Freut sich auf seinen 40. Geburtstag Interview mit Stefan Mross: „Ich bereue keine Sekunde“


Lingen. 25 Jahre auf der Bühne mit Höhen und Tiefen, ständig im Fokus der Boulevardmedien – und trotzdem hat es nur eine Situation gegeben, in der Stefan Mross seine Karriere an den Nagel hängen wollte. Über diesen Moment spricht der TV-Moderator und Entertainer ebenso offen wie über seine Jugendzeit und das harte Lehrgeld, das er schon zahlen musste.

Stefan, Sie sind gerade einmal 38 Jahre alt und stehen in diesem Jahr 25 Jahre auf der Bühne…

Schrecklich, oder?

Nicht unbedingt. Aber: Haben Sie in der Nachbetrachtung nicht das Gefühl, irgendwas verpasst zu haben?

Was denn?

Die Frage stelle ich.

(lacht) Ich bereue keine Sekunde. Natürlich ist es so gewesen, dass ich am Wochenende zu meinen Auftritten gefahren bin, während meine Schulkollegen in der Disco waren. Aber ich habe in meinem Leben auch meine Partys gefeiert. Ich habe nichts versäumt.

Allerdings war es kein Leben, wie es ein „normaler“ Jugendlicher führt, oder?

Ein anderes. Die Kumpels haben damals im Fernsehen „Knight Rider“ geschaut, und ich habe David Hasselhoff bei der Verleihung des „Goldenen Löwen“ persönlich kennengelernt. Genial. Ich bin mit Autogrammkarten von David Hasselhoff nach Hause gefahren. Da haben die Freunde kapiert, welchen interessanten Beruf ich schon mit 13 Jahren habe. Aber wissen Sie, auf was ich mich heute schon riesig freue?

Auf was?

Ich werde im nächsten Jahr 40 Jahre alt und freue mich schon jetzt auf die Party. Ich habe meine Geburtstage bislang nie richtig gefeiert, weil ich immer auf Tour war. Momentan lebe ich viel intensiver und überlegter. Ich bin einfach reif, ich bin angekommen. Diese Lebensphase ist der Höhepunkt meines Lebens. Und deswegen freue ich mich auch schon auf die Party zum 40. Geburtstag.

Zurück zur Ausgangsfrage.

Ja. Ich würde keinen Millimeter anders machen. Ich würde auch alle Fehler wieder begehen.

Was war der gravierendste Fehler?

Wenn man betrunken in ein Schaufenster fährt. Wie bescheuert kann man sein? Ich habe viel Lehrgeld bezahlt. Aber nur wenn man im Leben auf die Schnauze fällt, dann begreift man es. Ich habe meine Lehren daraus gezogen.

Es gab nie Phasen, in denen Sie am liebsten den Beruf gewechselt hätten?

Doch. In der Zeit des sogenannten Trompeterkriegs. Da habe ich nicht mehr an die Ehrlichkeit der Menschheit geglaubt. Ich wollte aufhören und habe überlegt, ob ich nicht besser eine Tankstelle oder ein Schnellrestaurant eröffnen sollte. Dieser Trompeterkrieg dauerte zwölf Jahre. Ich habe nur noch für den Rechtsanwalt gearbeitet. Am tiefsten Punkt meiner Karriere kam das Angebot für „Immer wieder sonntags“.

Trompeterkrieg – das müssen wir erst noch einigen unwissenden Lesern kurz erklären.

Vereinfacht ausgedrückt: Der belgische Studiotrompeter Alexandre Malempré hat behauptet, dass mein Trompetenspiel von verschiedenen CDs von ihm komme. Ein jahrelanger zermürbender Streit mit einem demütigenden Vorspiel bei einem Gutachter in Detmold.

Warum demütigend?

Dieser Professor hat mich anschließend als Wald- und Wiesentrompeter bezeichnet. Dabei hatte ich mich auf diesen Termin gefreut, weil ich endlich zeigen konnte, was ich wirklich kann. Ich habe eine Stunde lang und tadellos Stücke gebracht, die ich bei der Aufnahmeprüfung für das Mozarteum gespielt habe. Nach zwölf Jahren wurde der juristische Streit mit einem Federstrich beigelegt, wahrscheinlich, weil ich den längeren Atem hatte.

Und in dieser Zeit kam das Angebot, ab 2005 in der ARD bei „Immer wieder sonntags“ die Moderation zu übernehmen?

