Papst-Rücktritt nicht vorhergesagt Esoterik-Kritiker: Wahrsager lagen auch 2013 daneben

Mit ihren Voraussagen für das Jahr 2013 lagen Wahrsager meistens daneben. Das hat eine Untersuchung der kritischen Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften ergeben. Foto: ImagoMit ihren Voraussagen für das Jahr 2013 lagen Wahrsager meistens daneben. Das hat eine Untersuchung der kritischen Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften ergeben. Foto: Imago

dpa/pm Roßdorf. Von wegen Stromausfälle durch Gammablitze oder schlimme Börsencrashs: Wahrsager haben auch 2013 keinen wirklichen Treffer gelandet. Meistens lagen sie daneben.

„Sie versagten mit ihren Prognosen auf ganzer Linie“, teilte die kritische Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) am Donnerstag in Roßdorf bei Darmstadt mit. Den Papst-Rücktritt etwa habe keiner auf dem Schirm gehabt. Ausgewertet worden seien mehr als 100 Texte mit mehr als 400 Prognosen. Vorhersagen seien wie immer vage geblieben. „Wenn tatsächlich genauere Daten genannt wurden, dann erwiesen sich diese als falsch“, sagte Bilanzierer Michael Kunkel (53). Selbst bei der Bundestagswahl habe sich die Augurenzunft weitgehend blamiert.

Über dieses vernichtende Fazit täuschen der GWUP zufolge auch einzelne Treffer nicht hinweg. So habe eine Wahrsagerin 2012 prophezeit, der ägyptische Präsident Mohammed Mursi werde sich halten können. Tatsächlich wurde er im Juli dieses Jahres gestürzt. Für Kunkel ist das ein „reiner Glücktreffer“: „Wenn man (...) sehr viele Prognosen formuliert, dann sind einzelne Treffer praktisch unvermeidlich.“ So hätte jene Wahrsagerin auch Stromausfälle durch Gammablitze, einen weiteren Atom-Unfall in Japan oder einen Vulkanausbruch in den USA vorhergesagt.

Das Lieblingsthema der Prognostiker bleiben Katastrophen aller Art. Egal ob Erdbeben oder Terroranschläge, Überschwemmungen oder Waldbrände: Vorhergesagt wurden sie in großer Zahl, doch meist ohne konkretere Angaben, wann und wo sie zu erwarten sind. Mathematiker Kunkel wies darauf hin, dass sich die Vorhersagen meist dann als falsch entlarvten, wenn sie zeitlich und räumlich zugewiesen wurden – wie etwa eine Warnung davor, dass 2013 Terroranschläge in New York, Washington, London und Frankfurt zu erwarten seien.

Zwei Ereignisse in diesem Jahr wären prädestiniert gewesen, um von Wahrsagern vorhergesagt zu werden: der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. und der Einschlag eines Meteoriten in Russland. Beide Ereignisse sorgten im Februar für Schlagzeilen. Vorhergesagt hatte sie der GWUP zufolge niemand.

Die Große Koalition als Ergebnis der Bundestagswahl wurde von manchen Hellsehern im Vorhinein zumindest nicht ausgeschlossen. Einigkeit herrschte darüber, dass Angela Merkel Kanzlerin bleiben würde. Verschiedene Meinungen gab es hingegen darüber, ob die FDP in der Regierung oder überhaupt im Bundestag bleiben würde oder nicht – bekanntlich gelang ihr weder noch.

Für 2014 rechnet Kunkel mit den üblichen Warnungen vor Börsen- und Naturkatastrophen sowie mit der einen oder anderen Prognose zur Fußball-WM – allerdings nur dann, wenn folgende Voraussage nicht doch noch zutreffen sollte: eine Kollision zwischen Jupiter und einem schwarzen Loch am ersten Weihnachtstag. Das hätte zur Folge, dass der Jupitermond Europa auf die Erde zurasen und gigantische Erdbeben verursachen würde. Doch Kunkel beruhigt: „Noch nie hat eines der Jahr für Jahr vorausgesagten Weltuntergangsszenarien stattgefunden. Ich sage voraus, dass die Erde auch von diesem Horrorszenario verschont bleiben und das Jahr 2014 nach ausgiebigen Silvesterfeiern mit dem Neujahrstag beginnen wird.“