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Im Dschungelcamp, Tag 16 – Finale Brigitte Nielsen ist die falsche Wahl: Ich war für die Kakerlaken

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Die neue Königin des Dschungels: Brigitte Nielsen. Foto: dpaDie neue Königin des Dschungels: Brigitte Nielsen. Foto: dpa

Osnabrück. Brigitte Nielsen ist Dschungelkönigin – das ist wenig überraschend, aber trotzdem eine totale Enttäuschung, findet unser Dschungelcamp-Kolumnist Daniel Benedict.

Nielsen setzt das Camp-Konzept außer Kraft

Natürlich ist es egal, wer beim Dschungelcamp gewinnt. Langweiliger als Brigitte Nielsen geht's aber nicht: keine Fallhöhe. Die Schauspielerin ernährt sich hauptberuflich von Reality-Formaten. Damit funktioniert das ganze Show-Konzept bei ihr nicht mehr. Seit der Jahrtausend-Wende läuft ohne Unterbrechung irgendwo auf der Welt ein Schrottformat mit Nielsen: das Italo-Dschungelcamp „L’isola dei famosi“ (2001), „Big Brother VIP“ (2003) und “Celebrity Big Brother“ (2005), der öffentliche Entzug „Celebrity Rehab with Dr. Drew“ (2008), die OP-Show „Aus Alt mach Neu: Brigitte Nielsen in der Promi-Beauty-Klinik“ (2008) oder „La Ferme Célébrités“ (2010).

 Das widerspricht dem zynischen Versprechen von RTL: Die 48-Jährige ist gar kein gefallener Star, der sich erniedrigt, um noch ein einziges Mal wahrgenommen zu werden und Anschlussengagements in Großraumdiscos abzugreifen. Sie zieht hier einfach nur routiniert ihren Beruf durch.

 

Tolle Idee: das Dschungelcamp als Saufspiel

Ich habe nie für Nielsen, aber fünfmal für Kim Debkowski angerufen. Auch sie hat die RTL-Dramaturgie unterlaufen – das aber auf sympathischere Weise: Dank ihrer unverbrüchlich guten Lauen lösten sich alle Demütigungsversuche in echtes Entertainment auf. Mit Kim war das Dschungelcamp eine Abenteuerspiel-Show. Vor allem war sie im Finale die einzige ohne aufgesetztes Zwangsverhalten. Rocco Stark hatte sich mit seinen Behelfsparodien von Schweizern und Schwulen früh als schlimme Nervensäge etabliert.

Und Nielsen bringt aus ihrer Reality-Karriere zwar ein kollegiale Nachsicht mit der ihr völlig unbekannten Lokalprominenz mit, schaltet aber auch auf Autopilot - und bestreitet die ganze Show mit überdrehtem Gejubel. Es wurde viel darüber geklagt, dass Micaela ständig ihre Brüste zeigt. Tatsächlich war das Camp voller Kandidaten mit Wiederholungstic. Streckenweise bot die sechste Staffel sich dadurch als Saufspiel an. Wenn der erste Zuschauer bei jedem Bild von Micaelas Brüsten einen Schaps getrunken hätte, der nächste bei Nielsens „Oh my God“ und der dritte bei Vincents Raben-Gebrabbel, wären alle gleichzeitig dicht gewesen.

Dschungelkönig Kakerlake

Auch für Kim habe ich nur angerufen, weil die Kakerlaken keine Telefonummer hatte. Eigentlich sind die der wahre Dschungelkönig. Sie wurden auch am miesesten behandelt: eingepfercht, durch die Luft geschmissen, in Schleim ersäuft, zertreten, in Treibsand gekippt und mit der Pinzette aus dem behaglichen Ohr von Kim Debkowski gezerrt. Im Dschungeljargon wurden sie nicht mal mehr als Individuen wahrgenommen, sondern in Kilogramm gezählt. Eine Schweinerei! Kakerlaken sind grandiose Wesen und kulturell anpassungsfähiger als jeder an der Kotzfrucht würgende Urwald-Star.

Sie sind hochentwickelt und mit einer Spitzenleistung von 5,4 km/h sogar erheblich schneller als der beleibte Watschelmoderator Bach. Leider fehlte den Kandidaten dieser Staffel jede Einfühlung ins fremde Leben. Zuletzt hatte noch ein Rainer Langhans der Missachtung seinen Widerspruch entgegengesetzt, wenn auch nur der Form halber. Wirklich verstanden wurden Tiere sowieso nur von Bata Illic: „Liebe Tiere, habt keine Angst, ich bin es nur, der Bata.“

Als kleine Ehrenrettung folgen hier drei YouTube-Clips zum Thema.

Kakerlaken werden uns überleben, und sie wissen es: Hier singen die Insekten „I will survive“.

Gute Nachricht für Zombie-Kakerlaken: Bis vor kurzem konnten Juwelwespen sie mit einem Nervengift willenlos machen und bei lebendigem Leib an ihre Brut verfüttern. Israelische Forscher haben nun ein Gegengift entwickelt. Leider zu spät für die Kakerlake in diesem einminütigem Wissenschaftsclip.

Der große Liberace spielt die Kakerlaken-Internationale.

 


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