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"In diesem Sommer ist noch alles drin" Nach trübem Juli schöner Start in den August

Von Beate Tenfelde

Nasse Füsse holt sich dieser Kleingärtner in Warnemünde, als er ein Bettgestell aus seiner überfluteten Laube schafft. Aber es soll besser werden. Foto:dapdNasse Füsse holt sich dieser Kleingärtner in Warnemünde, als er ein Bettgestell aus seiner überfluteten Laube schafft. Aber es soll besser werden. Foto:dapd

Osnabrück/Berlin. Der Juli war in unserer Region zu trüb und zu kalt. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist in diesem Sommer aber „noch alles drin“. Er muss nicht abgeschrieben werden.

Anfang nächster Woche schiebt sich nach den Voraussagen ein Hochdruckgebiet nach Deutschland. Es werde insgesamt etwas wärmer, und die Sonne komme auch wieder durch. „Ob diese Wetterlage länger anhält, ist noch ungewiss“, teilte der DWD mit.

„Der Juli war kein schöner Monat, aber auch nicht extrem schlecht“, sagte Klimaexperte Jörg Rapp gestern in Offenburg auf Anfrage unserer Zeitung. Zu nass seien die vergangenen Wochen jedenfalls nicht gewesen. Zwar habe es gerade am vergangenen Wochenende stark geregnet. Dafür sei in den ersten zehn Julitagen kaum Niederschlag gefallen.

Die Station Lingen hat nach Angaben von Rapp im Juli einen Durchschnittswert von 16,5 Grad ermittelt, in der Station Emden habe dieser Wert bei 15,7 Grad gelegen. Der DWD legt bei seinen Ermittlungen einen Vergleich zu den Jahren 1961 bis 1990 zugrunde. Danach ist im Bereich der Station Lingen der Juli 2011 um knapp ein 1 Grad kälter gewesen als im Vergleichszeitraum, lediglich 78 Prozent der Sonnenscheinstunden wurden erreicht. Allerdings sind auch nur Dreiviertel der Niederschläge gemessen worden.

In Emden sah es ähnlich aus, freilich regnete es dort mehr. Zu den „Regenlöchern“ der Republik gehört laut DWD vor allem das Allgäu, besonders trocken ist es in Rheinhessen und im Raum Magdeburg/Leipzig. Die Region Osnabrück und der Nordwesten verzeichnen danach Mittelwerte.

Nach der Klima-Bilanz des DWD, die gestern in Berlin vorgestellt wurde, erwärmt sich Deutschland bis zum Jahr 2100 um weitere zwei bis vier Grad. Außerdem erwarten die Experten trockenere Sommer, nassere Winter und mehr extreme Wetterereignisse, zum Beispiel Starkregen.

Schon im ersten Halbjahr 2011 ist es weitaus wärmer, trockener und sonniger gewesen als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. „Die ersten sechs Monate waren im Schnitt 1,5 Grad zu warm. Es war das zweitsonnigste Halbjahr und das neunttrockenste seit Beginn der Messungen 1881“, sagte der Leiter des Bereichs Klimaanalyse des DWD, Gerhard Müller-Westermeier. Wenn es weiterhin so warm bliebe, werde das Jahr 2011 das drittwärmste seit 1881 werden.

Paradoxerweise trägt zunehmend saubere Luft zur Klimaerwärmung bei. In den westlichen Industrieländern sei die Verschmutzung mit Staub und Ruß durch Kraftwerke, Hausbrand oder Verkehr gesunken, betonte DWD-Präsident Gerhard Adrian. „Damit reduziert sich die abkühlende Wirkung solcher Aerosole“, erläuterte er.