Nur wenig Neueinsteiger Heroinkonsum in Deutschland rückläufig


Osnabrück. In den USA ist Heroin wieder stark in Mode. Der Tod des Schauspielers Philip Seymour Hoffman, der Anfang Februar vermutlich an einer Überdosis der Droge starb, hat auf die bedrohliche Lage aufmerksam gemacht. In Deutschland ist der Heroinkonsum rückläufig, wie ein Sprecher der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, sagt.

Der neue Drogen- und Suchtbericht mit Zahlen des vergangenen Jahres wird zwar erst im Juni veröffentlicht, eine Tendenz gab ein Sprecher der Bundesdrogenbeauftragten auf Nachfrage unserer Zeitung aber bereits bekannt. „Während eine Heroinüberdosierung – auch in Verbindung mit anderen Substanzen – immer noch Hauptursache für drogenbezogene Todesfälle ist, ist der Konsum von Heroin nach wie vor rückläufig“, sagte der Sprecher. Die am meisten konsumierte illegale Droge sei weiter Cannabis.

Bereits im Vorjahresbericht heißt es, dass der Heroinkonsum in Deutschland weniger verbreitet sei als früher. 2012 habe es erstmals mehr erstauffällige Konsumenten von Crystal Meth als von Heroin gegeben. Auch in Europa spiele die Droge eine immer kleinere Rolle.

„Heroin hat seit Jahren einen stabilen Konsumentenkreis“, sagt Jost Leune, Geschäftsführer des Fachverbands Drogen- und Suchthilfe . Dazu gehörten hauptsächlich die Menschen, die mit dem Konsum der Droge in den 1980er Jahren angefangen haben. Damals war sie in Mode. „Es steigen immer weniger ein, weil es so abhängig macht“, erklärt Leune.

Dass die zu den Opioiden zählende Droge in Amerika einen Hype erlebt, könne er nicht verstehen. „Heroin soll von der Wirkung toll sein. Aber es ist auch gefährlich. Deshalb wundert mich das.“ Möglicherweise spiele Geld eine Rolle. Die Droge soll in den USA für wenige Dollar erhältlich sein. 2012 kostete ein Gramm Heroin laut Jahresbericht der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht in Deutschland 42,90 Euro und damit fast genauso viel wie im Jahr davor. Für jemanden, der noch nie Heroin genommen hat, könne ein Gramm tödlich sein. „Wer daran gewöhnt ist, braucht vielleicht drei Gramm am Tag“, so Leune.

In den USA soll sich die Zahl derer, die infolge einer tödlichen Heroin-Dosis gestorben sind, im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt bis verdreifacht haben. In der Bundesrepublik sank die Zahl der Drogentoten in 2012 auf 944 – dem niedrigsten Stand seit 1988. In Niedersachsen waren es 56. 177 Menschen starben 2012 an einer Vergiftung mit Heroin oder Morphin, 250 an einer Vergiftung mit Heroin in Verbindung mit anderen Substanzen.

(Mit dpa)


Heroin ist eine illegale Droge, die aus Schlafmohn gewonnen wird und zu den Opiaten und Opioiden gehört. Heroin wirkt entspannend und stark euphorisierend. Außerdem lindert es Schmerzen. Bereits vor 6000 Jahren sollen Ägypter diese Wirkungen genutzt haben. Unter den bekannten Suchtmitteln ist Heroin das wirksamste. Es macht sehr schnell abhängig. Konsumenten blenden unangenehme Reize aus. Heroin kann gespritzt oder durch rauchen oder schnupfen zu sich genommen werden. Die Menge, die ein Süchtiger am Tag benötigt, kann vom Grad der Abhängigkeit zwischen einem halben und drei Gramm variieren. Wer nur etwas zu viel konsumiert, kann sterben. Nach einer Heroinvergiftung kommt es zu Kreislaufversagen und Bewusstlosigkeit.

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