge und verschiedene Funktionen in der Bistumsverwaltung waren weitere Stationen für den Domkapitular, bevor ihn der Papst zum Oberhirten eines neu geschaffenen Nordbistums berief.

„Meine Wurzeln sind noch immer in Osnabrück“, hatte Hubertus Brandenburg bei der Feier zu seinem 75. Geburtstag betont. Und tatsächlich kehrte er hierhin zurück, lebte zuletzt im Paulusheim.

Noch vor zwei Jahren brach er von dort zu einer Reise an seine alte Wirkungsstätte in Skandinavien auf. Ein Zivi aus dem Altenheim hat ihn gefahren und beide haben über ihre Reiseeindrücke berichtet. Hubertus Brandenburg wird damals die Summe seines Lebens gezogen haben. Sah er doch viele karitative Einrichtungen und Projekte noch einmal, die er in seiner Amtszeit begonnen und initiiert hatte.

Und der Zivildienstleistende Jochen Schwenderling berichtete, der Umgang sei zwar „skandinavisch unkompliziert“ gewesen, aber die Schweden hätten ihrem alten Bischof „enorme Hochachtung“ entgegengebracht: „Er muss dort sehr viel Gutes bewirkt haben.“ Bischof Franz-Josef Bode würdigte Brandenburg als eine „herausragende Persönlichkeit für die Kirche in Schweden und ganz Nordeuropa“. Er habe den Katholiken in der Diaspora viel Kraft, Halt und Orientierung gegeben und auch in seinem Heimatbistum tiefe positive Spuren hinterlassen. Mit seiner Tatkraft, seinem Humor und seiner wachen Aufmerksamkeit habe er viele Menschen beeindruckt.


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