Kreuze und Heiligenfiguren im Tecklenburger Land zerstört Serie von Schändungen geht weiter

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Das Borghorster Stiftskreuz als es noch da war. Ob der Diebstahl mit den Schändungen im Tecklenburger Land zusammenhängt, ist unklar. Foto: Archiv dpaDas Borghorster Stiftskreuz als es noch da war. Ob der Diebstahl mit den Schändungen im Tecklenburger Land zusammenhängt, ist unklar. Foto: Archiv dpa

Münster/Salzbergen. Eine Serie von Schändungen an Wegekreuzen und Heiligenfiguren im Großraum Tecklenburger Land beschäftigt zurzeit Staatsschutz und Polizei. Seit dem Wochenende sind im Präsidium in Münster neun neue Straftaten bekannt geworden.

Insgesamt ist die Liste der Zerstörung damit auf 26 Fälle angestiegen, wie Polizeioberkommissarin Angela Lüttmann sagte. Da ein religiös motivierter Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann, ermittelt nun auch der Staatsschutz. Der Schaden wird auf rund 64.000 Euro geschätzt.

Die Schändungen der vergangenen Tage betreffen den Angaben zufolge vor allem die Region um Ibbenbüren: Ein gestohlenes Holzkreuz wurde laut Polizei größtenteils verbrannt unter einer Autobahnbrücke wiedergefunden, eine Steinstatue des Heiligen Josefs wurde geköpft, eine Figur der Heiligen Barbara aus Ton zerschlagen. Im Nachbarort Saerbeck wurde eine Herz-Jesu-Statue gestohlen. Bisher wurde sie nicht gefunden. „Die sakralen Gegenstände befanden sich alle draußen vor den Kirchen, die Gebäude selbst waren abgeschlossen“, sagte Lüttmann.

Ende September nahm die Serie in Hörstel ihren Anfang. Wenige Tage später meldeten Küster in Mettingen, Ibbenbüren und Tecklenburg zahlreiche Straftaten. Bis zum vergangenen Wochenende war erst einmal Ruhe. „Es gibt keine Hinweise auf die Täter, keine Anhaltspunkte“, sagt Lüttmann weiter. Die Polizei hoffe auf Zeugenaussagen. Ob die Straftaten im Tecklenburger Land mit dem Diebstahl des Borghorster Stiftskreuz (Kreis Steinfurt) zusammenhängen, sei ebenfalls unklar.

Im Oktober hatten Unbekannte das etwa 40 Zentimeter große, mit Gold und Edelsteinen besetzte Kreuz aus einer Vitrine der Kirche St. Nikomedes gestohlen. Die 25 bis 30 Jahre alten Täter, die namentlich bekannt sind, waren laut Polizei mit einer schwarzen Mercedes-Limousine mit Bremer Kennzeichen geflüchtet, in der ein weiterer Mann saß. Das Kreuz aus dem 11. Jahrhundert gilt als herausragendes Zeugnis sakraler Kunst aus der Salierzeit, sein Wert als unschätzbar. Das Bistum hatte 50.000 Euro Belohnung für Hinweise zur Widerbeschaffung ausgelobt. „Die Ermittlungen laufen, es gibt nichts Neues“, sagte Reiner Schöttler, Pressesprecher der Polizei Steinfurt. Die Täter seien weiter auf der Flucht.

Bisher nicht geklärt ist auch der dreiste Diebstahl eines Drachens aus einem Ölgemälde der St. Cyriakus-Pfarrkirche in Salzbergen. Der Fall hatte im Oktober 2012 im Emsland Bestürzung und überregionalen Presserummel ausgelöst. Bei dem Heiligenbild handelt es sich um ein etwa drei Meter mal 1,50 Meter großes Ölgemälde aus den 50er Jahren. Das Gemälde wurde durch das Heraustrennen der Figur völlig zerstört.

„Man muss natürlich unterscheiden, zwischen Schändung und Diebstahl“, warnt Stephan Kronenburg vom Bistum Münster. Dennoch stelle das Schützen der wertvollen Devotionalien die Kirche in jedem Fall vor eine schwierige, wenn nicht sogar unmögliche Aufgabe: „Grundsätzlich gibt es keine Möglichkeit, alle Gegenstände zu 100 Prozent zu sichern“, sagte Kronenburg weiter. „Kreuze am Wegesrand schon mal gar nicht, die stehen quasi im freien Raum. Und bei Kirchen ist ja der Sinn und Zweck, dass die frei zugänglich sind.“


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