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Aus der Reihe Fundstücke der Woche Auf postsecret.com wird gebeichtet – die Menschen bleiben anonym

Von Martina Grothe

Liebeserklärungen sind häufig zu finden. Screenshot: postsecret.comLiebeserklärungen sind häufig zu finden. Screenshot: postsecret.com

Osnabrück. Fast jeder hat ein Geheimnis, das er mit niemandem teilen möchte. Doch genau das wollte der Amerikaner Frank Warren erreichen. Er macht mit den Heimlichkeiten das, was viele interessiert: Er offenbart sie. Auf seiner Homepage postsecret.com veröffentlicht er einmal die Woche neue Geheimnisse, die ihm auf selbst kreierten Postkarten zugeschickt wurden.

Was als kleines Kunstprojekt begann, mündete in etwas Großem. Im Laufe der vergangenen sieben Jahre hat Warren über 500000 Geheimnisse gesammelt. Die Postkarten landeten in Museen, in Büchern und auf der Internetseite. Die Menschen, die sich hier offenbaren, bleiben anonym. Aber was beschäftigt uns im tiefsten Inneren? Bei einem Großteil der Geheimnisse geht es um Liebe, Betrug, Lügen. Es gibt aber auch welche, die nicht unbedingt die breite Masse miteinander teilt. Ein Beispiel: „Alle, die mich vor dem 11. September kannten, denken, dass ich tot bin.“

Ob alle Geheimnisse, die Warren erreichen, der Wahrheit entsprechen, kann nicht belegt werden. Er schreibt: „Jede Postkarte ist für mich Kunst. Und so wie in der Kunst, gibt es auch bei Geheimnissen verschiedene Ebenen der Wahrheit.“

Postsecret gibt es inzwischen in mehreren Ländern. In Deutschland arbeitet Sebastian Schultheiss seit über drei Jahren an dem Kunstprojekt, wie er es nennt. Er sagt in einem Interview: „Ich glaube, die meisten Leute möchten ihre Geheimnisse gerne loswerden. Da ist die Anonymität der Postkarte eine praktische Sache.“ So könnten die Menschen ihr Geheimnis erstmals veröffentlichen und gingen nicht die Gefahr ein, von Freunden anders angeschaut zu werden als vorher. Schultheiss wird bald ein Buch zum Thema veröffentlichen. Wer mit seiner Postkarte dabei sein möchte, findet auf postsecretdeutsch.blogspot.com entsprechende Informationen – alles anonym, versteht sich.