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Was, wenn Clare es gewusst hätte? 36-Jährige von Facebook-Freund ermordet – Täter-Datei soll Frauen Aufschluss geben

Von Jasmin Fischer

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Im Blickpunkt: Sollen Frauen ihre männlichen Internetbekanntschaften in einem Register prüfen lassen können? Großbritannien streitet. Foto: dpaIm Blickpunkt: Sollen Frauen ihre männlichen Internetbekanntschaften in einem Register prüfen lassen können? Großbritannien streitet. Foto: dpa

London. Happy End und Hochzeitsglocken, so endet für immer mehr Menschen die Partnersuche im Internet. Nicht so für Clare Wood: Die 36-Jährige wurde von einer flüchtigen Facebook-Bekanntschaft brutal getötet.

Solche Fälle sollen in Großbritannien mit einer für Frauen offenen Gewalttäter-Kartei der Vergangenheit angehören. Das geplante Register hätte auch Woods Leben retten können: Der nette Fremde aus dem Netz wäre darin als Stalker und Kidnapper notiert gewesen.

„Meine Tochter war sehr wachsam“, sagt Michael Brown, „wenn sie die Vorgeschichte des Mannes gekannt hätte, hätte sie sich niemals in seine Nähe begeben.“ Seine Tochter Clare wurde 2009 umgebracht von einem Mann, den sie im Netz kennengelernte. Zum Verhängnis wurde ihr ein Problem, das Nutzer von Online-Partnerbörsen gut kennen: Im Netz machen Kandidaten oft einen sehr viel besseren Eindruck als in der Realität.

Für die Frau aus Manchester war diese Diskrepanz zwischen Schein und Sein allerdings besonders verhängnisvoll: Sie vertraute dem flüchtigen Facebook-Freund und traf sich mit ihm – ohne zu wissen, dass seine Ex-Partnerinnen bereits drei richterliche Kontaktverbote gegen ihn erwirkt hatten. George A. war sogar vorbestraft für bewaffnetes Kidnapping. Auch in Clare Woods Wohnung brach er später gewaltsam ein. Dort erwürgte und verbrannte er die 36-Jährige.

Für Hazel Blears ist dies ein Schicksal, das alle treffen kann, die im Netz nach Partnern suchen. Im Freundeskreis oder Sportverein, also an klassischen Treffpunkten, kennt das Umfeld meist die dunklen Seiten derer, die sich dort tummeln. Doch das Netz ist anonymer und verzweigter, argumentiert die Labour-Politikerin. Clare Wood wohnte in ihrem Wahlkreis.

Ihr Tod hat Blears motiviert, sich für ein System einzusetzen, das in Europa einmalig sein könnte: Frauen sollen potenzielle Partner in einer polizeilichen Datenbank überprüfen können. „Frauen müssen das Recht bekommen, Vorgeschichten von häuslicher Gewalt zu erfahren“, so Blears, „ohne eine solche Transparenz sind die Risiken für sie unkalkulierbar.“

Unterstützt wird der Gesetzesvorschlag vom Verband der leitenden Kriminalkommissare, Clare Woods Vater und, wie Blears meint, der Mehrheit der britischen Frauen.

Die örtliche Polizeiwache soll nach ihrem Vorschlag Anlaufpunkt für skeptische Frauen sein. Dort müssen sie sich um Informationsfreigabe bewerben und schlüssig darstellen, dass der betreffende Mann ein potenzieller Partner und ihr Interesse „ehrlich und gerechtfertigt“ ist. Eine ähnliche Regelung gibt es bereits für Eltern, die Betreuungspersonen ihrer Kinder sowie Nachbarn auf Vorstrafen für Pädophilie überprüfen lassen können. Auch hier hatte ein Mordfall das Recht auf Informationsfreigabe inspiriert.

Die neue Gesetzesinitiative, in Großbritannien bereits unter dem Schlagwort „Clares Gesetz“ kontrovers diskutiert, hat von der Regierung bisher ein verhalten-positives Echo erfahren. Innenministerin Theresa May will über eine Einführung „nachdenken“. Schwer wiegen vor allem die Proteste von Datenschützern. „Natürlich wollen wir Gewalt gegen Frauen bekämpfen“, argumentiert etwa Robert Buckland vom Justizausschuss, „aber wir müssen auch verhindern, dass sie ohne Anlass in vertraulichen Informationen herumfischen. Es darf kein Carte-blanche-System geben, bei dem die Polizeiwache jedem, der nachfragt, die Akten von Tätern öffnet.“

Männerverbände wehren sich indessen gegen „sexuelle Diskriminierung“: Ein solches Register sollte Männern auch zugänglich sein.


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