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"Im Boden steckt viel mehr, als man denkt"

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Von Jens Peter Dohmes Osnabrück (Eb.) Patricia Mersinger kommt ins Schwärmen, wenn sie vom Boden spricht. Kein Wunder: Beschäftigt sie sich doch derzeit täglich mit diesem Thema, das sie und ihr Team einer breiten Öffentlichkeit näher bringen wollen. Denn die Assoziationen, die viele dazu haben, sind eher negativ: Man denkt an Schmutz und an Dreck. "Viele Ältere bringen das Thema sogar mit Beerdigungen in Verbindung", sagt die 36-Jährige. Kurz: Der Boden hat ein Imageproblem, und das regionale Expo-Projekt OBE 2000 will den Menschen die Berührungsängste nehmen, ihnen zeigen, dass in ihm viel mehr steckt, als viele denken.

Mersinger ist Geschäftsführerin der 1996 eigens gegründeten GmbH zur Organisation der Projekte, und in ihrem Büro in der Bierstraße steht das Telefon derzeit nicht still. Immer ist etwas zu organisieren und zu regeln, denn die Planungen für die Weltausstellung, die am 1. Juni beginnt, laufen auch in Osnabrück auf Hochtouren. Hier muss eine Broschüre erstellt, dort mit der Expo-Gesellschaft in Hannover Rücksprache genommen werden. Angefangen habe alles 1992, erzählt Mersinger. Die Staatskanzlei in Hannover forderte die Regionen auf, sich Gedanken zur geplanten Weltausstellung in Hannover zu machen. Im hiesigen Raum wurde damit die OBE beauftragt, ein Zusammenschluss der Stadt und des Landkreises Osnabrück, der Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim, dem sich mittlerweile auch die Landkreise Vechta und Cloppenburg angeschlossen haben. Welche regionalen Projekte der Regionen könnten zum Thema der Weltausstellung – "Mensch – Natur – Technik" – passen? Ein Arbeitskreis unter der Federführung der Stadt Osnabrück wurde gegründet, dem Vertreter der regionalen Wirtschaft angehörten, die IHK, der Landschaftsverband, Fremdenverkehrsexperten, Wissenschaftler und Vertreter der Kommunen. Gesucht wurde nach einer Klammer, mit der sich verschiedene Projekte verbinden lassen, und die fand man schließlich nach Monaten lebhafter Diskussion mit dem Thema "Faszination Boden". Und dieses passt zur Region, denn hier gibt es von allem etwas: Städtisch geprägte Räume im Südwesten ebenso wie ländliche Bereiche im Norden und Nordwesten. In besonderem Maße ist der Raum nach Angaben der Organisatoren gekennzeichnet durch unterschiedliche Bodennutzung, wie sie in ihrer Intensität, aber auch in ihren Auswirkungen "so deutlich in kaum einer anderen Region Deutschlands zu finden sind". Dies spiegelt sich in den acht verschiedenen Projekten wider, die von Juni bis Oktober Besucher in die Region locken sollen. Da ist zum einen der "Erlebnisbereich Boden", der derzeit am Schölerberg in Osnabrück entsteht. Dort sollen den Besuchern die verschiedenen Böden, ihre Nutzung mit ihren positiven und negativen Auswirkungen anschaulich gemacht werden. In Lingen wird über die Entsiegelung von Verkehrsflächen informiert. An den dortigen Brögberner Teichen wird erläutert, wie der Boden das Wasser reinigt und mit lebenswichtigen Mineralien versorgt. Im Archäologischen Park Kalkriese bei Bramsche, wo sich vor 2000 Jahren die Varusschlacht zwischen Römern und Germanen zugetragen hat, soll der Boden als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte für Besucher erlebbar gemacht werden. Im Osnabrücker Stadtteil Wüste wird gezeigt, wie zusammen mit Anwohnern und der Kommune Bodenprobleme sinnvoll gelöst werden können. Am Piesberg bei Osnabrück wird eine durch Steinkohlebergbau und Steinindustrie geprägte Industriekulturlandschaft präsentiert, und im Botanischen Garten der Hasestadt geht es um salzresistente Nutzpflanzen. Neben einem Umweltbildungsprogramm im Landkreis Osnabrück gibt es überdies eine Reihe "assoziierter Projekte", die zwar nicht offiziell von der Expo anerkannt wurden, aber dennoch im Rahmen des OBE-2000-Programms auftauchen. Wenn die Projekte auch durchaus Wissenschaftler aus aller Welt anlocken sollen und nach Angaben Mersingers in der Fachwelt schon jetzt für Aufsehen gesorgt haben: Im Vordergrund steht die populäre Aufbereitung des Themas für ein Massenpublikum. So will die OBE 2000 vor allem auch Schülerinnen und Schüler ansprechen. Unterrichtseinheiten wurden zusammengestellt; es wird eng mit den Jugendherbergen in den Regionen zusammengearbeitet. Im Internet wird bereits jetzt ausführlich über die Projekte informiert (www.obe2000.de), und ein kleiner Maulwurf namens "Moley" wirbt für sämtliche Projekte. Routen wurden ausgearbeitet, die an den Standorten der Projekte vorbeiführen, aber auch an anderen Sehenswürdigkeiten der Region. An jedem Standort sollen täglich Führungen angeboten werden. Geöffnet ist täglich von 10 bis 17 Uhr, einmal wöchentlich auch bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Dabei ist es durchaus ein Problem, dass im Rahmen der Expo "so viel gemacht wird". Man muss schon sehen, dass man ein Stück vom Kuchen abbekommt, sagt Mersinger. Für die Expo wünscht sie sich natürlich, dass möglichst viele Besucher kommen – und etwas, auf das die Organisatoren leider wohl keinen Einfluss haben werden: "Dass das Wetter in diesem Sommer mitspielt."


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