Umfrage unter Impflingen Kinder über die Corona-Impfung: "Ich dachte, es tut ganz doll weh"

Wie erleben Kinder die Corona-Impfung? Die Kids berichten von schlaflosen Nächten und einem kleinen Ziepen.Wie erleben Kinder die Corona-Impfung? Die Kids berichten von schlaflosen Nächten und einem kleinen Ziepen.
Ankea Janßen

Hamburg. Seit Dezember können auch die fünf bis Elfjährigen gegen Corona geimpft werden. Aber was denken Kinder eigentlich über den Piks und die Pandemie? Unsere Redaktion hat sich umgehört.

Die Corona-Impfung fasst Svea in einem knappen Satz und mit kindlichen Worten zusammen: "Das döfste ist, es tut ein bisschen weh", sagt sie. "Und ohne Hundi und Mama hätte ich das nicht geschafft." Hundi ist das Kuscheltier der Siebenjährigen. Vom vielen Knuddeln ist es längst nicht mehr plüschig-weich sondern völlig verfilzt.

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"Wenn alle geimpft sind, kann man wieder mehr zusammen sein"

Svea ist eines von vielen Kindern, das im Kinderimpfzentrum in der Pasmannstraße in der Hamburger Neustadt seine erste Impfung erhalten hat. Mit einer Giraffenmütze auf dem Kopf erzählt sie drauflos, warum der Piks gegen Covid-19 so wichtig ist. "Die Impfungen helfen, damit man das Virus nicht so schnell kriegt." Denn mittlerweile gebe es ja auch noch Omikron. Eine Freundin habe neulich zwei Striche auf dem Corona-Test gehabt, dabei sei sie nur fünf Minuten mit einer infizierten Person zusammen gewesen. "Ich bin froh, dass es endlich einen Impfstoff für Kinder gibt und hoffe, dass ich nicht krank werde. Aber das hofft ja jeder." Vor allem einen Wunsch hat sie für die Zukunft: "Wenn irgendwann alle geimpft sind, kann man wieder mehr zusammen sein."

Keine generelle Empfehlung der Stiko

Viele Eltern und Ärzte hatten sich in Sachen Kinderimpfung sehnlichst eine klare Aussage der Ständigen Impfkommission (Stiko) gewünscht. Diese aber spricht nur Kindern mit Vorerkrankungen und denjenigen, die Kontakt mit Menschen haben, die schwer an Covid-19 erkranken könnten, eine Empfehlung aus. Alle anderen können nur auf "individuellen Wunsch" der Eltern und nach ärztlicher Aufklärung geimpft werden. 

Liam und seiner Zwillingsschwester Kaja ist die Entscheidung für die Impfung zunächst nicht leicht gefallen, da ihre Eltern zur Risikogruppe gehören, hätten sie aber schließlich eingewilligt. "Ich konnte die ganze Nacht kaum schlafen und bin immer wieder zu Mama und Papa gelaufen", erzählt der Elfjährige. Er weiß, dass es in seltenen Fällen zu Herzmuskelentzündungen kommen kann und sorgt sich um Spätfolgen. Aber Angst, sich mit dem Virus zu infizieren, die habe er eben auch. "Ich hoffe, dass jetzt alles besser wird."

Schwester Kaja wünscht sich, dass der nächste Sommerurlaub in Frankreich durch den doppelten Impfschutz entspannter wird. "Die ständigen Tests sind schlimmer als die Impfung." Auf ihren Armen tragen sie nun stolz ein Piratenpflaster auf der Einstichstelle. Liam ein schwarzes, Kaja ein pinkes.

Ankea Janßen
Die elfjährigen Zwillinge Kaja und Liam haben sich ihre erste Impfung abgeholt.

Kinder können das Coronavirus weiter verbreiten

Kindern zwischen fünf und elf Jahren wird der Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer verabreicht – er wurde bereits am 25. November 2021 von der Europäischen Arzneimittelagentur Ema freigegeben. Das Vakzin wird in speziellen Kinderampullen geliefert, sie enthalten nur ein Drittel der Erwachsenendosis. "Es ist empfohlen, die Impfung mit zwei Impfstoffdosen des mRNA-Impfstoffs Comirnaty (10 µg) im Abstand von drei bis sechs Wochen durchzuführen", heißt es in der Stiko-Mitteilung.

Kleine Kinder erkranken nur äußerst selten schwer an Corona, jedoch können sie zur Verbreitung von Covid-19 beitragen. Neben der Krankheitslast bezieht die Stiko auch den allgemeinen gesellschaftlichen Nutzen mit ein. In einer pandemischen Situation soll eine möglichst hohe Impfquote in der Allgemeinbevölkerung das Virus dauerhaft eindämmen.

"Corona, das ist eine Krankheit, wegen der es vielen Leuten schlecht geht", sagt die sechsjährige Ella. Ihre Großeltern fänden es gut, dass sie sich impfen lässt. In den Händen hält sie ein Papierflugzeug, dass sie sich nach der Impfung aussuchen durfte. Ihre Mutter erzählt, dass Ella die Schule ohne Maske nicht kenne, alle Ausflüge in nächster Zeit seien abgesagt worden. "Das ist doch scheiße."

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Ella (6) suchte sich nach der Impfung ein Papierflugzeug aus.

"Auch nach der Impfung kann man noch krank werden"

Auch Marja, die mit ihrem Vater zum Impfzentrum gekommen ist, weiß ziemlich gut über die Pandemie Bescheid. Corona erklärt sie so: "Das ist ein Virus, das geht durch den Mund und schädigt die Lunge. Und es ist so mini-klein." Die Achtjährige hält Daumen und Zeigefinger dicht aneinander. "Auch nach der Impfung kann man noch krank werden, aber nicht so doll." Woher sie das alles wisse? "Google", sagt sie.

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Marja (8) zeigt stolz ihren Impfpass.

Und Medina berichtet, dass Menschen gestorben seien, weil sie sich nicht gegen Corona impfen ließen. Die Impfung habe sie kaum gespürt, weil ihre Mama Bahar sie abgelenkt habe. Bei Otis und Vito war es der Impfarzt, der Faxen gemacht habe, während er die Spritze setzte. "Ich war aufgeregt, weil ich dachte, es tut ganz doll weh. Aber der Mann hat ganz viel über Tiere gequatscht." Im Schlepptau haben die beiden ihre Kuscheltiere "Tiger" und "Polly". Warum die Corona-Impfung wichtig sei? "Das hat Mama entschieden", sagt Otis. 

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Die beiden Brüder Otis (7) und Vito (5).


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