Das ich ja erst abgesagt habe.

Warum?

Die Sendung war im Quotentief. Eine Sendung, in der mehr über Hämorrhoiden-Creme und Tulpenzwiebeln als über Musik und Spaß gesprochen wurde. Das Konzept war eine billige Kopie des ZDF-Fernsehgartens. Ich habe abgelehnt – auch weil ich Angst davor hatte zu versagen.

Wie hat sich das Blatt gewendet?

Ich wurde nach meinen Änderungswünschen und Vorstellungen gefragt: Ich wollte nur deutsche Musik, das Team wurde komplett ausgetauscht, ich habe einen anderen Buchautor ausgesucht. Drei Monate später habe ich die erste Sendung moderiert. Als nach den ersten vier bis fünf Shows die Quote etwas nach unten ging, wollte mich ein Redakteur dazu überreden, dass ich bei meinen Moderationen Hochdeutsch und nicht Bayrisch spreche. Nichts da, ich habe mein Ding durchgezogen, ich wollte mich nicht verstellen. Entweder ich werde geliebt oder gehasst. Und es ging wieder bergauf, ich durfte auch weiter Bayrisch reden.

Themenwechsel: Töchterchen Paula ist wenige Monate auf der Welt. Macht „Vater Mross“ etwas anders als 2001 bei der ersten Tochter Johanna?

Ich mache nichts anders, ich fühle es nur anders – intensiver, reifer. Stefanie und ich waren damals verdammt jung. Eigentlich möchte ich nichts anders machen als vor etwas mehr als zwölf Jahren. Wir waren damals tolle Eltern und hatten tolle Schwiegereltern, wir haben auch pressemäßig gut auf Johanna aufgepasst. Bis heute haben wir sie weitgehend und prima rausgehalten. Mit Paula soll es genauso laufen.

Das Wechseln der Windeln und das sonstige Kleinkind-Programm ist kein Problem?

Kein Problem. Ich bin ein Profi. Ich mache alles, wir halten zusammen (lacht).

Wie sieht es mit ausreichendem Schlaf aus?

Während einer Tour genieße ich gerne die totale Entspannung. Da kann ich wunderbar ausschlafen. Das ist wie Urlaub. Zu Hause ist das mit dem Schlafen schon etwas eingeschränkter. Und trotzdem nutze ich während einer Tournee doch jede Gelegenheit, nach Hause zu fahren.

Weil es dort am schönsten ist.

Auch, ja. Aber nach 25 Jahren kann ich diese Hotels nicht mehr sehen.

Warum?

Zum Beispiel, weil das Rührei und die Bratwürstchen zum Frühstück überall gleich schmecken. Mein Werkzeug habe ich inzwischen auch immer dabei.

Wieso das denn?

Weil irgendetwas in den Zimmern immer kaputt ist. Dann hilft mein Schlüsselsatz 8 bis 15. Wenn etwas nicht funktioniert, lege ich selbst Hand an. Am frühen Morgen um drei Uhr kann ich niemanden mehr von der Rezeption kommen lassen.

Respekt.

Ich verrate noch etwas.

Bitte.

In Sachen Hotels waren der Florian Silbereisen und ich früher ganz gut unterwegs. Aus Jux haben wir hier und da die Zimmer von Kolleginnen und Kollegen komplett umgestellt oder ausgeräumt.

Das ist aber sehr aufwendig.

Schon, aber lustig, wenn der- oder diejenige ins Zimmer kommt und nichts mehr vorfindet.

Irgendwie passt meine letzte Frage jetzt nicht, ich stelle sie aber trotzdem: Sind Sie eigentlich gläubig?

Ja, obwohl ich kein Kirchgänger bin. Wenn ich mit ihm da oben reden will, dann kann ich das auch beim Autofahren machen. Ich bekomme übrigens immer wieder Briefe von strenggläubigen Menschen, die mir schreiben, dass es eine Schweinerei sei, dass die Fernsehsendung „Immer wieder sonntags“ ausgerechnet zur heiligen Messe um 10 Uhr beginnt. Ich schreibe dann ganz freundlich mit einer Autogrammkarte zurück und hoffe, dass sie die Sendung trotzdem schön finden. Im Endeffekt moderiere ich doch einen modernen Frühschoppen. Und Frühschoppen mögen alle, auch die Katholiken.


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