Rockmusik gegen den Raubbau Neil Young protestiert gegen Ölsande in Kanada

Von Jörg Michel

Grimmiger Protest: Rocklegende Neil Young, hier im Sommer 2013 bei einem Konzert in der Schweiz, kritisiert den Abbau der umstrittenen Ölsande in seinem Land. Foto: dpaGrimmiger Protest: Rocklegende Neil Young, hier im Sommer 2013 bei einem Konzert in der Schweiz, kritisiert den Abbau der umstrittenen Ölsande in seinem Land. Foto: dpa

Edmonton. Der kanadische Superstar Neil Young rockt mit einer eigenen Konzertserie gegen den Abbau der umstrittenen Ölsande in seinem Land – und verärgert damit Regierung und Musikfans.

Er ist einer der weltweit bekanntesten Kanadier und einer der erfolgreichsten obendrein. Er hat Millionen Alben verkauft, er hat Grammys gewonnen und ist Mitglied der Rock and Roll Hall of Fame. Neil Young („Rockin‘ In The Free World“) gehört zu den größten Musikern aller Zeiten und trägt den höchsten Orden seines Heimatlandes.

Doch nun erhebt der Musiker seine röhrende Stimme ausgerechnet gegen eines der Lieblingsprojekte der kanadischen Regierung – und handelt sich damit Ärger bei Politikern und Fans ein. Als einer der bislang prominentesten Kanadier spricht sich Young gegen den umstrittenen Abbau von Ölsanden in seiner Heimat aus und unterstützt den Kampf der Ureinwohner gegen neue Förderprojekte.

Die Ölsande seien eine Schande für Kanada, wetterte Young in Toronto zum Auftakt einer Kurz-Tournee, die ihn diese Woche durch vier kanadische Großstädte führt. Die Erlöse will er den Chipewyan-Indianern zukommen lassen, die in der Nähe der gigantischen Abraumhalden leben und seit Jahren politisch und rechtlich gegen die Umweltzerstörungen kämpfen.

Prominenter Protest

Young schließt sich damit in einer ganzen Reihe von Prominenten an, die gegen die Ölsande protestieren – oder gegen die Keystone-XL-Pipeline , die das Öl eines Tages durch die USA leiten soll. Zu ihnen gehören unter anderem der Dalai Lama, Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, die Schauspieler Robert Redford und Pamela Anderson und der Regisseur James Cameron („Titanic“).

Die Kritik der Rocklegende könnte dabei kaum schärfer sein. Im letzten Herbst hatte Young mit einem Elektromobil die kanadischen Erdölfelder besucht und war schockiert. Er nannte die Region um die Öl-Stadt Fort MacMurray danach einen „der hässlichsten Orte, die ich je gesehen habe“, und sprach von einem Ödland „wie in Hiroshima“. Am Sonntag zum Konzertauftakt fügte der 68-Jährige vielsagend hinzu: „Und das war noch milde ausgedrückt.“

Fördergebiet so groß wie England

Bei Umweltschützern und Wissenschaftlern steht der Abbau seit Jahren in der Kritik. Die Fläche der Fördergebiete, die beim Abbau großflächig zerstört werden, entspricht laut Greenpeace der Größe Englands. Beim Auswaschen der Böden entstehen Abraumhalden zum Beispiel mit Schwefel, verseuchte Absatzteiche und Wolken mit Umweltgiften. Laut Umweltgruppen verursacht die Ölsand-Förderung dreimal mehr Klimagase als die normale Ölgewinnung.

Die Chipewyan-Indianer klagen über Gesundheitsprobleme wie Krebs, Lupus und Asthma, die sie auf die Verschmutzung der Gewässer und Luft zurückführen. „Die Entwicklung der Ölsande ist völlig außer Kontrolle geraten“, meinte Häuptling Allan Adam, als er in Toronto von Young auf die Bühne gebeten wurde.

Konkret wehren sich die Ureinwohner gegen eine vom Shell-Konzern geplante Ausweitung des Abbaus nahe Fort MacMurrary. Die Regierung hatte die Vergrößerung der so genannten „Jackpine Mine“ von 7500 auf 13000 Hektar im letzten Jahr genehmigt, obwohl die kanadische Regulierungsbehörde zuvor vor irreversiblen Umweltschäden gewarnt hatte.

Drittgrößtes bekanntes Ölvorkommen

Die Konzerne wollen die Ölsandproduktion in den nächsten Jahrzehnten annähernd verdreifachen. Im Norden der Provinz Alberta schlummern die nach Saudi-Arabien und Venezuela drittgrößten bekannten abbaubaren Ölvorkommen. Kanada betrachtet sie als strategische Reserven, als eine Garantie des Landes zum Aufstieg zur Rohstoff-Supermacht.

Entsprechend verärgert reagierte Premierminister Stephen Harper auf die Anti-Ölsand-Konzerte der Musikerlegende. „Sogar der Wohlstand eines Rockstars hängt in einem gewissen Maße davon ab, dass Tausende hart arbeitende Kanadier die Ressourcen heben“, ließ er über einen ein Sprecher mitteilen.

Eine Radiostation in Fort MacMurray protestierte auf ihre Weise gegen die Kritik Youngs: Nach einer Umfrage unter ihren Hörern, viele davon Minenarbeiter, boykottierte der Sender alle seine Songs. „Bleib beim Singen und halte sonst Deine Klappe“, meinte ein Rockfan in Internet. Doch Young gibt sich kämpferisch. Er werde weiter für die Rechte der Indianer und der Umwelt kämpfen und die Missstände anprangern, teilte er mit.


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